| Melanie Höhn |
| 20.07.2026 12:30 Uhr |
Während ausländische Versandapotheken von anderen gesetzlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen profitierten, würden immer mehr deutsche Apotheken wirtschaftlich unter Druck geraten, sagt Apothekeninhaberin Yasmine Keddo aus Oberhausen. / © FUNKE Foto Services
Nach sechs Tagen hat die Petition Stand heute 1154 Unterschriften erreicht, 197 Menschen haben das Vorhaben kommentiert – die überwiegende Mehrheit spricht sich ausdrücklich gegen den ausländischen Versandhandel und für mehr Wertschätzung und Unterstützung der Apotheke vor Ort aus. Die Petition kann noch fünf Monate lang unterzeichnet werden. Bis zum Ende der Frist soll das angestrebte Quorum von 30.000 Unterschriften erreicht werden.
Die Apothekerin Yasmine Keddo fordert in der Petition die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag auf, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus dem Ausland nach Deutschland zu verbieten oder gesetzlich so zu regeln, dass für alle Apotheken gleiche Wettbewerbsbedingungen gelten.
»Jeden Tag entscheiden wir mit unserem Einkauf darüber, welche Zukunft wir unserem Land ermöglichen.
Wenn wir unsere verschreibungspflichtigen Medikamente zunehmend bei Versandapotheken im Ausland bestellen, fließt ein Teil der Wertschöpfung ins Ausland – während immer mehr Apotheken in Deutschland ums Überleben kämpfen. Mit jeder geschlossenen Apotheke verlieren wir ein Stück Sicherheit. Doch Gesundheit kennt keine Öffnungszeiten«, schreibt Keddo in ihrer Petitionsbegründung.
»Stellen Sie sich vor, Ihr Kind bekommt mitten in der Nacht plötzlich 40 Grad Fieber. Oder Ihre Mutter leidet am Wochenende unter einer schweren Infektion. Vielleicht erleidet Ihr Partner um 3 Uhr morgens eine starke allergische Reaktion und benötigt sofort ein verschriebenes Medikament«, so Keddo weiter. »In diesen Momenten hilft keine Versandapotheke. Kein Paketdienst kann innerhalb weniger Minuten lebenswichtige Arzneimittel liefern. Dann zählt nur eines: die Notdienstapotheke vor Ort. Dort erhalten Menschen sofort ihre Medikamente, persönliche Beratung und schnelle Hilfe – unabhängig von Wetter, Feiertagen oder Uhrzeit.«
Doch wenn immer mehr Apotheken schließen, so die Inhaberin der Hirsch-Apotheke in Oberhausen, verschwinden auch immer mehr Notdienststandorte. »Die Wege werden länger, Wartezeiten steigen und die Versorgung verschlechtert sich – besonders für ältere Menschen, Familien mit Kindern und Menschen im ländlichen Raum.«
Für Keddo ist klar: Eine Apotheke ist kein gewöhnliches Geschäft. Sie ist Teil unserer kritischen Gesundheitsversorgung. »Wir dürfen nicht zulassen, dass wirtschaftlicher Wettbewerb dazu führt, dass eine Infrastruktur verschwindet, auf die jeder von uns eines Tages angewiesen sein kann. Es geht nicht nur um Apothekerinnen und Apotheker. Es geht um unsere Eltern. Unsere Großeltern. Unsere Kinder.
Und vielleicht schon morgen um uns selbst. Wenn wir erst merken, wie wichtig unsere Apotheken sind, nachdem sie geschlossen haben, ist es zu spät.«
Auch die ABDA hatte im Februar 2026 eine Petition auf openpetition.de gestartet, die mittlerweile beendet ist. Die Online-Petition, die den Titel »Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!« trug und eine unverzügliche Erhöhung des Apothekenhonorars forderte, erreichte insgesamt 320.348 Unterzeichner.