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ARZNEISTOFFE

Migalastat|Galafold®|40|2016

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STOFFGRUPPE
40 Enzyminhibitoren, Präparate bei Enzymmangel und Transportproteine
WIRKSTOFF
Migalastat
FERTIGARZNEIMITTEL
Galafold®
HERSTELLER

Amicus Therapeutics

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2016
DARREICHUNGSFORM

123 mg Hartkapseln

Indikationen

Galafold ist zugelassen für die Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren mit gesicherter Morbus-Fabry-Diagnose, bei denen bestimmte Mutationen nachzuweisen sind. Diese treten bei 35 bis 50 Prozent der Patienten auf.

Wirkmechanismus

Migalastat wirkt als pharmakologisches Chaperon (englisch: Anstandsdame). Es bindet an das fehlerhaft gefaltete Enzym, wodurch dessen Faltung zur richtigen Konformation verschoben wird. Anschließend kann das Enzym an seinen Bestimmungsort gelangen und dort seine Funktion ausüben.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosierung beträgt eine 123-mg-Kapsel Migalastat alle zwei Tage, am besten immer zur gleichen Uhrzeit. Da Nahrungsmittel die Aufnahme von Migalastat um etwa 40 Prozent reduzieren, sollten Patienten vor der Einnahme zwei Stunden nichts essen und auch danach zwei Stunden auf eine Mahlzeit verzichten.

Wichtige Wechselwirkungen

Bisher wurden keine Wechselwirkungen bekannt. Nach In-vitro-Daten interagiert Migalastat nicht mit relevanten CYP-Enzymen sowie humanen Efflux- oder Aufnahmetransportern.

Nebenwirkungen

Die häufigste Nebenwirkung in Studien zu Migalastat waren Kopfschmerzen. Diese traten bei etwa 10 Prozent aller Patienten auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz, definiert als geschätzte glomeruläre Filtrationsrate von weniger als 30 ml/min/1,73 m2, wird Galafold nicht empfohlen. Prinzipiell soll unter der Therapie die Nierenfunktion regelmäßig überprüft werden. Verschlechtert sich die Organfunktion deutlich, muss das Präparat unter Umständen abgesetzt werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Galafold wurde in zwei Pivotstudien und in einer unverblindeten Verlängerungsstudie untersucht. Alle Patienten unter Migalastat erhielten darin jeden zweiten Tag die empfohlene Dosis von 123 mg. Bei der ersten Studie handelte es sich um eine 18-monatige randomisierte unverblindete Studie, in der Wirksamkeit und Sicherheit von Migalastat im Vergleich zur Enzymersatztherapie (EET) mit Agalsidase alpha oder Agalsidase beta bei 52 Patienten beurteilt wurden, die vorher eine EET erhalten hatten und geeignete Mutationen aufwiesen. Hauptindikation für die Wirksamkeit war die Veränderung der Nierenfunktion. In der Studie blieb die Nierenfunktion unter Migalastat bis zu 18 Monate stabil. Die mittlere annualisierte Veränderungsrate der geschätzten glomeru­lären Filtrationsrate betrug unter Galafold -0,40 ml/min/1,73 m2 verglichen mit -1,03 ml/min/1,73 m2 in der EET-Gruppe. Auch die Herzfunktion, gemessen anhand des linksventrikulären Massenindex (LVMI), verbesserte sich im Vergleich zur EET unter der Migalastat-Gabe. Bei einer Analyse des Gesamtbildes der klinischen Ergebnisse in Bezug auf Niere, Herz, zerebrovaskuläre Ereignisse und Tod betrug die Häufigkeit der in der Galafold-Behandlungsgruppe beobachteten Ereignisse 29 Prozent und in den EET-Gruppen 44 Prozent.

 

Bei der zweiten Studie handelte es sich um eine sechsmonatige randomisierte Doppelblindstudie mit einem anschließenden unverblindeten Zeitraum bei 50 Patienten mit geeigneten Mutationen, die zuvor entweder keine EET erhalten oder diese mindestens sechs Monate vorher beendet hatten. Hier zeigte sich, dass die Nierenfunktion in der unverblindeten Studienphase unter Migalastat stabil blieb. Nach einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von drei Jahren betrug die mittlere annualisierte Veränderungsrate der geschätzten glomerulären Filtrationsrate -0,81 ml/min/1,73 m2. Während des anfänglichen sechsmonatigen verblindeten, placebokontrollierten Zeitraums wurden keine klinisch signifikanten Unterschiede beobachtet.

Hintergrundinfos

Die lysosomale Speicherkrankheit Morbus Fabry wird durch einen Mangel an funktionsfähiger α-Galaktosidase A verursacht. Dieses Enzym baut im Körper Globotriaosylceramid ab. Je nach Ausprägung des Mangels reichert sich dieser Fettstoff in den Zellen verschiedener Organe an, etwa in den Nieren, in Herz und Gehirn, und stört damit deren Funktion. Bisher benötigen Morbus-Fabry-Patienten lebenslang Agalsidase-Infusionen. Für diese Enzymersatz­therapie stehen mit Agalsidase alfa (Replagal®) und Agalsidase beta (Fabrazyme®) auf dem deutschen Markt zwei Präparate zur Verfügung. Bei Migalastat handelt es sich um den ersten oral verfügbaren Wirkstoff bei Morbus Fabry.

Besonderheiten

Galafold ist in der Originalverpackung aufzubewahren, um das Arzneimittel vor Feuchtigkeit zu schützen.

Galafold ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Migalastat

Migalastat

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Migalastat.wrl

Weitere Hinweise

Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, sollten das Präparat nicht einnehmen. In der Stillzeit gilt es abzuwägen, ob das Stillen oder die Gabe von Migalastat unterbrochen werden sollen. Dabei muss der Arzt den Nutzen des Stillens für das Kind und den Nutzen der Therapie für die Mutter gegeneinander abwägen.

Vorläufige Bewertung

Schrittinnovation

Letzte Aktualisierung: 11.07.2016