Eli-Lilly-Chef Dave Ricks: »Deutschland wird bei der Unterstützung unserer Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen.« / © Imago / Bobo
Für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz waren es gleich zwei negative Nachrichten am gestrigen Tag: Der US-Pharmakonzern Eli Lilly fährt seine geplanten milliardenschweren Investitionen in den neuen Produktionsstandort in Alzey deutlich zurück, und der im Land sitzende Mitbewerber Boehringer Ingelheim will einen hohen dreistelligen Millionenbetrag nicht mehr in deutsche Standorte fließen lassen.
Das eine Unternehmen begründet den Schritt explizit mit den Sparplänen der Bundesregierung im Gesundheitswesen, das andere verweist unter anderem darauf. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, die Entscheidungen der Firmen ernst zu nehmen. Die Landesregierung habe umgehend Kontakt aufgenommen und werde im laufenden Gesetzgebungsverfahren in Berlin vermittelnd Einfluss nehmen.
Der Chef von Eli Lilly, Dave Ricks, nannte die geplante Gesundheitsreform im »Handelsblatt« ein »schreckliches Signal«. »Deutschland wird bei der Unterstützung unserer Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen«, so Ricks. Eli Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden US-Dollar in die neue Produktionsstätte in Alzey stecken. Vor dem Hintergrund des gesundheitspolitischen Kurses in Deutschland sei nun geplant, den noch ausstehenden Umfang des Projekts um 50 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung zu reduzieren, hieß es.
In Alzey ist der Rohbau der Produktionsstätte den Angaben zufolge fast abgeschlossen. Der Innenausbau sei fortgeschritten, 300 Mitarbeitende seien dort bereits eingestellt. Bislang sahen die Pläne vor, dort bis zu 1.000 Fachkräfte einzustellen. Nun teilte Eli Lilly mit, es solle zunächst nur der »Mindestumfang des Hightech-Produktionsstandortes in Alzey« fertiggestellt werden. Die Inbetriebnahme mit reduzierter Kapazität sei weiter für 2027 geplant.