Strukturierte Schulungen zu Inhalativa können die Anzahl kritischer Anwendungsfehler deutlich senken. / © Getty Images/FatCamera
Asthma und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Ihre medikamentöse Behandlung stützt sich fast ausschließlich auf inhalative Arzneistoffe: kurz- und langwirksame Bronchodilatatoren, inhalative Corticosteroide und deren Kombinationen. Der entscheidende Vorteil der Inhalation liegt darin, dass der Wirkstoff direkt am Wirkort – den Bronchien und Bronchiolen – verfügbar ist. Das verbessert den the¬rapeutischen Effekt und reduziert systemische Nebenwirkungen. Doch dieser Vorteil ist nur dann gegeben, wenn die Inhalation korrekt durchgeführt wird.
Hier liegt ein gravierendes, oft unterschätztes Problem. Fehlanwendungsraten von 50 bis über 90 Prozent sind in der Fachliteratur gut belegt (5, 6). Eine aktuelle Studie mit hospitalisierten COPD-Patienten fand heraus, dass fast 70 Prozent aller untersuchten Inhalatoren fehlerhaft eingesetzt wurden. Kritische Fehler, zum Beispiel die Unfähigkeit, den Atem ausreichend nach Inhalation anzuhalten oder die fehlende Koordination zwischen Auslösen des Sprühstoßes und Einatmung, lagen bei 65,6 Prozent vor, ein unzureichender inspiratorischer Spitzenfluss bei 13,8 Prozent. Mehr als vier von fünf der eingeschlossenen Patienten verwendeten mindestens einen Inhalator suboptimal (7). Diese Zahlen gelten für Patienten, die ihre Inhalatoren teils seit Jahren anwenden – und nicht für Neuverordnungen.
Die Konsequenzen sind klinisch bedeutsam: Kritische Anwendungsfehler sind mit mangelhafter Symptomkontrolle, häufigeren Exazerbationen, vermehrten Krankenhausaufenthalten und erhöhten Gesundheitskosten assoziiert (6). Häufigkeit und Schwere von Exazerbationen wiederum erhöhen das Mortalitätsrisiko bei COPD-Patienten nachweislich (8).
Die Apotheke ist als niedrigschwelliger Anlaufpunkt besonders geeignet, um dieser Situation entgegenzuwirken. Seit Einführung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) gehört die erweiterte Einweisung in die korrekte Inhalationstechnik zu den abrechnungsfähigen Leistungen. Sie ist eine der wirksamsten Maßnahmen, die Apotheker für diese Patientengruppe erbringen können.
Die auf dem Markt befindlichen Inhalationssysteme lassen sich in vier Hauptgruppen einteilen, die sich hinsichtlich des Wirkprinzips, der Anforderungen an den Patienten und typischen Fehlerquellen unterscheiden (Tabelle 1).