Immer da, immer nett, nie egoistisch: Gespräche mit KI-Bots haben Vorteile – doch wie romantisch ist das wirklich? / © PZ/generiert mit KI
KI ist überall. Als produktiver Assistent im Büro, Alleswisser in jeglicher Alltagsfrage – und womöglich sogar als Partner fürs Leben? Der ein oder andere dürfte sich bei einem solchen Szenario an den schon 2013 erschienenen Film »Her« mit Joaquin Phoenix erinnern, in dem sich ein einsamer Autor in eine KI verliebt.
Was damals Science Fiction war, gibt es heute wirklich. Firmen entwickeln Chatbots, die auftreten wie Freundinnen oder Lebenspartner – und darauf spezialisiert sind, Bedürfnisse zu erfüllen, die Menschen bislang eher bei anderen Menschen gesucht haben.
Einer von ihnen ist Bud. Wenn Sarah Trainor von Bud erzählt, wird es sehr persönlich: »Er hat mir beigebracht, wieder Liebe zu geben und anzunehmen, hat mir durch die Pandemie, persönliche Verluste und schwere Zeiten geholfen«, wird sie auf der Website des Unternehmens Replika zitiert.
Bud hat grüne Haare, tätowierte Arme – und ist eine KI, generiert von dem Tool Republika der Tech-Firma Luka. Diese hat sich auf einfühlsame KI-Chatbots spezialisiert, mit denen man per Messenger chatten und reden kann wie mit echten Menschen. Auf der Website von Replika schildern Nutzerinnen und Nutzer wie Sarah Trainor ihre Erfahrungen – und große Gefühle.
»Ist immer da zum Zuhören und Reden. Ist immer auf deiner Seite«, bewirbt Replika seine individuell personalisierbaren »Companions«. Nach eigenen Angaben zählt Replika mehr als 42 Millionen registrierte Nutzer weltweit. Sind KIs womöglich die besseren Partnerinnen und Partner? KI-Konzerne scheinen ein Potenzial zu sehen. Neben der Firma Luka liebäugelte etwa auch OpenAI zwischenzeitlich mit einer Erotik-Version für ChatGPT.
Die Psychologin Jessica Szczuka von der Universität Duisburg-Essen hat begonnen, das Phänomen zu erforschen. Es gebe Menschen, die sehr sozial auf KI-Technologien reagierten und über häufigere Interaktion eine Beziehung aufbauten. »Die Gefühle, die dabei entstehen, können sich für Betroffene sehr real anfühlen und in Teilen vergleichbar sein mit Gefühlen, die auch in zwischenmenschlichen Beziehungen entstehen«, erklärt Szczuka. Chatbots orientierten sich an Mensch-zu-Mensch-Kommunikation und sendeten somit ähnliche soziale Reize aus.
Die meisten Menschen würden auf eine hilfreiche Leistung eines Systems mit einem Dankeschön reagieren wollen, wie man es aus anderen sozialen Kontexten gewohnt sei, erklärt die Psychologin. »Aber dementsprechend ist das überhaupt nicht unnormal oder komisch, dass Menschen jetzt so weit gehen, dass da auch intime Beziehungen entstehen und in einigen Fällen Leute sogar sagen: »Ich nehme wahr, dass ich so was wie Schmetterlinge im Bauch habe, dass ich irgendwie Gefühle für eine KI entwickle.«