Ein Gutachten des Verbands Freie Apothekerschaft kommt zu dem Ergebnis, dass der zunehmende Arzneimittelversand aus dem EU-Ausland die wirtschaftliche Basis deutscher Apotheken belastet und zugleich zu Steuerausfällen bei Bund und Kommunen führt. / © Apologistics
Als Grund wird der »Abfluss von Arzneimittelumsätzen ins EU-Ausland« durch den Versandhandel genannt. Nicht nur Apotheken, sondern auch Bund und Kommunen leiden unter ausländischen Versandhändlern. Laut dem Verband entgingen ihnen dadurch bis zu 410,9 Millionen Euro an Einkommen- und Gewerbesteuer. Dies ergab ein Gutachten des Ludwigsburger Beratungsunternehmens »Prof. Kaapke Projekte«, das von der Freien Apothekerschaft in Auftrag gegeben wurde. Darin wurden die ökonomischen und fiskalischen Folgen des Abflusses an EU-Arzneimittelversender auf Basis aktueller Marktdaten untersucht.
Der jährlich entstehende Verlust wird im Gutachten anhand zweier Rechenansätze bestimmt, die auf unterschiedlichen Datenquellen und Kennzahlen beruhen. Je nach betrachteter Situation fehlen dem deutschen Apothekenmarkt jährlich zwischen 476,2 Millionen Euro und 915,8 Millionen Euro an wirtschaftlichem Ergebnis vor Steuern.
Für die einzelne Apotheke bedeutet dies einen durchschnittlichen jährlichen wirtschaftlichen Verlust von 28.700 bis 55.200 Euro. Dies seien Mittel, die den Betrieben für Personal, Investitionen, Rücklagen und die Finanzierung ihrer laufenden Versorgungsstrukturen fehlen.
»Dieses Geld fehlt ganz konkret für Mitarbeiter, Investitionen und die Finanzierung des laufenden Betriebs. Gerade bei kleineren Apotheken kann ein Betrag in dieser Größenordnung darüber entscheiden, ob ein Standort wirtschaftlich weiterbestehen kann oder schließen muss«, sagt Daniela Hänel, die erste Vorsitzende der Freien Apothekerschaft.
Gleichzeitig warnt Hänel davor, steigende Umsätze größerer Apotheken als Zeichen wirtschaftlicher Stabilität zu interpretieren: »Hohe Umsätze auf dem Papier bedeuten nicht automatisch wirtschaftliche Stärke.« Ein wachsender Anteil würde auf hochpreisige Arzneimittel mit gesetzlich begrenzter absoluter Vergütung entfallen, die für die ausländischen Arzneimittelversender wirtschaftlich unattraktiv sei. Gleichzeitig stiegen Wareneinsatz, Personal- und Betriebskosten.
»Wenn dann ausgerechnet das wirtschaftlich wichtige Massengeschäft an ausländische Versender abwandert, fehlen den Apotheken vor Ort die Mittel, mit denen sie ihre Strukturen, ihre Versorgung und staatlich vorgegebenen Pflichtaufgaben finanzieren«, sagt sie weiter.