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Synchronisation
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Unsere Körper reagieren aufeinander

Menschen beeinflussen sich gegenseitig – auch unbewusst. Inzwischen gibt es immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, auf welchen Ebenen eine Synchronisation zweier Körper stattfinden kann. Ein Anatomieprofessor berichtet.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 28.09.2026  07:00 Uhr

Viele kennen das Gefühl, mit nahestehenden Menschen gleichgesteuert zu sein. Das kann verhaltensbezogene Muster oder emotionale Zustände betreffen. Der Anatomieprofessor Dr. Adam Taylor von der Lancaster University in Großbritannien berichtet auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« über verschiedene Studienergebnisse, die zeigen, auf welchen Ebenen eine solche Synchronisation tatsächlich stattfinden kann.

Gut untersucht ist etwa das Herz. Paare, die gemeinsam schlafen, zeigen demnach Übereinstimmungen sowohl der Herzfrequenz als auch der Herzfrequenzvariabilität. Dasselbe gilt für Chorsänger. Wenn sie gemeinsam singen, passen sich die Schwankungen ihrer Herzfrequenz einander an. Und zwar zeitgleich mit dem Ein- und Ausatmen, das sich ebenfalls angleicht.

Augen und Gehirn

Auch die Pupillen zweier Menschen können sich parallel weiten oder verengen, selbst wenn sie nicht demselben Reiz ausgesetzt sind. Dasselbe passiert beim Blinzeln, unabhängig davon, wo die Aufmerksamkeit der Person gerade hängen bleibt. Taylor schlussfolgert daraus, dass es nicht bloß um Reiz und Reaktion geht, sondern um eine Art unterbewusstes Koppeln verschiedener Aspekte unseres Verhaltens und unserer Physiologie.

Auch im Gehirn ist Resonanz zu finden. Sprechen Menschen miteinander, hören einander zu oder imitieren sich gegenseitig, gleichen sich ihre neuronalen Aktivitätsmuster an. Diese Synchronisation war nicht nur bei Gehirnwellen zu beobachten, die für die Sprachverarbeitung wichtig sind – sie trat auch bei solchen auf, die mit Konzentration und sogar Tagträumen zusammenhängen.

Schmerz und Stress

Selbst die Schmerztoleranz lässt sich intersozial beeinflussen. So berichteten Ruderer und Sänger von einer höheren Schmerzschwelle, wenn sie gemeinsam trainierten oder auftraten. Im Gegensatz dazu empfanden sie früher Schmerz, wenn sie der Tätigkeit allein nachgingen. Laut Taylor ist der Grund dafür zwar noch unklar, aber womöglich verstärkt die soziale Verbundenheit die Ausschüttung oder Wirkung von Endorphinen, den natürlichen Schmerzmitteln des Körpers.

Weniger angenehm ist es, wenn sich unser Stresslevel mit einer Person aus dem Umfeld angleicht. Messbar ist das am Anstieg des Cortisol-Spiegels. Obwohl die Cortisol-Konzentrationen im Blut bei zwei Menschen nicht identisch sind, zeigen oft auch Paare ähnliche Tagesmuster bei den Stresshormon-Schwankungen. Und Geschwister synchronisieren ihre Cortisol-Kurven ebenfalls, wenn sie gemeinsam belastende Lebensphasen durchmachen, wie etwa die Pflege eines Elternteils.

In einer zunehmend digitalen Welt erinnert uns die Forschung daran, dass menschliche Verbundenheit nicht nur psychologisch, sondern auch biologisch ist. Unsere Körper reagieren aufeinander, so Taylor, selbst wenn wir es kaum wahrnehmen.

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