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ARZNEISTOFFE

Volanesorsen|Waylivra®|58|2019

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STOFFGRUPPE
58 Lipidsenker
WIRKSTOFF
Volanesorsen
FERTIGARZNEIMITTEL
Waylivra®
HERSTELLER

Akcea Therapeutics

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2019
DARREICHUNGSFORM

285 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

Indikationen

Waylivra ist zugelassen als unterstützende Behandlung neben einer Diät bei erwachsenen Patienten mit genetisch bestätigtem familiärem Chylomikronämie-Syndrom (FCS) und einem hohen Risiko für eine Pankreatitis, wenn das Ansprechen auf eine Diät und eine andere Triglycerid-senkende Therapie unzureichend waren.

Wirkmechanismus

Volanesorsen ist ein Antisense-Oligonukleotid, also ein kurzes Stück synthetische RNA. Die selektive Bindung des Wirkstoffs an die mRNA des Proteins Apolipoprotein C-III (APOC-III) führt zum Abbau der mRNA, sodass die Translation des Proteins und damit dessen Produktion verhindert werden. APOC-III ist ein überwiegend in der Leber gebildetes Protein, welches im Triglycerid-Stoffwechsel eine Schlüsselrolle einnimmt. Wird es nicht mehr produziert, ermöglicht das im Körper den Chylomikronen-Abbau über einen LPL-unabhängigen Reaktionsweg. Die Folge: Die Triglycerid-Konzentration im Blut sinkt und damit auch das Pankreatitis-Risiko.

Anwendungsweise und -hinweise

Jede Waylivra-Fertigspritze enthält eine Einzeldosis von 285 mg Volanesorsen in 1,5 ml Lösung. Zu Beginn der Behandlung wird das Arzneimittel einmal wöchentlich appliziert. Nach drei Monaten können Patienten, bei denen die Triglycerid-Konzentration ausreichend vermindert wurde, es weiterhin alle zwei Wochen anwenden. Je nach Ansprechen auf die Therapie wird die Häufigkeit der Injektionen nach sechs und neun Monaten erneut angepasst.

 

Patienten können Waylivra selbst subkutan spritzen. Es ist wichtig, für die Injektion abwechselnd verschiedene Einstichstellen zu verwenden. Möglich sind der Bauch, die Oberschenkel und die Außenseiten der Oberarme. Volanesorsen darf nicht in tätowierte Hautbereiche, Pigmentmale, Muttermale, Hämatome, Exantheme oder Hautbereiche, die empfindlich, gerötet, verhärtet, geprellt, verbrannt, entzündet oder nicht intakt sind, injiziert werden.

 

Vor der Anwendung muss der Patient das Medikament einer Sichtprüfung unterziehen. Die Lösung muss klar und farblos bis leicht gelblich sein. Wenn sie trüb ist oder sichtbare Partikel enthält, darf sie nicht verwendet werden.

 

Vor Therapiebeginn ist die Thrombozytenzahl des Patienten zu bestimmen. Unter Behandlung mit dem Antisense-Oligonukleotid muss der Wert mindestens alle zwei Wochen kontrolliert werden. Es wird empfohlen, vierteljährlich eine Überwachung auf Nephro- und Hepatotoxizität durchzuführen.

Nebenwirkungen

Die in Studien zu Volanesorsen am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren lokale Reaktionen an der Einstichstelle und ein Abfall der Thrombozyten. Um eine Thrombozytopenie früh zu erkennen oder zu verhindern, ist ein regelmäßiges Monitoring notwendig.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Waylivra darf nicht bei Patienten angewendet werden, die an einer chronischen oder ursächlich unklaren Thrombozytopenie leiden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Waylivra basiert unter anderem auf den Ergebnissen der Phase-III-Studie APPROACH mit 66 FCS-Patienten. In dieser wurde die mittlere prozentuale Änderung des Nüchtern-Triglycerid-Werts nach drei Monaten ausgewertet. Während es unter Placebo zu einem durchschnittlichen Anstieg von 18 Prozent kam, wurde unter Verum eine Verminderung um 77 Prozent gegenüber dem Ausgangswert festgestellt – ein statistisch und klinisch signifikanter Unterschied.

 

Die lipidsenkende Wirkung trat rasch ein. Eine Separation von Placebo war bereits nach vier Wochen zu sehen. Die maximale Wirkung war nach zwölf Wochen erreicht. Über die einjährige Behandlungsphase wurde eine klinisch und statistisch signifikante Reduktion der Triglycerid-Spiegel aufrechterhalten.

 

Zudem kam es über 52 Wochen betrachtet unter Volanesorsen seltener zu Pankreatitis und die Analyse der Patienten mit rezidivierenden Pankreatitiden in der Vorgeschichte ergab eine signifikante Reduktion der Krankheitsschübe bei den mit Volanesorsen behandelten Patienten im Vergleich zur Placebogruppe.

Hintergrundinfos

Das familiäre Chylomikronämie-Syndrom (FCS) ist eine sehr seltene, autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung. Die Prävalenz liegt schätzungsweise bei ein bis neun Betroffenen pro 1 Million Einwohner. Mutationen betreffen dabei Gene, die für Proteine, die in die Lipolyse involviert sind, kodieren. Durch eine Funktionsstörung des Enzyms Lipoproteinlipase (LPL) kommt es zur Hypertriglyceridämie mit sehr hohen Werten von mehr als 10 mmol/l (880 mg/dl). Aufgrund der eingeschränkten LPL-Funktion können Patienten mit FCS schlecht Chylomikronen abbauen, die sich somit im Blutplasma anreichern. Chylomikronen sind Lipoproteine, die zu 90 Prozent aus Triglyceriden bestehen. Das FCS ist mit einem Risiko für eine akute und potenziell tödlich verlaufende Pankreatitis assoziiert.

Besonderheiten

Waylivra ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 ℃ aufzubewahren. Die Fertigspritzen sollten vor der Injektion Raumtemperatur annehmen. Dafür werden sie mindestens 30 Minuten vor der Anwendung aus der Kühlung genommen.

 

Waylivra ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Als Vorsichtsmaßnahme sollte die Anwendung von Waylivra während der Schwangerschaft vermieden werden.

 

In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Waylivra verzichtet beziehungsweise die Therapie unterbrochen wird. 

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Letzte Aktualisierung: 06.09.2019