| Jennifer Evans |
| 13.08.2026 11:00 Uhr |
Romantische Beziehungen folgen Mustern: Wer sich zu lange unterhalb einer gestimmten Schwelle bewegt, riskiert die Trennung. / © Getty Images/Oliver Rossi
Professor Dr. Laurent Pujo-Menjouet spielt gern mit Formeln, als wären sie Figuren in einem Roman. Der Mathematiker der Universität Lyon erläutert, wie Paare ihren Alltag besser verstehen, wenn sie ihre romantischen Gefühle als dynamisches System betrachten.
Wer die Entwicklung von Gefühlen als Kurve ansieht, erkennt, wie Streit, Stress oder äußere Belastungen diese Kurve drücken oder heben. Laut Pujo-Menjouet geht es nicht darum, die Partnerwahl vorherzusagen, sondern zu verstehen, warum manche Paare trotz Schicksalsschlägen stabil bleiben, während andere langsam auseinanderdriften.
Die Vorhersage für den Verlauf von Liebesbeziehungen hat jedoch einen eher unromantischen Ursprung, wie er in seinem neuen Buch »Love! Valour! Equations! Mathematics of the Couple« berichtet. Und zwar basiert sie auf Gleichungen für Raubtier-Beute-Systeme zur Ausbreitung australischer Kaninchen sowie zu Jagdzyklen kanadischer Luchse. Hinzu kommt der Allee-Effekt aus der Populationsbiologie. Er beschreibt, wie Populationen unter einen kritischen Schwellenwert fallen und aussterben – und solche oberhalb dieser Schwelle gedeihen.
Die mathematischen Muster lassen sich gut auf Beziehungen übertragen. Fällt die Beziehungsstärke dauerhaft darunter, kippt das System – eine Trennung ist unvermeidbar. Moderne Ansätze berücksichtigen dem Mathematiker zufolge auch Verzögerungen – etwa die Zeit, die Menschen brauchen, um Konflikte zu verarbeiten. »Die wichtige Frage ist nicht, ob Paare sich streiten«, betont Pujo-Menjouet in einer Pressemitteilung der wissenschaftlichen Verlagsgruppe Taylor & Francis. »Es geht darum, ob sie genug Resilienz haben, um danach wieder ins Gleichgewicht zu kommen.«
Der französische Forscher nennt drei Faktoren, die über die Stabilität einer Beziehung entscheiden: gegenseitige Anziehung, natürlicher Gefühlsverlust und den Umgang mit den Emotionen des Partners. Zusammen bestimmen sie die Widerstandsfähigkeit eines Paares.