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Pharmaindustrie
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»Merz muss jetzt zum Hörer greifen«

Die geplanten Einsparungen im Arzneimittelbereich führen zu wachsender Unruhe in der Pharmaindustrie. Nachdem Eli Lilly und Boehringer Ingelheim Investitionen zurückfahren, wächst der politische Druck auf die Bundesregierung.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 04.06.2026  16:10 Uhr
»Merz muss jetzt zum Hörer greifen«

Gleich zwei Pharmaunternehmen haben angekündigt, ihre Investitionen in Deutschland deutlich zu reduzieren. Eli Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet: 2,06 Milliarden Euro) in eine neue Produktionsstätte in Alzey investieren. Das Unternehmen begründet den Rückzug explizit mit den Sparplänen der Bundesregierung im Gesundheitswesen. Der verbleibende Ausbau soll nur noch halb so groß ausfallen wie ursprünglich geplant.

Auch Boehringer Ingelheim zieht die vorgesehenen Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen macht dafür unter anderem die Sparpläne der Bundesregierung sowie den Druck aus den USA verantwortlich.

»Ein Pharmadialog, für den sich niemand interessiert«

Die Pharmaindustrie übt scharfe Kritik an der Bundesregierung. »Wenn Unternehmen nach sorgfältiger Prüfung zum Schluss kommen, in Deutschland keine guten Investitionsbedingungen zu haben, kann die Bundesregierung davon ausgehen, dass es solche Überlegungen auch in anderen Unternehmen gibt«, warnt Jörg Wieczorek, der Vorstandsvorsitzende von Pharma Deutschland, in einer Pressemitteilung.

Wieczorek fordert von der Bundesregierung klare Signale, etwa durch mehr Dialog mit der Branche und »tragfähige Rahmenbedingungen«. Auch Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, sprach sich in dem Podcast der Deutschen Krankenhausgesellschaft für effiziente Strukturen und nachhaltige Reformen für die Pharmabranche aus.

Als ein schlechtes Signal für Rheinland-Pfalz und für den Wirtschaftsstandort Deutschland bezeichnete Matthias Mieves (SPD) die angekündigten Investitionskürzungen. Auch er fordert verlässliche Rahmenbedingungen für die Branche. »Bundeskanzler Merz muss alles daransetzen, diese Investitionen in Deutschland zu halten. Er muss jetzt zum Hörer greifen und die Spitzen dieser Unternehmen dazu bewegen, ihre Entscheidung zu überdenken«, sagte der Gesundheitspolitiker aus Rheinland-Pfalz gegenüber der PZ. 

Pharma Deutschland kritisiert zudem, dass  zentrale Zusagen aus der Standort- und Pharmastrategie der Bundesregierung bei den Unternehmen nie angekommen seien. »Ein Pharmadialog, für den sich offensichtlich außer dem Gesundheitsressort niemand in der Bundesregierung interessiert, und ein GKV-Spargesetz, welches das Standortvertrauen zerstört, kann nicht folgenlos bleiben«, so Wieczorek weiter. 

Im November fand der Pharmadialog im Kanzleramt statt. Dabei ging es um eine bessere Arzneiversorgung und attraktivere Standortbedingungen für die Branche. Mit dabei waren Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) sowie Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Verbänden und von mehreren Bundesministerien. Laut Frei hätte aus dem Pharmadialog eine Pharmastrategie zur Stärkung der Branche entstehen sollen. Denn laut Koalitionsvertrag soll die Pharmaindustrie zur führenden Industrie in Deutschland werden. Doch die Branche zeigt sich mit den bisherigen Entwicklungen unzufrieden.

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