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ARZNEISTOFFE

Evolocumab|Repatha®|58|2015

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STOFFGRUPPE
58 Lipidsenker
WIRKSTOFF
Evolocumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Repatha®
HERSTELLER

Amgen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2015
DARREICHUNGSFORM

140 mg Injektionslösung in einem Fertigpen

Indikationen

Repatha ist als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Lipidsenkern zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen bei Patienten mit primärer Hyper­cholesterolämie oder gemischter Dys­lipidämie zugelassen, die Statin-intolerant sind oder bei denen Statine kontraindiziert sind. In diesen Anwendungsgebieten kann Repatha auch, allein oder in Kombination mit anderen Lipidsenkern, mit einem Statin kombiniert werden, wenn Pa­tienten ihre LDL-Cholesterol-Werte trotz maximal tolerierter Statin-Dosis nicht adäquat senken können.

 

Ein weiteres Zulassungsgebiet ist die homozygote familiäre Hyperchol­esterolämie. Patienten mit dieser Erbkrankheit haben aufgrund eines genetischen Defekts stark erhöhte Cholesterol-Blutspiegel. Bei Betroffenen ab zwölf Jahren darf Repatha in Kombination mit anderen Lipidsenkern zum Einsatz kommen.

Wirkmechanismus

Evolocumab ist ein PCSK9-Hemmer. Das Akronym PCSK9 steht für Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9. Das Protein spielt bei der Regulierung des Serumspiegels von LDL-Cholesterol eine wichtige Rolle, indem es die Anzahl der LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Hepatozyten beeinflusst. PCSK9 bindet wie LDL-Cholesterol an LDL-Rezeptoren hepatischer Zellen. Nach der Bindung gelangt der gebildete Komplex in die Zelle. Anders jedoch als die LDL-Cholesterol-Rezeptorkomplexe, die in der Zelle gespalten und recycelt werden, werden die PCSK9-Rezeptor-Komplexe vollständig abgebaut. In der Folge stehen an der Oberfläche weniger LDL-Rezeptoren zur Verfügung, die LDL-Cholesterol aus dem Blut aufnehmen könnten. Der Serumspiegel steigt. Blockiert man PCSK9 mit einem spezifischen Antikörper wie Evolocumab, erhöht sich die Zahl der LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Hepatozyten, und der LDL-Cholesterol-Spiegel sinkt.

Anwendungsweise und -hinweise

Repatha wird subkutan in das Abdomen, den Oberschenkel oder den Oberarm injiziert. Geschulte Patienten dürfen sich das Medikament selbst spritzen. Sie sollten dabei die Injek­tionsstellen wechseln, und die Applikation sollte nicht an Stellen mit empfindlicher, verletzter, geröteter oder verhärteter Haut erfolgen.

 

Bei primärer Hypercholesterolämie oder gemischter Dyslipidämie werden entweder alle zwei Wochen 140 mg Wirkstoff verabreicht oder einmal im Monat 420 mg. Bei homozygoter familiärer Hyper­cholesterolämie werden als Initialdosis einmal monatlich 420 mg empfohlen. Wird das gewünschte Ansprechen nach zwölfwöchiger Behandlung nicht erreicht, kann die Dosis bei ihnen auf bis zu 420 mg alle zwei Wochen erhöht werden. In beiden Indikationsgebieten gilt: Patienten, die 420 mg spritzen, verwenden drei Fertigpens à 140 mg, deren Inhalt nacheinander innerhalb von 30 Minuten zu injizieren ist.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen von Evolocumab waren in Studien Nasopharyngitis (5 Prozent), Infektionen der oberen Atemwege (3 Prozent), Rückenschmerzen (3 Prozent), Arthralgie (2 Prozent), Influenza (2 Prozent) und Übelkeit (2 Prozent).

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung sollte der Repatha mit Vorsicht zum Einsatz kommen. Bei mäßiger Leberfunktionsstörung kann eine engmaschige Überwachung sinnvoll sein, weil bei diesen Patienten eine Abnahme der Gesamt-Evo­locumab-Exposition beobachtet wurde, die zu einer verringerten Wirkung auf den LDL-Cholesterol-Spiegel führen kann.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Studien zu Evolocumab zeigten, dass der Antikörper eine deutliche und konsistente Senkung des LDL-Cholesterol-Spiegels sowie vorteilhafte Änderungen weiterer Lipidparameter bei etwa 6000 Patienten mit primärer Hypercholesterolämie und gemischter Dyslipidämie bewirkte. Davon waren knapp 4500 Patienten mit einem erhöhten Cholesterolspiegel in zehn Phase-III-Studien eingeschlossen. In diesen reduzierte Evolocumab das LDL-Cholesterol signifikant um circa 55 bis 75 Prozent im Vergleich zu Placebo und um etwa 35 bis 45 Prozent im Vergleich zu dem Lipidsenker Ezetimib.

 

Bei homozygoter familiärer Hyper­cholesterolämie wurde Evolocumab im Rahmen von zwei Hauptstudien mit 155 Patienten untersucht. In einer dieser Studien wurde gezeigt, dass der Anti­körper in Kombination mit anderen blutfettsenkenden Arzneimitteln das LDL-Cholesterol nach zwölfwöchiger Behandlung mit 420 mg Evolocumab pro Monat im Vergleich zu Placebo zusätzlich um durchschnittlich 32 Prozent senkte. In einer zweiten Studie über 36 Wochen wurde gezeigt, dass die Langzeitanwendung des Antikörpers einen dauerhaften Behandlungseffekt erzielte. So betrug die Senkung des LDL-Cholesterols etwa 20 bis 30 Prozent bei Patienten, die keine Apherese erhielten, und etwa 15 bis 25 Prozent bei Patienten mit Apherese.

 

In der Fachinformation von Repatha wird darauf hingewiesen, dass die Wirkung des Antikörpers auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität bei beiden Indikationen noch nicht nachgewiesen wurde. Allerdings läuft zum Beispiel die FOURIER-Studie (Further Cardiovascular Outcomes Research with PCSK9 Inhibition in Subjects with Elevated Risk), in der untersucht wird, ob eine Behandlung mit Evolocumab in Kombination mit einem Statin bei fast 28.000 Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen die Häufigkeit kardio­vaskulärer Ereignisse im Vergleich zu Placebo senken kann.

Besonderheiten

Ein Hinweis zur Aufbewahrung: Repatha ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern. Nach Entnahme aus dem Kühlschrank kann es in der Originalverpackung bei Raumtemperatur aufbewahrt werden, muss aber innerhalb von einer Woche verwendet werden.

Repatha ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Evolocumab darf bei Schwangeren nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist aufgrund des klinischen Zustandes der Frau unbedingt erforderlich. In der Stillzeit ist eine Entscheidung zu treffen, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit dem Antikörper verzichtet werden soll beziehungsweise die Behandlung zu unterbrechen ist. Dabei sind sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.

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Letzte Aktualisierung: 13.04.2016