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ARZNEISTOFFE

Imiglucerase|Cerezyme®|40|1998

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STOFFGRUPPE
40 Enzyminhibitoren, Präparate bei Enzymmangel und Transportproteine
WIRKSTOFF
Imiglucerase
FERTIGARZNEIMITTEL
Cerezyme®
HERSTELLER

Genzyme

MARKTEINFÜHRUNG (D)
02/1998
DARREICHUNGSFORM

400 U Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Cerezyme ist zugelassen zur langfristigen Enzymsubstitution bei Patienten mit gesicherter Diagnose der Gaucher-Krankheit des nicht-neuronopathischen Typs 1 oder des chronisch neuronopathischen Typs 3 mit klinisch signifikanten nicht-neurologischen Manifestationen.

Wirkmechanismus

Imiglucerase ist eine modifizierte Form des menschlichen Enzyms β-Glucocerebrosidase, welches mit der Technik der rekombinanten DNA hergestellt wird. Die β-Glucocerebrosidase ist ein lysosomales Glykoprotein, das die hydrolytische Spaltung des Glykolipids Glucocerebrosid in Glucose und Ceramid katalysiert. Der bei Morbus Gaucher vorliegende Enzymdefekt wird durch Substitution der β-Glucocerebrosidase ausgeglichen, und die Akkumulation von Glucocerebrosid in den Gewebemakrophagen (Gaucher-Zellen) abgebaut. Durch die Substitution mit Imiglucerase (initial 60 E/kg KG alle zwei Wochen) bessern sich die Symptome innerhalb eines Behandlungszeitraums von sechs Monaten deutlich.

Anwendungsweise und -hinweise

Cerezyme wird nach dem Auflösen in Wasser für Injektionszwecke (5,1 ml je Durchstechflasche) sofort mit 0,9-prozentiger Natriumchlorid-Infusionslösung verdünnt und über ein bis zwei Stunden intravenös infundiert.

 

Wegen der Heterogenität und der multi-systemischen Manifestation der Gaucher-Krankheit sollte die Dosis auf der Basis einer gründlichen Untersuchung der klinischen Symptomatik individuell für jeden Patienten bestimmt werden.

 

Wie klinische Studien und die Erfahrungen in der Praxis zeigen, haben sich eine Reihe von Dosierungsschemata als wirksam erwiesen. Initialdosen von 60 E/kg KG alle zwei Wochen haben innerhalb eines Behandlungszeitraums von sechs Monaten zu einer Besserung der hämatologischen Parameter und der Organbefunde geführt. Die Dauertherapie mit dieser Dosierung hat entweder die Knochenerkrankung gebessert oder deren Progression aufgehalten.

 

Es hat sich gezeigt, dass bereits Dosen von nur 2,5 E/kg KG dreimal wöchentlich oder 15 E/kg KG jede zweite Woche die hämatologischen Parameter und die Organomegalie (Leber, Milz) bessern, jedoch nicht die Knochenparameter. Das übliche und für den Patienten angenehmste Infusionsintervall ist einmal alle zwei Wochen. Für dieses Dosierungsschema liegen die meisten Daten vor.

Wichtige Wechselwirkungen

Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.

Nebenwirkungen

Bei einer geringen Zahl von Cerezyme-Patienten wurden durch die Art der Verabreichung bedingte Nebenwirkungen beobachtet: unangenehmes Gefühl, Jucken, Brennen, Schwellung oder steriler Abszess an der Injektionsstelle. Anzeichen einer Überempfindlichkeit wurden bei etwa drei Prozent der Patienten beobachtet. Juckreiz, Hautrötung (Flush), Nesselsucht/Angioödem, Engegefühl in der Brust und Atembeschwerden traten während oder kurz nach der Infusion auf. Ein Blutdruckabfall in Verbindung mit einer Überempfindlichkeitsreaktion wurde ebenfalls selten beobachtet.

 

Weitere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Ausschläge, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber und Schwindel wurden nur bei wenigen Patienten registriert.

 

Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass im ersten Jahr der Therapie bei etwa 15 Prozent der behandelten Patienten IgG-Antikörper gegen Imiglucerase gebildet werden können. Dabei zeigt sich, dass bei Patienten, die IgG-Antikörper entwickeln, dies meist innerhalb der ersten sechs Behandlungsmonate geschieht und dass die Bildung von Antikörpern nach mehr als zwölf Monaten Therapie selten ist. Es wird empfohlen, die Patienten regelmäßig auf IgG-Antikörper zu untersuchen. Patienten mit Antikörpern gegen Imiglucerase haben ein höheres Risiko für die Entwicklung von Überempfindlichkeitsreaktionen.

 

In einer Vergleichsstudie, bei der 15 Patienten Ceredase und 15 Patienten Cerezyme erhielten, entwickelten 40 Prozent der Patienten in der Ceredase-Gruppe IgG-Antikörper, in der Cerezyme-Gruppe nur 20 Prozent.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Verschiedene klinische Studien haben die Wirksamkeit von Alglucerase in der Substitutionstherapie des Morbus Gaucher belegt. In einer doppelblinden, randomisierten Studie wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Imiglucerase (Cerezyme) mit der von Alglucerase (Ceredase) in der Therapie der Typ-I-Gaucher-Krankheit verglichen. 15 Patienten (vier Kinder und elf Erwachsene) erhielten Ceredase und 15 Patienten (drei Kinder und zwölf Erwachsene) Cerezyme. Beide Präparate wurden alle zwei Wochen über neun Monate mit einer Dosis von 60 E/kg KG infundiert. Beide Präparate waren gleich wirksam. In der Ceredase-Gruppe entwickelten 40 Prozent IgG-Antikörper, in der Cerezyme-Gruppe nur 20 Prozent. Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen wurden in keiner der beiden Gruppen festgestellt.

Hintergrundinfos

Als Ursache des Morbus Gaucher wird ein genetisch bedingter, erblicher Defekt des lysosomalen Enzyms Glucocerebrosidase angenommen, das normalerweise Glucocerebroside zu Glucose und Ceramid abbaut.

 

Klinisch ist diese Krankheit durch eines oder mehrere der folgenden Symptome charakterisiert: Anämie, Thrombozytopenie mit Blutungsneigung, Knochenerkrankungen und Vergrößerung der Leber und der Milz.

Besonderheiten

Cerezyme ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern.

Cerezyme ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Zur Anwendung von Cerezyme während der Schwangerschaft gibt es Erfahrungen aus etwa 150 Schwangerschaften. Sie legen den Schluss nahe, dass die Behandlung mit Cerezyme auch während der Schwangerschaft erfolgreich durchgeführt werden kann. Hinweise auf ein Missbildungsrisiko haben sich bisher nicht ergeben. Tierexperimentelle Studien zu verschiedenen Aspekten der Schwangerschaft wurden nicht durchgeführt.

 

Frauen mit Morbus Gaucher und Kinderwunsch, die bislang nicht mit Cerezyme behandelt wurden, sollten dieses in Betracht ziehen, um die Schwangerschaft in möglichst gutem Gesundheitszustand zu beginnen.

 

Bei Frauen, die bereits mit Cerezyme behandelt werden, sollte eine Fortsetzung der Therapie in Betracht gezogen werden. Wichtig sind hierbei eine engmaschige Überwachung und eine sorgfältige Dosiseinstellung.

 

Ob Imiglucerase in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass das Enzym im Magen-Darm-Trakt des Säuglings verdaut wird.

Letzte Aktualisierung: 19.01.2018