Strukturierte Schulungen zu Inhalativa können die Anzahl kritischer Anwendungsfehler deutlich senken. / © Getty Images/FatCamera
Asthma und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. Ihre medikamentöse Behandlung stützt sich fast ausschließlich auf inhalative Arzneistoffe: kurz- und langwirksame Bronchodilatatoren, inhalative Corticosteroide und deren Kombinationen. Der entscheidende Vorteil der Inhalation liegt darin, dass der Wirkstoff direkt am Wirkort – den Bronchien und Bronchiolen – verfügbar ist. Das verbessert den the¬rapeutischen Effekt und reduziert systemische Nebenwirkungen. Doch dieser Vorteil ist nur dann gegeben, wenn die Inhalation korrekt durchgeführt wird.
Hier liegt ein gravierendes, oft unterschätztes Problem. Fehlanwendungsraten von 50 bis über 90 Prozent sind in der Fachliteratur gut belegt (5, 6). Eine aktuelle Studie mit hospitalisierten COPD-Patienten fand heraus, dass fast 70 Prozent aller untersuchten Inhalatoren fehlerhaft eingesetzt wurden. Kritische Fehler, zum Beispiel die Unfähigkeit, den Atem ausreichend nach Inhalation anzuhalten oder die fehlende Koordination zwischen Auslösen des Sprühstoßes und Einatmung, lagen bei 65,6 Prozent vor, ein unzureichender inspiratorischer Spitzenfluss bei 13,8 Prozent. Mehr als vier von fünf der eingeschlossenen Patienten verwendeten mindestens einen Inhalator suboptimal (7). Diese Zahlen gelten für Patienten, die ihre Inhalatoren teils seit Jahren anwenden – und nicht für Neuverordnungen.
Die Konsequenzen sind klinisch bedeutsam: Kritische Anwendungsfehler sind mit mangelhafter Symptomkontrolle, häufigeren Exazerbationen, vermehrten Krankenhausaufenthalten und erhöhten Gesundheitskosten assoziiert (6). Häufigkeit und Schwere von Exazerbationen wiederum erhöhen das Mortalitätsrisiko bei COPD-Patienten nachweislich (8).
Die Apotheke ist als niedrigschwelliger Anlaufpunkt besonders geeignet, um dieser Situation entgegenzuwirken. Seit Einführung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) gehört die erweiterte Einweisung in die korrekte Inhalationstechnik zu den abrechnungsfähigen Leistungen. Sie ist eine der wirksamsten Maßnahmen, die Apotheker für diese Patientengruppe erbringen können.
Die auf dem Markt befindlichen Inhalationssysteme lassen sich in vier Hauptgruppen einteilen, die sich hinsichtlich des Wirkprinzips, der Anforderungen an den Patienten und typischen Fehlerquellen unterscheiden (Tabelle 1).
Das klassische Dosieraerosol (DA) enthält den Wirkstoff in einem unter Druck stehenden Behälter, gelöst oder suspendiert in einem Treibmittel, meist auf Basis von Hydrofluoralkanen. Beim Auslösen des Sprühstoßes entsteht eine Aerosolwolke, die der Patient koordiniert mit einem langsamen, tiefen Atemzug inhalieren muss. Diese Hand-Atem-Koordination ist eine der zentralen Herausforderungen. Atemzug-getriggerte Systeme lösen den Sprühstoß automatisch aus, sobald der Patient einzuatmen beginnt, und umgehen damit das Koordinationsproblem weitgehend.
Bei Pulverinhalatoren (DPI, Dry Powder Inhalers) liegt der Wirkstoff als Pulver vor und wird durch den inspiratorischen Atemfluss des Patienten dispergiert beziehungsweise desagglomeriert und in die Lunge transportiert. Da dieser Mechanismus von einer ausreichend kräftigen Einatmung abhängt, ist der inspiratorische Spitzenfluss (Peak Inspiratory Flow, PIF) ein zentraler Parameter. Ist er zu niedrig, wird das Pulver nicht ausreichend dispergiert, wodurch Wirkstofffreisetzung und pulmonale Deposition beeinträchtigt sein können. Devices mit niedrigem Widerstand erfordern meist höhere inspiratorische Fluss¬raten, während bei Devices mit höherem Widerstand häufig geringere Flüsse ausreichen.
