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Ernährung
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Was ist besser im Alter – viel oder wenig Protein?

Könnte es sein, dass nicht eine möglichst hohe Proteinzufuhr, sondern eine gezielte Reduktion von Gesamtprotein oder einzelner Aminosäuren zu den wirksamsten ernährungsbasierten Strategien gehört, um die Gesundheitsspanne (Healthspan) und möglicherweise auch die Lebensspanne zu verlängern? Mit dieser provokativen Frage befasst sich eine aktuelle Publikation im Wissenschaftsjournal »Cell Press Blue«.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 03.08.2026  12:00 Uhr

Während Fachgesellschaften älteren Menschen aufgrund der Sorge vor Sarkopenie zunehmend eine höhere Proteinzufuhr empfehlen, mehren sich experimentelle und epidemiologische Daten, die genau diese Strategie infrage stellen.

Die Doktorandin Bailey A. Knopf und Professor Dr. Dudley W. Lamming vom Department of Medicine der University of Wisconsin-Madison, USA, diskutieren in einer Publikation im Fachblatt »Cell Press Blue« auf Basis des aktuellen Wissensstands zum Thema »Proteinrestriktion«. Es geht um ein systematisches Konzept der »Hallmarks of Protein Restriction« in Analogie zu den »Hallmarks of Aging«, den Merkmalen des Alterns. Dabei kommen die Wissenschaftler zu dem überraschenden Schluss, dass eine proteinärmere Ernährung – und nicht eine proteinreiche ErnährungAlterungsprozesse positiv beeinflusst.

Tierexperimentelle Studien zeigen seit Jahren, dass proteinarme, kohlenhydratreichere Ernährungsformen Stoffwechselgesundheit, Gesundheitsspanne und Lebensdauer verbessern können. Parallel dazu legen Beobachtungsstudien beim Menschen Zusammenhänge zwischen hoher Proteinzufuhr und einem erhöhten Risiko für Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs sowie einer erhöhten Gesamtmortalität nahe.

Gleichzeitig existieren randomisierte Studien, in denen bereits wenige Wochen einer moderaten Proteinrestriktion Körperfett, Insulinsensitivität und metabolische Parameter verbessern konnten, teilweise sogar trotz unveränderter oder erhöhter Kalorienaufnahme.

Der besondere Wert der neuen Publikation liegt darin, dass die Autoren die molekularen Wirkmechanismen dieser Effekte in sechs miteinander verknüpfte Hallmarks einordnen.

Proteinrestriktion erhöht den Energieverbrauch

An erster Stelle steht die Verbesserung der metabolischen Gesundheit. Proteinrestriktion senkt die Fettmasse, erhöht den Energieverbrauch und verbessert die Glucosehomöostase. Als Schlüsselmolekül identifizieren die Autoren den Hormonfaktor FGF21, der als endokrines Signal einer niedrigen Proteinzufuhr fungiert. FGF21 steigert den Energieverbrauch, fördert die Thermogenese im Fettgewebe, verbessert den Fettstoffwechsel und scheint für viele gesundheitsfördernde Effekte der Proteinrestriktion unverzichtbar zu sein. Mäuse ohne FGF21 profitieren nicht von einer proteinarmen Ernährung, während eine Überexpression des Hormons die Lebensdauer verlängert.

Das zweite übergeordnete Merkmal betrifft die Regulation zentraler Nährstoffsensoren. Protein- und Aminosäuremangel aktivieren GCN2 (General Control Nonderepressible 2), eine evolutionär konservierte Komponente der integrierten Stressreaktion (ISR), und hemmen gleichzeitig den mTORC1 (mammalian Target of Rapamycin Complex 1)-Signalweg, zwei Mechanismen, die als Kernprozesse der Geroprotektion gelten. Die Folge ist eine verstärkte Autophagie, also die zelluläre Selbstreinigung, bei gleichzeitiger Reduktion der Proteinsynthese. Da eine chronische mTOR-Aktivierung als Kennzeichen des Alterns gilt, liefert die Proteinrestriktion einen natürlichen Weg, diesen Signalweg zu modulieren.

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