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KBV-Chef Gassen bei »Alex’ Doppelte Dosis«
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Zur Freundschaft verdammt

Beim PZ-Talk »Alex’ Doppelte Dosis« wusste Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), durchaus die Zweifel zu benennen, die er an den geplanten neuen Aufgaben für Apotheken hegt. Am Ende gehe es aber darum, sich die Bälle zuzuspielen.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 01.07.2026  10:15 Uhr

In »Alex’ Doppelte Dosis – dem PZ-Talk zum Gesundheitswesen« wagte sich der streitbare KBV-Chef ins Gefecht. Allein die aktuellen GKV-Reformpläne liefern Stoff genug für Gespräche, in der »Fabrik 23« im Berliner Wedding ging es gestern Abend aber vor allem um quasi historische und aktuelle Streitpunkte zwischen Ärzte- und Apothekerschaft – mit dem Ende, dass Gassen sich als Fan der Apotheke vor Ort bekannte.

Zunächst ließ Gassen, der mittlerweile im 13. Jahr KBV-Chef ist, aber vom Stapel, was ihm bei den aktuellen Reformplänen gegen den Strich geht. »Sie gehen echt in Konfrontation mit vielen Niedergelassenen«, warnte er eingangs in Richtung der rund 50 Gäste in der Berliner Altfabrik. Anlass waren die nunmehr beschlossenen Pläne, nach denen Apotheken mehr Kompetenzen bekommen sollen, etwa alle Totimpfstoffe zu verimpfen, mehr Point-of-Care-Testungen durchzuführen oder unter bestimmten Bedingungen Rx-Arzneimittel ohne vorliegendes Rezept abgeben zu können.

Warum denn Apotheken in Deutschland nicht nach einer entsprechenden Schulung regelhaft impfen können sollen, wie es in anderen Ländern längst üblich sei, fragte PZ-Chefredakteur Alexander Müller. Eine »Raketenwissenschaft« sei Impfen tatsächlich nicht, räumte  Gassen ein. Es sei aber eine originär ärztliche Leistung, auch wenn sie eher »Barfußmedizin« sei. »Wir erleben eine Chaotisierung des Gesundheitssystems«, kritisierte Gassen.

Neue Aufgaben »keine geniale Geschäftsidee«

Der KBV-Chef spannte den Bogen zum ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), auf dessen Erfahrung in den USA der Gedanke der Apothekenimpfungen in Deutschland fuße. In den USA sei die Durchimpfungsrate noch deutlich niedriger als in Deutschland, was kein Wunder sei, denn die Impfungen in Arztpraxen seien dort deutlich teurer als in Apotheken.

Aber Impfen in Apotheken hierzulande? Gassen zeigte sich skeptisch und verglich: Während in Arztpraxen im vergangenen Jahr 10,5 Millionen Impfdosen verabreicht worden seien, seien es in Apotheken nur 100.000 gewesen. Das Angebot sei ja auch noch nicht etabliert, konterte Müller. Gassen wehrte ab. Mit Impfen könnten Apotheken ja auch kein Geld verdienen – und rein altruistisch würden sie dabei sicher nicht handeln.

»Mit Spannung« schaue er im Übrigen auf die geplante venöse Blutabnahme in Apotheken, die per Änderungsantrag ins Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) gelangte. Diese halte er für »keine geniale Geschäftsidee«.

Rx-Abgabe in Apotheken ohne Rezept – ein weiterer Affront? Er traue den Apotheken die geplante Anschlussversorgung für Chroniker zu, so Gassen. Misstrauen hegt er eher in puncto Dokumentation; auch wenn man an der elektronischen Patientenakte (ePA) »nicht rütteln« könne, sei der aktuelle Medikationsstand nicht einsehbar. »Es braucht einen eindeutigen medizinischen Verlauf.« Apotheken könnten also durchaus eine Dauermedikation verlängern, aber es fehle eben an den passenden Tools.

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