Darüber hinaus gibt es einen treibgasfreien Soft-Mist Inhalator, der durch mechanische Energie in Form von Federkraft eine langsame, feine Aerosolwolke erzeugt. Diese bewegt sich wesentlich langsamer als beim Dosieraerosol, was die Koordinationsanforderung reduziert und die Wirkstoffdeposition in der Lunge verbessert. Das Gerät gegen einen Federwiderstand zu drehen, kann für Patienten mit eingeschränkter Handkraft jedoch schwierig sein.
Vernebler verwandeln eine wässrige Arzneistofflösung durch Ultraschall oder Druckluft in ein inhalierbares Aerosol. Der Patient atmet durch ein Mundstück oder eine Maske. Die Wirkstoffdeposition ist hierbei in der Regel geringer als bei korrekt angewendeten DA oder DPI. Vernebler werden vor allem bei schweren Exazerbationen, bei Kindern und bei Patienten eingesetzt, die andere Inhalatoren nicht korrekt bedienen können. Sie erfordern vonseiten des Patienten praktisch keine Technik, aber einen größeren Zeitaufwand und eine regelmäßige Gerätedesinfektion.
| Merkmal | Dosieraerosol | Pulverinhalator | Soft-Mist-Inhalator | Vernebler |
|---|---|---|---|---|
| Wirkprinzip | durch Treibmittel freigesetzt, schnelle Aerosolwolke | durch inspiratorischen Atemfluss aktiviert, Pulverdeagglomeration | mechanisch ausgelöst, langsame Aerosolwolke | Ultraschall oder Druckluft, wässrige Lösung |
| Koordinationsanforderung | hoch (Hand-Atem-Koordination) | gering (kein Auslösen nötig) | mittel | keine |
| PIF-Anforderung | keine (langsamer Atemzug bevorzugt) | je nach Widerstand sind Flussraten von 30 bis>60 l/min nötig | gering (normales Atemzugvolumen) | keine |
| Spacer möglich | ja (empfohlen) | nein | nein | nein (Maske/Mundstück) |
| Klimabelastung | hoch (HFA-Treibmittel) | gering | gering | gering |
| Typisches Patientenprofil | alle, mit Spacer auch bei eingeschränkter Koordination | ausreichender PIF, keine schwere Obstruktion | eingeschränkte Handkraft, Koordinationsprobleme | schwere Exazerbation, Kinder, nicht schulbare Patienten |
Fehler in der Anwendung von Inhalatoren sind häufig und betreffen nahezu alle Devices. Für Dosieraerosole sind insbesondere folgende Anwendungsfehler typisch:
Manche Dosieraerosole enthalten außerdem eine Lufteintrittsöffnung am Geräteboden, die, wenn sie mit den Fingern abgedeckt wird, die Aerosolbildung beeinträchtigen kann.
Auch bei Pulverinhalatoren treten wiederkehrende, gerätespezifische Anwendungsfehler auf:
Außerdem besteht die Gefahr, dass Patienten Kapseln zur Inhalation schlucken, wenn nur die Nachfüllpackung ohne Inhalator verordnet wurde.
Beim Soft-Mist-Inhalator zeigen sich ebenfalls charakteristische Fehlerquellen in der Anwendung:
Das Dosieraerosol gehört zu den am häufigsten verordneten Inhalatorsystemen in Deutschland, daher ist es bei der Einweisung in die korrekte Anwendung besonders wichtig, die einzelnen Schritte systematisch zu vermitteln.
Der Kreativität von Anwendungsfehlern sind wenig Grenzen gesetzt: Inhalatorkapseln werden mitunter versehentlich geschluckt. / © Getty Images/Grigorev_Vladimir
Als Erstes muss die Schutzkappe entfernt werden. Druckgas-Dosieraerosole mit suspendiertem Wirkstoff sollten vor der Anwendung geschüttelt werden, damit sich die Inhaltsstoffe gleichmäßig verteilen. Bei Druckgas-Dosieraerosolen, die als Lösung vorliegen, ist Schütteln in der Regel nicht erforderlich. Vor der Inhalation muss der Patient tief ausatmen (nicht in das Device). Dann umschließt er das Mundstück fest mit den Lippen. Nach dem Auslösen und dem langsamen, tiefen Atemzug soll die Luft für fünf bis zehn Sekunden angehalten werden. Diese Phase ermöglicht die Sedimentation der Aerosolpartikel im unteren Atemtrakt. Wird sie ausgelassen, verlässt ein erheblicher Anteil der Wirkstoffpartikel die Lunge mit der nächsten Ausatmung.
