| Theo Dingermann |
| 14.09.2026 14:00 Uhr |
Bestimmte Biomarker können auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und andere schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse hindeuten. Die Zusammenhänge sind jedoch komplex. / © Getty Images/Randy Faris
Kürzlich musste das Pharmaunternehmen Novartis darüber informieren, dass das von ihm entwickelte Antisense-Oligonukleotid Pelacarsen in einer Phase-III-Studie enttäuscht hat. Pelacarsen richtet sich gegen die Bildung von Apolipoprotein(a) und kann dadurch die Konzentration von Lipoprotein(a), kurz Lp(a), deutlich senken. Erhöhte Lp(a)-Konzentrationen sind mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden. Anders als LDL-Cholesterol wird die Lp(a)-Konzentration weitgehend genetisch bestimmt und lässt sich durch Lebensstilmaßnahmen kaum beeinflussen. In früheren Studien hatte Pelacarsen die Lp(a)-Konzentration um etwa 80 Prozent reduziert.
Allerdings ist nicht die Veränderung eines Laborwertes entscheidend, sondern die Verhinderung klinischer Ereignisse – und daran scheiterte Pelacarsen. In der HORIZON-Studie mit 8323 Patienten mit erhöhtem Lp(a) und vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung wurde der klinische Endpunkt nicht erreicht. Noch ist unklar, ob das Studiendesign, die Behandlungsdauer oder die Eigenschaften des Wirkstoffs zum negativen Ergebnis beigetragen haben. Detailanalysen werden zeigen, ob eventuell bestimmte Patientengruppen von der Intervention mit dem Antisense-Oligonukleotid profitieren können.
Damit ist die Lp(a)-Hypothese noch keineswegs widerlegt, wie der US-amerikanische Kardiologe Professor Dr. Eric Topol in seinem Blog betont. Andere Wirkstoffe, insbesondere länger wirksame siRNA-Präparate, werden weiter untersucht. Topol weist auf eine mögliche biologische Differenzierung hin: Die Pathogenität von Lp(a) könnte nicht allein von dessen Konzentration abhängen, sondern unter anderem von der Menge oxidierter Phospholipide, die von den Partikeln transportiert werden. Ein hoher Lp(a)-Wert wäre dann zwar ein Risikomarker, würde aber das individuelle atherogene und inflammatorische Potenzial nur unvollständig abbilden.