Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Nach Boehringer Ingelheim 
-
Auch Eli Lilly streicht Investitionen in Deutschland 

Nach Boehringer Ingelheim sind es mit Eli Lilly zwei Pharmakonzerne, die ihre Investitionen in Deutschland deutlich zurückziehen. Die Landesregierung reagiert prompt. 
AutorKontaktdpa
Datum 04.06.2026  10:32 Uhr

Für den Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz waren es gleich zwei negative Nachrichten am gestrigen Tag: Der US-Pharmakonzern Eli Lilly fährt seine geplanten milliardenschweren Investitionen in den neuen Produktionsstandort in Alzey deutlich zurück, und der im Land sitzende Mitbewerber Boehringer Ingelheim will einen hohen dreistelligen Millionenbetrag nicht mehr in deutsche Standorte fließen lassen.

Das eine Unternehmen begründet den Schritt explizit mit den Sparplänen der Bundesregierung im Gesundheitswesen, das andere verweist unter anderem darauf. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, die Entscheidungen der Firmen ernst zu nehmen. Die Landesregierung habe umgehend Kontakt aufgenommen und werde im laufenden Gesetzgebungsverfahren in Berlin vermittelnd Einfluss nehmen.

Chef von Eli Lilly spricht von »schrecklichem Signal«

Der Chef von Eli Lilly, Dave Ricks, nannte die geplante Gesundheitsreform im »Handelsblatt« ein »schreckliches Signal«. »Deutschland wird bei der Unterstützung unserer Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen«, so Ricks. Eli Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden US-Dollar in die neue Produktionsstätte in Alzey stecken. Vor dem Hintergrund des gesundheitspolitischen Kurses in Deutschland sei nun geplant, den noch ausstehenden Umfang des Projekts um 50 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung zu reduzieren, hieß es.

In Alzey ist der Rohbau der Produktionsstätte den Angaben zufolge fast abgeschlossen. Der Innenausbau sei fortgeschritten, 300 Mitarbeitende seien dort bereits eingestellt. Bislang sahen die Pläne vor, dort bis zu 1.000 Fachkräfte einzustellen. Nun teilte Eli Lilly mit, es solle zunächst nur der »Mindestumfang des Hightech-Produktionsstandortes in Alzey« fertiggestellt werden. Die Inbetriebnahme mit reduzierter Kapazität sei weiter für 2027 geplant.

Ebling: Entscheidungen müssen Weckruf sein

Ministerpräsident Schnieder sagte, Ziel der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung müsse sein, den Sozialstaat zukunftsfest aufzustellen und zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. »Die Pharmaindustrie ist für Rheinland-Pfalz ein zentraler Innovationsmotor und ein bedeutender Arbeitgeber«, so Schnieder. Das gelte ganz besonders für Eli Lilly und Boehringer Ingelheim.

Eine starke Wirtschaft sei Voraussetzung für sozialen Zusammenhalt und für ein gutes Leben. Daher sei Wirtschaftspolitik keine Frage für wenige Unternehmen, sondern für alle Menschen im Land, betonte Schnieder.

Wirtschaftsminister Michael Ebling von der SPD sagte, die Ankündigungen der beiden Unternehmen müssten ein Weckruf für die Bundesregierung sein. Gesundheits- und Wirtschaftspolitik dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssten zusammen gedacht werden. »Der aktuelle GKV-Gesetzesentwurf der Bundesregierung wird diesem Anspruch nicht gerecht«, sagt Ebling. Er gebe forschenden Arzneimittelherstellenden nicht die nötige Planungssicherheit.

Schweitzer spricht von Alarmsignal

Ähnlich äußerte sich Ex-Regierungschef Alexander Schweitzer, der inzwischen SPD-Fraktionschef ist. Er sprach von einem »Alarmsignal«, das in Berlin gehört werden müsse. »Das sind keine abstrakten Zahlen, das sind Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven für Menschen in unserer Region«, so Schweitzer.

Rheinland-Pfalz hatte vor Kurzem schon schlechte Nachrichten von dem in Mainz beheimateten Impfstoffhersteller Biontech verkraften müssen, die allerdings nichts mit den Sparplänen aus Berlin zu tun hatten. Biontech gab bekannt, mehrere Produktionsstandorte zu schließen, darunter den in Idar-Oberstein.

Mehr von Avoxa