Der Spacer ist das einfachste und wirksamste Hilfsmittel bei Koordinationsproblemen. Er entkoppelt den Sprühstoß zeitlich von der Inhalation und verringert die Depositionsrate im Mund-Rachen-Raum erheblich. Das erhöht nicht nur die pulmonal verfügbare Wirkstoffmenge, sondern reduziert auch lokale Nebenwirkungen wie Mundsoor und Heiserkeit bei der Inhalation von Corticosteroiden. Dosieraerosole sollten nach Möglichkeit mit Spacer verwendet werden, sofern keine besonderen Gründe dagegensprechen. Das gilt besonders für Kinder, ältere Patienten und solche mit Koordinationsschwierigkeiten sowie für alle, die regelmäßig inhalative Corticosteroide verwenden.
Eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass Schulungen die Inhalationstechnik bei Asthma- und COPD-Patienten deutlich verbessern können. Sowohl bei Pulverinhalatoren als auch bei Dosieraerosolen nahm die Zahl kritischer und sonstiger Anwendungsfehler nach einer Schulung signifikant ab. Für Dosieraerosole zeigte sich zudem, dass der Schulungserfolg von der Art der Instruktion abhängt: Besonders wirksam waren wiederholte Demonstrationen mit anschließender Übung bis zur fehlerfreien Anwendung (9).
Wie viel sich durch wiederholte gezielte Schulung erreichen lässt, zeigt eindrücklich eine weitere aktuelle Studie an 96 hospitalisierten Patienten, die aufgrund einer akuten Exazerbation stationär aufgenommen wurden. Insgesamt wurden 160 Inhalatoren bewertet. Nahezu sieben von zehn Inhalatoren (69,4 Prozent) wurden fehlerhaft angewendet. Der mit Abstand häufigste Grund waren kritische Anwendungsfehler, die bei 65,6 Prozent der Geräte nachgewiesen wurden. Ein unzureichender inspiratorischer Spitzenfluss lag bei 13,8 Prozent der Inhalatoren vor und betraf damit jeden siebten Inhalator (7). Mithilfe des Teach-to-Goal-Prinzips (Kasten) sank die Rate nach einer einzigen gezielten Schulung auf 20,6 Prozent, nach einer zweiten auf 9,4 Prozent und nach einer dritten auf 5,6 Prozent (7).
Bei jeder Erstverordnung eines Inhalators und jedem Gerätewechsel sollte eine Schulung erfolgen, ebenso nach Exazerbationen. / © Getty Images/Tom Werner
Besonders wichtige Schulungszeitpunkte sind die Erstverordnung eines Inhalators, jeder Devicewechsel sowie nach Exazerbationen. Auch bei langjähriger Anwendung sind regelmäßige Auffrischungen sinnvoll. Ältere Patienten bedürfen besonderer Aufmerksamkeit, denn das Alter ist ein unabhängiger Risikofaktor für Anwendungsfehler: Mit zunehmendem Alter steigt die Fehlerrate kontinuierlich an (10). Kognitive Einschränkungen, Tremor und nachlassende Handkraft machen eine regelmäßige Überprüfung der Inhalationstechnik notwendig. Faktoren, die eine korrekte Inhalationstechnik trotz mehrfacher Schulung unmöglich machten, waren Störungen der Kognition oder Feinmotorik, eine mangelnde Koordination zwischen Auslösen und Einatmung beim Dosieraerosol sowie die Unfähigkeit, den Atem ausreichend anzuhalten (7).
