| Alexander Müller |
| 05.05.2026 11:10 Uhr |
Eckart Bauer, Bereichsleiter Wirtschaft und Soziales bei der ABDA, skizzierte die wirtschaftliche Lage der Apotheken. Das Missverhältnis zwischen größtenteils stagnierendem Honorar und steigenden Ausgaben sei die »Quadratur des Problems«. / © PZ
Die mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplante Erhöhung des Kassenabschlags von 1,77 auf 2,07 Euro bedeutet einen Verlust von 166 Millionen netto pro Jahr. Das entspricht etwa 3 Prozent der GKV-Apothekenvergütung. Laut Kabinettsentwurf soll der Abschlag zum Jahreswechsel und unbefristet angehoben werden.
Doch Bauer rechnet mit deutlichen Personalkostensteigerungen im kommenden Jahr infolge der beschlossenen Anhebung des Mindestlohns. Diese Tarifanpassungen könnten die Apotheken mit weiteren 670 Millionen Euro belasten. Bliebe unter dem Strich ein Plus von 73 Millionen Euro – oder durchschnittlich 4400 Euro pro Apotheke, wie Bauer vorrechnete.
Auch die von der Koalition geplante Rücknahme der Skonti-Beschränkung sei noch nicht umgesetzt, stattdessen drohten den Apotheken zusätzliche Belastungen. Dazu wird beispielsweise der Mehraufwand durch die dynamischen Abschläge oder höhere Zuzahlungen genannt.
Als »Quadratur des Problems« bezeichnete Bauer das Missverhältnis zwischen größtenteils stagnierendem Honorar und steigenden Ausgaben. So seien die Personalkosten in Apotheken seit 2013 um knapp 88 Prozent gestiegen, die Sachkosten um 55 Prozent. Auch GKV-Einnahmen (+82 Prozent) und Bruttoinlandsprodukt (+56 Prozent) seien deutlich über der Apothekenvergütung pro Rx-Packung (+12,3 Prozent) gestiegen.
Auffällig sind die Verschiebungen der Preisklassen am Umsatzanteil. Im GKV-Rx-Markt machen Arzneimittel mit einem Preis von über 5000 Euro inzwischen 16,2 Prozent des Umsatzes aus, 2011 waren es noch 6,1 Prozent. Auch das Segment zwischen 1500 und 5000 Euro legte von 11,5 Prozent (2011) auf 25,6 Prozent (2025) deutlich zu. Medikamente zum Preis von unter einem Euro sind im selben Zeitraum dagegen von 43 Prozent Umsatzanteil auf 25 Prozent gefallen.
Das zeigt sich auch in der Umsatzverteilung. Im Durchschnitt hat eine Apotheke 2025 rund 4 Millionen Euro umgesetzt, wobei aufgrund der Ausreißer am oberen Ende ein Umsatz von 3,1 Millionen Euro als typisch angesehen werden muss. Der Wareneinsatz ist inzwischen auf über 80 Prozent gestiegen, vor 20 Jahren lag er noch bei knapp über 70 Prozent.