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RNA-basierte Therapeutika
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Ein boomendes Forschungsfeld

Im Gegensatz zu klassischen niedermolekularen Arzneistoffen beeinflussen RNA-basierte Therapeutika die Bildung von Zielproteinen. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Antisense-Oligonukleotide, die sogenannten Sirane und RNA-Aptamere.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 08.06.2026  13:30 Uhr

»RNA-basierte Therapeutika sind ein Feld, das momentan völlig explodiert«, sagte Professor Dr. Daniel Merk von der Ludwig-Maximilians-Universität München beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Es seien heute bereits einige neue Arzneistoffe aus diesem Bereich im Handel und eine Vielzahl in der Pipeline.

Antisense-Oligonukleotide (ASO) sind kurze synthetische Nukleinsäuresequenzen mit einer Länge von etwa 15 bis 30 Nukleotiden. Sie sind so konstruiert, dass sie über komplementäre Basenpaarung gezielt an eine bestimmte RNA-Sequenz binden. Durch diese Bindung kann die Proteinbiosynthese auf verschiedene Weise beeinflusst werden. Ein wichtiger Mechanismus ist die Rekrutierung der RNase H. Dabei bildet das ASO mit der Ziel-mRNA einen Doppelstrang, der von der RNase H erkannt wird. Das Enzym spaltet die mRNA, sodass diese abgebaut wird und nicht mehr als Vorlage für die Proteinsynthese dienen kann. Das entsprechende Protein wird folglich nicht mehr gebildet.

Ein zweiter wichtiger Wirkmechanismus von ASO ist die Splicing-Modulation. Hier binden die Wirkstoffe an die prä-mRNA und blockieren gezielt bestimmte Spleißstellen. Dadurch können etwa einzelne Exons während der Prozessierung ausgelassen werden. Dieses sogenannte Exon-Skipping wird beispielsweise bei der Duchenne-Muskeldystrophie genutzt, um trotz eines Gendefekts wieder ein teilweise funktionsfähiges Dystrophin-Protein zu erzeugen. Merk informierte, dass es in den USA für diese Indikation sogar mehrere zugelassene Splicing-Modulatoren gibt.

Darüber hinaus können ASO die Translation auch direkt hemmen. Durch die Bindung an die mRNA entsteht eine sterische Blockade, die verhindert, dass Ribosomen an die RNA binden und die Proteinsynthese vonstatten geht. Die mRNA bleibt dabei erhalten, wird aber nicht mehr effizient translatiert.

Als nächste bedeutende Klasse der RNA-basierten Therapeutika stellte Merk die small interfering RNA, kurz siRNA, oder einfach Sirane vor. Diese bestehen aus einem doppelsträngigen RNA-Molekül mit etwa 20 bis 25 Basenpaaren und nutzen den natürlichen Mechanismus der RNA-Interferenz. Nach Aufnahme in die Zelle wird die siRNA in den RNA-induzierten Silencing-Komplex, den sogenannten RISC, eingebaut. Dann wird der Sense-Strang entfernt, während der Antisense-Strang im Komplex verbleibt. »RISC erkennt im Zytoplasma durch den gebundenen Antisense-RNA-Strang komplementäre mRNA und baut sie ab«, so Merk. Dadurch wird die Translation unterbunden und das krankheitsrelevante Protein nicht mehr gebildet. Der Professor für Pharmazeutische Chemie erklärte, dass RISC eine katalytische Wirkung besitzt und viele mRNA-Moleküle abbauen kann. Damit sei ein langanhaltender therapeutischer Effekt erzielbar.

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