| Johanna Hauser |
| 28.08.2026 18:00 Uhr |
Bei Therapien mit manchen Arzneistoffen muss das Blutbild anfangs sehr engmaschig kontrolliert werden. / © Getty Images/Andrew Brookes
Die Ursachen für Blutbildveränderungen unter einer medikamentösen Therapie sind meist eine direkte Schädigung des Knochenmarks mit Beeinträchtigung der Hämatopoese oder immunologisch vermittelte Reaktionen, die mit der Zerstörung von Blutzellen einhergehen. Daher sind während vieler Arzneimitteltherapien Blutbildkontrollen erforderlich.
Sehr häufig treten Blutbildveränderungen etwa im Rahmen einer klassischen Chemotherapie bei Krebs auf. Darüber hinaus können auch zahlreiche andere Arzneimittel als Nebenwirkung das Blutbild verändern. Dazu zählen Metamizol, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Diuretika, Psychopharmaka wie Clozapin und Carbamazepin, Antibiotika (vor allem Sulfonamide, Vancomycin, Rifampicin, Penicilline und Cephalosporine) sowie Methotrexat (MTX).
Zu den häufigsten medikamentös bedingten Blutbildveränderungen zählen Thrombozytopenien, Neutropenien und Agranulozytosen, Panzytopenien sowie verschiedene Formen der Anämie.
Agranulozytose gilt als sehr seltene Nebenwirkung (< 1 von 10.000 Behandelten) von Metamizol. Sie zeichnet sich durch eine schwere Form der Neutropenie mit weniger als 500 neutrophilen Granulozyten pro µl Blut aus. Die Häufigkeit von Agranulozytosen unter Metamizol wird diskutiert. Das Risiko scheint weniger an die Dosis als an die Therapiedauer geknüpft zu sein.
Häufiger als unter Metamizol sind Agranulozytosen unter Clozapin. Daher unterliegt der Wirkstoff strengen Reglementierungen: Er kommt vor allem bei therapieresistenter Schizophrenie zum Einsatz. Blutbildkontrollen erfolgen anfangs wöchentlich, später alle vier Wochen. Veränderungen treten typischerweise innerhalb der ersten 18 Behandlungswochen auf, sind insgesamt aber selten (0,4 bis 1 Prozent).
Daneben können auch Thiamazol und Phenothiazine wie Chlorpromazin eine Agranulozytose verursachen. Kommt es zu einer ausgeprägten Neutropenie, kann die Situation rasch lebensbedrohlich werden. Zeigen Betroffene Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhafte Schleimhautulzerationen, liegt bereits ein manifester Mangel an neutrophilen Granulozyten vor. Die Therapie umfasst das sofortige Absetzen des auslösenden Medikaments sowie in der Regel die Gabe von Breitbandantibiotika. Ohne Behandlung drohen schwere Infektionen bis hin zur Sepsis.