Das Teach-to-Goal-Prinzip umfasst eine wiederholte, zielgerichtete Schulung der Inhalationstechnik. Zu Beginn wird die korrekte Anwendung entweder an einem Dummy demonstriert oder anhand des Inhalators des Patienten erläutert. Ergänzend kann gemeinsam ein Demonstrationsvideo der Deutschen Atemwegsliga angesehen werden. Anschließend inhaliert der Patient mit seinem Gerät. Dabei werden Anwendungsfehler mithilfe einer Checkliste erfasst, gezielt korrigiert und der Ablauf so oft wiederholt, bis die Inhalation ohne kritische Fehler gelingt. Erst dann gilt die Schulung als abgeschlossen. Treten auch nach drei Durchgängen weiterhin kritische Fehler auf, sollte ein Wechsel des Inhalationsgeräts in Betracht gezogen werden.
Ergänzend zum Teach-to-Goal-Ansatz hat sich die Teach-Back-Methode bewährt: Der Patient gibt die wesentlichen Inhalte der Schulung in eigenen Worten wieder. So lässt sich erkennen, ob wichtige Punkte richtig angekommen sind oder ob es Missverständnisse gibt, die dann unmittelbar geklärt werden können.
Es gibt kein universell überlegenes Inhalationssystem. Die Devicewahl sollte individuell anhand mehrerer Patientenfaktoren erfolgen. Die wichtigsten sind inspiratorischer Spitzenfluss, manuelle Geschicklichkeit und Handkraft, außerdem Koordinationsvermögen sowie kognitive Fähigkeiten (Tabelle 1, S. 21).
Bei Trockenpulverinhalatoren ist der inspiratorische Spitzenfluss ein entscheidender Parameter. Ist er zu gering, wird das Pulver nicht ausreichend dispergiert, was die Wirkstofffreisetzung und die Deposition in der Lunge beeinträchtigen kann. Welche Flussrate erforderlich ist, hängt vom Devicewiderstand ab: Bei Hochwiderstandsgeräten können etwa 30 l/min ausreichen, bei Inhalatoren mit geringerem Widerstand sind häufig höhere Werte bis etwa 60 l/min erforderlich (11). Patienten mit schwerer COPD, akuter Exazerbation oder multimorbiden Erkrankungen erreichen diese Schwellenwerte möglicherweise nicht und kommen damit für bestimmte Pulverinhalatoren nicht infrage. Der PIF kann mit standardisierten Handgeräten gemessen werden; diese Methode sollte stärker in der Apothekenpraxis etabliert werden.
Die Handkraft und die manuelle Geschicklichkeit spielen eine Rolle bei der Wahl eines geeigneten Inhalators. / © Getty Images/PeopleImages
Handkraft und manuelle Geschicklichkeit sind vor allem für das Dosieraerosol, aber auch für einige Pulverinhalatoren relevant. Das Auslösen des Sprühstoßes oder die Perforation der Kapsel bei einem Pulverinhalator erfordert eine gewisse Fingermuskelkraft. Rheumatologische Erkrankungen, Morbus Parkinson oder fortgeschrittenes Alter können hier limitierend sein. Soft-Mist-Inhalatoren erfordern das Drehen eines Widerstands gegen einen Federmechanismus – auch das kann für manche Patienten schwierig sein.
Kognitive Fähigkeiten und Koordination bestimmen, ob ein Patient in der Lage ist, die Handlungsschritte korrekt und reproduzierbar auszuführen. Dosieraerosole sind für kognitiv eingeschränkte Patienten besonders fehleranfällig. Atemzug-getriggerte Systeme oder Pulverinhalatoren können hier eine bessere Option sein, sofern der PIF ausreichend ist. Grundregel für die Apothekenberatung: so wenige Devices wie möglich je Patient, und möglichst keinen Devicewechsel ohne zwingenden Grund. Ein bewährtes, gut beherrschtes Gerät ist einem theoretisch überlegenen, aber fehlerhaft angewendeten Gerät möglichst vorzuziehen.
