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PZ Nachgefragt

Neue Immunzellen für das alternde Gehirn

Neue Studien rütteln an einem Grundsatz der Hirnforschung: Die Immunzellen des Gehirns werden offenbar im Laufe des Lebens teilweise ersetzt. Was bedeutet das für Alterungsprozesse und Erkrankungen des Gehirns?
AutorKontaktPZ
Datum 25.09.2026  12:00 Uhr
Datum Aktualisiert am 18.09.2026  12:00 Uhr

Zwei nahezu zeitgleich in »Science« und »Nature« veröffentlichte Studien stellen eine zentrale Annahme der Hirnforschung infrage: Die Immunzellen des Gehirns, die Mikroglia, bleiben beim Menschen offenbar nicht lebenslang eine abgeschlossene, aus der Embryonalentwicklung stammende Zellpopulation. Ab etwa der Lebensmitte können zunehmend Monozyten aus dem Knochenmark ins Gehirn einwandern und dort Aufgaben der ursprünglichen Mikroglia übernehmen.

Zwei Forschergruppen konnten mit unterschiedlichen Methoden zeigen, dass nicht alles korrekt ist, was in den aktuellen Lehrbüchern steht. Während ein Team anhand epigenetischer Muster die Herkunft der Mikrogliazellen rekonstruierte, nutzte das andere somatische Mutationen als natürliche »Strichcodes«. Beide Gruppen arbeiteten völlig unabhängig voneinander und wussten nichts von den Forschungsaktivitäten der jeweils anderen Gruppe. Dass sie dennoch zum gleichen Ergebnis kamen, unterstreicht die Robustheit der Erkenntnisse.

Besonders bemerkenswert: Die aus dem Knochenmark eingewanderten Monozyten passen sich ihrer neuen Umgebung so weit an, dass sie anhand ihrer Genaktivität kaum von den ursprünglichen Mikroglia zu unterscheiden sind. Ihre Herkunft bleibt jedoch in epigenetischen und genomischen Merkmalen erkennbar.

Möglicherweise hat dieser Austausch funktionelle Folgen. Die neuen Mikroglia zeigen stärkere Entzündungssignale und könnten damit zum »Inflammaging« des Gehirns beitragen. Ob dies tatsächlich Gedächtnisverlust oder neurodegenerative Erkrankungen fördert, ist allerdings noch nicht bewiesen. Andererseits eröffnen die Ergebnisse auch neue Perspektiven: Künftig könnten im Blut zirkulierende Vorläuferzellen gezielt verändert werden, bevor sie ins Gehirn einwandern.

Über diese spannenden Studienergebnisse sprechen die Professoren Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Theo Dingermann in der neuen Folge des Podcasts »PZ Nachgefragt«.

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