| Sven Siebenand |
| 27.04.2026 12:00 Uhr |
Starke Bauchschmerzen zählen zu den typischen Symptomen beim familiären Chylomikronämie-Syndrom. / © GettyImages/ Kinga Krzeminska
Das familiäre Chylomikronämie-Syndrom (FCS) ist eine seltene erbliche Erkrankung des Fettstoffwechsels. Die Ursache sind unter anderem Mutationen im Gen für das Enzym Lipoproteinlipase (LPL), wodurch die Hydrolyse von triglyceridreichen Chylomikronen eingeschränkt oder gänzlich unmöglich ist. Daraus erwächst eine ausgeprägte Hypertriglyceridämie. Dies führt zu einer Reihe von Symptomen, darunter starke Bauchschmerzen, potenziell lebensbedrohliche Anfälle akuter Pankreatitis und eine Vergrößerung von Leber und Milz.
Menschen mit FCS müssen ihre Fettaufnahme über die Ernährung streng begrenzen. Dies ist jedoch nicht immer machbar und auch nicht ausreichend wirksam, um den Triglyceridspiegel zu senken und einer Pankreatitis vorzubeugen. Herkömmliche lipidsenkende Medikamente sind in der Regel nicht in der Lage, den Triglyceridspiegel bei Patienten mit FCS ausreichend zu senken.
Mit Olezarsen und Volanesorsen kamen in den vergangenen Jahren bereits zwei neue Wirkstoffe für die Behandlung des FCS auf den deutschen Markt. Beides sind Antisense-Oligonukleotide, die an die mRNA von Apolipoprotein C-III (ApoC-III) binden. Dadurch wird die Translation des Proteins und damit dessen Produktion verhindert. Wird ApoC-III nicht mehr produziert, ermöglicht das im Körper den Chylomikronen-Abbau über einen LPL-unabhängigen Weg. Als Folge sinkt der Triglycerid-Spiegel im Blut.
Der nun zur Zulassung empfohlene Wirkstoff Plozasiran schaltet ebenfalls die ApoC-III-codierende mRNA aus. Plozasiran wirkt allerdings über die RNA-Interferenz (RNAi). Es handelt sich um eine small interfering RNA (siRNA), ein sogenanntes Siran. Zentraler Bestandteil des RNAi-Signalwegs ist der Protein-Komplex RISC (RNA-Induced Silencing Complex). Im Zellinneren bindet das Siran an RISC. Erkennt dieser Verbund aus siRNA und RISC nun mRNA, die komplementäre Abschnitte zur siRNA besitzt, kommt es zum RISC-vermittelten Abbau der mRNA.
Plozasiran soll ergänzend zu einer Diät zur Senkung der Triglyceridwerte bei erwachsenen Patienten mit FCS zum Einsatz kommen. Es muss alle drei Monate subkutan verabreicht werden. Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Hyperglykämie, Kopfschmerz, Übelkeit und Reaktionen an der Injektionsstelle.
Abschließend muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie den neuen Wirkstoff zulässt. In der Regel folgt sie aber den Empfehlungen des EMA-Gremiums.