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ARZNEISTOFFE

Cerliponase alfa|Brineura®|40|2017

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STOFFGRUPPE
40 Enzyminhibitoren, Präparate bei Enzymmangel und Transportproteine
WIRKSTOFF
Cerliponase alfa
FERTIGARZNEIMITTEL
Brineura®
HERSTELLER

Biomarin International

MARKTEINFÜHRUNG (D)
07/2017
DARREICHUNGSFORM

150 mg Infusionslösung

Indikationen

Brineura ist zugelassen zur Behandlung der neuronalen Ceroid-Lipofuszinose Typ 2 (CLN2), die auch als Tripeptidyl-Peptidase-1(TPP1)-Mangel bezeichnet wird.

Wirkmechanismus

Cerliponase alfa ist eine rekombinante Form der humanen TPP1. Dank der Enzymersatztherapie können die CLN2-auslösenden Speicherstoffe abgebaut werden.

Anwendungsweise und -hinweise

Um die Zellen des Gehirns und des zentralen Nervensystems zu erreichen, wird Brineura direkt in die Zerebrospinalflüssigkeit appliziert. Die übliche Dosis beträgt 300 mg Cerliponase alfa alle zwei Wochen. Bei Patienten unter zwei Jahren wird eine geringere Dosierung empfohlen. Um das Infektionsrisiko zu senken, muss das Präparat unter Anwendung einer aseptischen Technik verabreicht werden. Für die Implantation der Zugangsvorrichtung für Brineura ist eine Operation erforderlich. 30 bis 60 Minuten vor dem Beginn der Infusion wird zu einer Prämedikation bestehend aus Antihistaminika mit oder ohne Antipyretika geraten.

 

Bei Patienten, die Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder eine reduzierte geistige Verfassung aufweisen, die nach Ansicht des behandelnden Arztes auf einen möglichen Anstieg des Hirndrucks zurückzuführen sein können, sollte die Infusion unterbrochen und/oder die Infusionsrate verlangsamt werden. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind bei Patienten unter drei Jahren besonders wichtig.

Wichtige Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die über CYP-Enzyme zustande kommen, gelten bei der Anwendung von Cerliponase alfa als unwahrscheinlich.

Nebenwirkungen

Zu den in Studien zu Cerliponase alfa am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen zählen Fieber, Erbrechen, EKG-Abweichungen, Infektionen der oberen Atemwege und Überempfindlichkeitsreaktionen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Brineura ist kontraindiziert bei CLN2-Patienten mit ventrikulo-peritonealen Shunts. Es darf ebenfalls nicht verabreicht werden, wenn es Anzeichen für eine akute Undichtigkeit der intrazerebroventrikulären Zugangsvorrichtung oder einen Defekt an der Vorrichtung gibt oder wenn eine vorrichtungsbedingte Infektion vorliegt.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit von Brineura wurden in einer offenen Dosiseskalationsstudie (190-201) sowie in einer langfristigen Verlängerungsstudie (190-202) an Kindern mit CLN2 untersucht und mit unbehandelten Patienten aus einer Datenbank mit Informationen zum natürlichem Krankheitsverlauf verglichen. Zur Beurteilung der Krankheitsprogression nutzen diese Studien die Summen der Domänen Motorik und Sprache einer krankheitsspezifischen klinischen Bewertungsskala. Jede Domäne umfasst Werte von 3 (größtenteils normal) bis 0 (hochgradig beeinträchtigt) mit einem möglichen zu erreichenden Gesamtwert von 6.

 

In Studie 190-201 wurden 23 Patienten im Alter von drei bis acht Jahren mit 300 mg Brineura alle zwei Wochen über 48 Wochen behandelt. Der durchschnittliche CLN2-Wert bei Baseline lag bei 3,5. Legt man die Werte aus der Datenbank unbehandelter Kinder zugrunde, wäre mit einer durchschnittlichen Abnahme von zwei Punkten in 48 Wochen zu rechnen. In der Studie 190-201 war dies nur bei drei von 23 behandelten Kindern der Fall. Ein Kind zeigte nach 48 Wochen eine Abnahme von einem Punkt und die restlichen 15 Kinder verschlechterten sich gar nicht. Zwei Kinder konnten sich auf der Skala sogar um 1 Punkt verbessern.

 

Insgesamt führten die Ergebnisse bei den 23 Kindern zu einer durchschnittlichen Verschlechterungsrate von 0,4 Punkten nach 48 Wochen. Wenn man dies mit der erwarteten Verschlechterungsrate auf Basis des natürlichen Krankheitsverlaufs vergleicht (-2 Punkte), haben die Studienergebnisse statistische Signifikanz. Alle 23 Kinder setzten die Brineura-Behandlung mit 300 mg in jeder zweiten Woche im Rahmen der Verlängerungsstudie 190-202 fort. Die bis zum Zeitpunkt der Erstellung der Fachinformation gewonnenen Daten zeigen, dass der Behandlungseffekt zumindest bis zur 113. Therapiewoche weiter auf diesem Niveau anhielt und das Fortschreiten der Krankheit somit bei den meisten Kindern verlangsamt werden konnte.

Hintergrundinfos

Neuronale Ceroid-Lipofuszinosen (NCL, CNL) bilden eine heterogene Gruppe lysosomaler Speicherkrankheiten, zu der auch die autosomal rezessive neurodegenerative Erkrankung Ceroid-Lipofuszinose Typ 2 (CLN2) gehört. CLN2 wird verursacht durch Mutationen des TPP1-Gens, die eine unzureichende Aktivität des Enzyms Tripeptidyl-Peptidase-1 (TPP1) zur Folge haben. Daher wird die seltene Erkrankung auch als TPP1-Mangel bezeichnet. Fehlt TPP1, reichern sich lysosomale Speicherstoffe, die normalerweise durch dieses Enzym abgebaut werden, in vielen Organen an, vor allem im Gehirn und in der Netzhaut. Die Anhäufung dieser Speicherstoffe in Zellen des Nervensystems ist beteiligt an der fortschreitenden und unaufhaltsamen Neurodegeneration.

 

Typischerweise bekommen Kinder mit CLN2 im Alter zwischen zwei und vier Jahren Krampfanfälle, denen in den meisten Fällen eine sprachliche Entwicklungsverzögerung vorausgeht. Die Krankheit schreitet rasch voran, und die meisten Kinder verlieren im Alter von etwa sechs Jahren die Fähigkeit zu laufen und zu sprechen. Nach den ersten Symptomen kommen Bewegungsstörungen, motorische Ausfälle, Demenz und Erblindung hinzu; der Tod tritt gewöhnlich zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr ein. Bisher gab es keine zugelassene Therapie zur Behandlung dieser Kinder.

Besonderheiten

Brineura ist aufrecht stehend bei Temperaturen von -25 bis -15 °C (Gefrierschrank) zu lagern. Lagerung und Transport müssen bei  Temperaturen von -85 bis -15 °C erfolgen. Brineura ist in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Brineura ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Brineura sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist. Das Stillen soll während der Behandlung mit Brineura unterbrochen werden.

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Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 27.02.2019