Neben Bluttests sollte auch eine Urindiagnostik erfolgen, um Nierenerkrankungen frühzeitig zu erkennen. / © Getty Images/PS3000
Um eine chronische Nierenerkrankung (CKD) früh zu erkennen, reicht der Kreatinin-Wert oft nicht aus. Er wird bei Blutuntersuchungen bestimmt, um die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) zu ermitteln. Seine Aussagekraft ist in frühen Stadien einer Nierenerkrankung jedoch begrenzt. »Der Wert wird häufig erst auffällig, wenn die Nierenfunktion bereits erheblich eingeschränkt ist«, erläutert Professorin Dr. Sibylle von Vietinghoff in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Die Früherkennung sei daher anspruchsvoll.
Die DGfN fordert, die Nierenfunktion bei Menschen mit Bluthochdruck, Herzschwäche oder anderen kardiovaskulären Risikofaktoren regelmäßig zu überprüfen – denn Herz und Nieren beeinflussen sich gegenseitig. Etwa die Hälfte der Menschen mit einer Herzschwäche habe eine chronische Nierenkrankheit, so die Fachgesellschaft. Dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt die feinen Blutgefäße und Strukturen der Niere. Umgekehrt zählt eine eingeschränkte Nierenfunktion zu den wichtigen kardiovaskulären Risikofaktoren.
»Die entscheidende Folge einer CKD ist nicht erst die Dialyse. Viele Betroffene entwickeln bereits vorher Herz-Kreislauf-Erkrankungen«, führt von Vietinghoff weiter aus. Um dem vorzubeugen, ist eine umfassendere Untersuchung der Nierenfunktion notwendig.
»Die Urindiagnostik ist genauso wichtig wie die Blutdiagnostik«, so die Expertin. Über den Urin lässt sich die Albuminausscheidung ermitteln. Dadurch kann neben der eGFR auch der Albumin-Kreatinin-Quotient bestimmt werden. Die Kombination beider Marker ermögliche eine deutlich präzisere Einschätzung des individuellen Risikos. »Gerade weil heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, müssen wir die Zusammenhänge zwischen Niere und Herz früh erkennen und bei Therapieentscheidungen gemeinsam berücksichtigen«, betont die Nephrologin.
Auch auf europäischer Ebene gewinnt die Früherkennung von Nierenerkrankungen an Bedeutung. So sieht der »Safe Hearts Plan«, eine im Dezember 2025 von der Europäischen Kommission vorgestellte Strategie zur Prävention und Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor, die Erkennung von Nierenerkrankungen in Vorsorgeuntersuchungen einzubeziehen.
»Je früher wir ein erhöhtes Risiko erkennen, desto gezielter können wir behandeln und Folgeschäden vermeiden«, betont von Vietinghoff. Denn Nierenschäden seien häufig nicht reversibel. Patienten sollten daher ihre Nierenwerte kennen und regelmäßig kontrollieren lassen.