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ARZNEISTOFFE

Laronidase|Aldurazyme®|40|2003

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STOFFGRUPPE
40 Enzyminhibitoren, Präparate bei Enzymmangel und Transportproteine
WIRKSTOFF
Laronidase
FERTIGARZNEIMITTEL
Aldurazyme®
HERSTELLER

Sanofi Genzyme

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2003
DARREICHUNGSFORM

100 E/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Indikationen

Aldurazyme ist zugelassen zur Langzeit-Enzymersatztherapie bei Patienten mit gesicherter Mucopolysaccharidose-I(MPS-I)-Diagnose, um die nicht-neurologischen Symptome der Erkrankung zu behandeln.

Wirkmechanismus

Enzymersatztherapie

Anwendungsweise und -hinweise

Laronidase wird als wöchentliche Infusion in einer empfohlenen Dosierung von 100 E/kg Körpergewicht gegeben.

Wichtige Wechselwirkungen

Cytochrom-P450-vermittelte Wechselwirkungen sind aufgrund der Metabolisierung von Laronidase unwahrscheinlich.

 

Aldurazyme sollte nicht gleichzeitig mit Chloroquin oder Procain angewendet werden, da ein potenzielles Risiko einer Interferenz mit der intrazellulären Aufnahme von Laronidase besteht.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Laronidase waren lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (Hautausschlag). Weiterhin klagten die Patienten über Fieber, Kopfschmerz und laufende Nase. Trotz beobachteter Antikörperbildung bei 91 Prozent der Probanden ist kein Fall von einer schweren unerwünschten Wirkung im Zusammenhang mit dem Medikament bekannt.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die klinischen Daten zu Laronidase beinhalten Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten einer offenen Studie der Phase I/II mit 12 Patienten inklusive Verlängerungsphase sowie einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie der Phase III mit 45 Patienten und deren offener Verlängerung. Die Probanden (Durchschnittsalter 15 Jahre) erhielten 26 Wochen lang einmal pro Woche eine Infusion in der empfohlenen Dosierung. Statistisch relevant war die positive Beeinflussung der Lungenfunktion (p = 0,028) und der Sechs-Minuten-Gehtest (p = 0,066). Weiterhin nahmen die Lebergröße und die im Urin nachweisbaren GAGs ab. Eine eventuelle geistige Retardierung kann mit dem Enzym nicht beeinflusst werden, da es nicht ZNS-gängig ist.

Hintergrundinfos

Mucopolysaccharidose I (MPS I) ist eine seltene, lebensbedrohliche Erbkrankheit, die durch einen Mangel des Enzyms α-L-Iduronidase hervorgerufen wird. Der Enzymmangel führt zur Ansammlung von Glykosaminoglykanen (GAG) in Geweben und Organsystemen. Weltweit sind schätzungsweise 3000 bis 4000 Menschen betroffen.

 

Es gibt sechs Hauptformen, die jeweils durch den Defekt eines anderen Enzymsubtyps bedingt sind. Medizinisch werden sie eingeteilt in MPS I, II, III, IV, VI und VII. Doch oft sind sie besser bekannt als Morbus Hurler (I), Scheie (I), Hunter (II), Sanfilippo (III), Morquio (IV), Maroteaux-Lamy (VI) und Sly (VII)-Krankheit. In vielen Fällen sind sie mit einer zunehmenden geistigen Behinderung kombiniert, die wechselnd stark ausgeprägt sein kann. Die meisten Mucopolysaccharidosen verlaufen progredient und führen oft bereits im Jugendalter zum Tod. Typische Merkmale sind Veränderungen des Skeletts mit plumpen Händen, kurzem Hals und Versteifung der großen Gelenke sowie vergröberte Gesichtszüge mit großer Zunge, buschigen Augenbrauen und flacher Nase. Verschiedene MPS-Formen führen zu Hornhauttrübung, Hörstörungen, Herzfehlern und einer vergrößerten Leber und Milz. Häufig besteht ein Kleinwuchs. Die ersten Zeichen der Krankheit sind untypisch: Man findet Nabel- und Leistenbrüche, hartnäckigen Schnupfen, unerklärliche Durchfälle, Wirbelsäulenverformungen und eine Verzögerung der geistigen und körperlichen Entwicklung.

Besonderheiten

Aldurazyme ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern.

Aldurazyme ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft sollte Aldurazyme nur angewendet werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Es wird empfohlen, während der Behandlung mit Aldurazyme nicht zu stillen.

Letzte Aktualisierung: 19.01.2017