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Immunologischer Footprint
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Wie Arzneimittel das Immunsystem beeinflussen

Nicht nur Immunsuppressiva, Checkpoint-Inhibitoren und Antibiotika hinterlassen ihre Spuren in unserem Immunsystem. Häufig ist das ungewollt, manchmal kann es aber auch eine Chance sein, meint Apothekerin Nadine Hoffmann.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 28.09.2026  18:00 Uhr
Wie Arzneimittel das Immunsystem beeinflussen

»Nahezu jeder Arzneistoff hat einen Immune Footprint«, stellte Nadine Hoffmann, Apothekerin aus Leipzig, vergangene Woche beim gemeinsamen Fortbildungskongress der Apothekerkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe auf Langeoog fest – damit hatten die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht unbedingt gerechnet. Die Mechanismen, wie das Immunsystem beeinflusst wird, sind dabei sehr unterschiedlich, und patientenindividuelle Faktoren bestimmen mitunter das Ausmaß, so die Referentin.

Arzneistoffe können das Immunsystem modulieren, stimulieren oder auch supprimieren, erklärte Hoffmann. Die Effekte können direkt oder indirekt, selektiv oder unselektiv, reversibel oder irreversibel sein. Entscheidend ist vor allem, ob die Wirkung auf das Immunsystem beabsichtigt oder unbeabsichtigt ist.

Gezielt eingesetzt werden beispielsweise Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen und zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation. Zu den Immunstimulanzien zählen beispielsweise die Checkpoint-Inhibitoren und CAR-T-Zellen in der Krebstherapie, PEG-Interferon alpha-2a bei Hepatitis, Filgrastim zur Anregung der Granulozyten-Bildung oder auch Sonnenhut-Extrakt. Auch Impfstoffe stimulieren natürlich das Immunsystem. Probiotika haben eine indirekte Wirkung über das Mikrobiom.

Von Überempfindlichkeit über Agranulozytose bis Autoimmunerkrankung

Bei den unbeabsichtigten immunologischen Wirkungen unterschied Hoffmann vier Kategorien:

  1. Überempfindlichkeitsreaktionen
  2. arzneistoffinduzierte Autoimmunerkrankungen
  3. Agranulozytose
  4. Immundysregulation über das Mikrobiom

Grundsätzlich seien unerwünschte Effekte variabel, in der Regel reversibel, der Zeitverlauf sehr unterschiedlich und der Effekt zu jedem Zeitpunkt der Therapie möglich. Eine Dosisabhängigkeit ist nicht immer gegeben.

»Überempfindlichkeitsreaktionen machen 10 Prozent aller beobachteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen aus«, verdeutlichte Hoffmann die Relevanz des Themas. »Prinzipiell sind sie bei jedem Arzneistoff und jeder Applikationsart möglich.« Sie können zudem verschiedene Organe betreffen, allen voran die Haut. Wichtig zu wissen: Solche Reaktionen, auch sehr heftige, können zeitversetzt auftreten.

Arzneistoffinduzierte Autoimmunerkrankungen seien für mehr als hundert Wirkstoffe beschrieben. Zum Beispiel können Antiepileptika und TNF-α-Blocker Lupus erythematodes auslösen.

Die Agranulozytose ist vor allem bei Clozapin und Metamizol eine gefürchtete Nebenwirkung. Problematisch ist, dass bei diesen Arzneistoffen unvorhersehbar ist, ob, wann und bei wem sie auftritt. Bei Clozapin wird die Inzidenz auf 3,8 Prozent der Anwender geschätzt; für Metamizol gebe es keine validen Zahlen. Angesichts der breiten Anwendung geht man von einer sehr seltenen Nebenwirkung aus. Wichtig sind Monitoring-Maßnahmen und dass bei Patienten wie Heilberuflern bei der Symptomtrias aus Fieber/Schüttelfrost, Halsschmerzen und Schleimhautläsionen die Alarmglocken schrillen.

Negative Effekte über das Mikrobiom kennt man vor allem von Antibiotika. »Sie können die Diversität unseres Mikrobioms um 25 bis 30 Prozent reduzieren«, so Hoffmann, vor allem Clindamycin, Chinolone, Makrolide und Flucloxacillin – und das mit einem nachweisbaren Effekte teilweise über Jahre. Typisch sind eine anhaltende Infektanfälligkeit und Magen-Darm-Beschwerden, aber auch das Risiko für atopische und Autoimmunerkrankungen ist erhöht.

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