| Alexandra Amanatidou |
| 14.09.2026 09:00 Uhr |
Manuela Schwesig, SPD-Spitzenkandidatin für Mecklenburg-Vorpommern, ist seit Juli 2017 Vorsitzende der SPD Mecklenburg-Vorpommern und Ministerpräsidentin des Bundeslandes. / © Imago/Bernd Elmenthaler
»Die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln durch Vor-Ort-Apotheken ist ein Grundpfeiler unseres Gesundheitswesens«, schreibt die SPD MV in ihrem Wahlprogramm. Sie will die Wirtschaftlichkeit der Apotheken stärken, indem sie sich für eine Anpassung ihrer Vergütungen an die allgemeinen Preissteigerungen einsetzt. »Dieses Engagement auf Bundesebene werden wir fortsetzen.«
Die SPD MV will den Ausbau von Medizinischen Versorgungszentren in »gemeinwohlorientierter Trägerschaft«, insbesondere in ländlichen Räumen, unterstützen und kommunalen Trägern die Gründung eigener Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) erleichtern. »Diese können als Stützpunkt für mobile Ärzteteams dienen, um eine flächendeckende ambulante medizinische Versorgung inklusive medizinischer Hilfsdienste (Physiotherapie, Fußpflege, Apotheke und Ähnliches) auch unter Einbeziehung der Telemedizin zu sichern.«
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, will die Partei außerdem weitere ärztliche Leistungen an Gesundheitsfachkräfte übertragen, die Integration ausländischer Gesundheitsfachkräfte fördern, Weiterbildungsverbünde stärker unterstützen und den Einsatz von KI und Digitalisierung vorantreiben.
Die SPD MV möchte nicht nur die Apotheken stärken und ihre Wirtschaftlichkeit sichern, sondern auch die Gesundheitswirtschaft insgesamt fördern. »Als krisenfeste Branche bildet diese eine wesentliche Grundlage für die wachsende Prosperität des gesamten Landes«, heißt es in ihrem Wahlprogramm. Gesundheit wird darin außerdem als ein »Erfolgssegment des Tourismus« bezeichnet. Die SPD will daher die Angebote in den Kur- und Heilbädern unterstützen, etwa im Rahmen der Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft BioCon Valley in Rostock.
Im Rahmen der Hightech-Agenda des Bundesforschungsministeriums will sie auch die Forschung im Bereich Biotechnologie und Gesundheitswissenschaften stärken. Investiert werden soll zudem in die Universitätsmedizin in Greifswald und Rostock, »um die bauliche Infrastruktur und die Geräteausstattung auf Spitzenniveau zu erhalten und zu modernisieren«.
Die SPD MV befürwortet die Errichtung einer Gesundheitsdatenplattform, um den Austausch von Gesundheitsdaten für Forscherinnen und Forscher zu optimieren und die Weiterentwicklung der Telemedizin zu fördern. Gesundheitsdaten stammen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen, darunter auch die elektronische Patientenakte (ePA) oder klinischen Studien. Zudem will sie die Behandlung und Erforschung der Erkrankungen Long Covid, ME/CFS, Post-Covid und Post-Vac vorantreiben.
Auch beabsichtigt die Partei, die Krankenhäuser mit 250 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur- und Klimaneutralität des Bundes zu stärken. »Zudem sollen Krisenresilienz, Bevölkerungsschutz sowie Maßnahmen zum Hitze- und Klimaschutz Berücksichtigung finden.«
Großwohnsiedlungen und Quartiere mit besonderen sozialen Herausforderungen will sie »stärker in den Blick« nehmen. »Für die Menschen ohne oder mit unzureichender Krankenversicherung wollen wir uns für die Einführung eines landesweiten Modells einsetzen, das den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern soll.« Demnach soll das Modell aus einem anonymen Behandlungsschein und ambulanten Versorgungsangeboten bestehen.
Manuela Schwesig, die SPD-Spitzenkandidatin für Mecklenburg-Vorpommern, hat eine Interviewanfrage der PZ unbeantwortet gelassen.
Die 52-Jährige ist seit Juli 2017 Vorsitzende der SPD Mecklenburg-Vorpommern und Ministerpräsidentin des Bundeslandes. Von Dezember 2013 bis Juni 2017 war sie Bundesfamilienministerin. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles war sie zusammen mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel kommissarische SPD-Bundesvorsitzende. Im September 2019 legte sie aufgrund ihrer Brustkrebserkrankung das Amt nieder, behielt aber die Ämter der Ministerpräsidentin und Parteichefin von MV. Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt stellte sie in Schwerin ein neues Plakatmotiv vor: »Die Frau gegen Blau«. Es gelte, zu verhindern, dass die AfD stärkste Kraft werde, sagte sie.