Ein Spacer empfiehlt sich für die meisten Patienten, die ein Dosieraerosol anwenden – nicht nur für die Jüngsten. / © Getty Images/SBenitez
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Inhalatorumstellungen – etwa aus Gründen der Aut-idem-Substitution oder eines Rahmenvertragsaustauschs – mit einem signifikant erhöhten Risiko für Notfallvorstellungen sowie einem vermehrten Einsatz von Bedarfsmedikation und zusätzlichen Verschreibungen systemischer Steroide verbunden sein können (12). Ursachen sind in erster Linie Fehler bei der Anwendung des neuen Devices, fehlende Schulung und ein unzureichender inspiratorischer Fluss für das neue Gerät. Jeder Devicewechsel sollte daher von einer strukturierten Beratung begleitet werden.
Der erste Schritt bei jeder Abgabe eines Inhalators sollte eine kurze Einschätzung des Patienten sein: Handelt es sich um eine Erst- oder Folgeverordnung? Hat sich das Gerät geändert? Gibt es Anzeichen für Fehlanwendung oder einen gestiegenen Verbrauch der Bedarfsmedikation? Als einfache Einstiegsfrage hat sich bewährt: »Hilft Ihnen Ihre aktuelle Therapie beim Atmen?« Diese offene Frage ermöglicht den Einstieg in ein weiteres Beratungsgespräch und erfasst rasch, ob die Wirkung als ausreichend erlebt wird.
Warnsignale für Fehlgebrauch sind zum Beispiel ein steigender Verbrauch der Bedarfsmedikation, bei Asthmapatienten häufiger als zweimal in der Woche, sowie nächtliches Erwachen mit Atemnot, häufige Exazerbationen und eine subjektive Wirkungslosigkeit der Therapie trotz vermeintlich regelmäßiger Anwendung (3).
Ein erhöhter Verbrauch kurzwirksamer β2-Agonisten (SABA) in den Wochen vor einer Exazerbation ist ein mögliches Frühzeichen, das in der Apotheke durch eine Reichweitenkontrolle erkannt werden kann.
Daran sollte sich eine strukturierte Überprüfung der Anwendung anschließen. Eine Beratungscheckliste zeigt, wie sich dieses Vorgehen in der Apotheke strukturiert umsetzen lässt (Tabelle 2).
| Schritt | Aktion | Worauf achten? |
|---|---|---|
| 1. Situation erfassen | Grund der Abgabe klären (Erst- oder Folgeverordnung, Devicewechsel) | hat sich das Device geändert, liegen Beschwerden vor, ist der SABA-Verbrauch gestiegen |
| 2. Vorführen | korrekte Anwendung am Dummy oder am Device des Patienten demonstrieren, alternativ gemeinsam Video der Deutschen Atemwegsliga ansehen | alle Schritte vollständig zeigen,Atem anhalten nicht vergessen |
| 3. Patient üben lassen | vollständige Inhalation durch den Patienten an seinem Device durchführen lassen | nicht unterbrechen, Feedback erst im Anschluss geben |
| 4. Fehler identifizieren | anhand einer inhalatortypspezifischen Checkliste kritische Fehler erkennen | kritischer Fehler = Fehler mit nachgewiesener Auswirkung auf Wirkstoffdeposition |
| 5. Gezielt korrigieren | jeden kritischen Fehler einzeln und gezielt korrigieren (Teach-to-Goal-Prinzip) | bei persistierenden Fehlern gegebenenfalls Devicewechsel erwägen |
| 6. Verifizieren | Patient wiederholt Inhalation nach Korrektur, Abschluss bei fehlerfreier Durchführung | Teach-Back-Methode: Patient erklärt die wichtigsten Schritte in eigenen Worten |
| 7. Dokumentieren | Durchführung, Ergebnis und gegebenenfalls Devicewechselempfehlung dokumentieren | Datum, beobachtete Fehler und Empfehlung festhalten |
| Besondere Situationen | vollständige Schulung bei Erstverordnung oder Devicewechsel, Schulung nach Exazerbationen | bei älteren Patienten, Kindern sowie eingeschränkter Kognition oder Koordination besonders prüfen |
In der modernen Asthmatherapie hat sich das Konzept (S)MART etabliert. Die Abkürzung steht für (Single) Maintenance And Reliever Therapy: Ein einziger Inhalator mit der Fixkombination aus einem inhalativen Corticosteroid (ICS) und dem schnellwirksamen Langzeit-Betamimetikum (LABA) Formoterol wird sowohl zur Dauertherapie als auch zur Bedarfstherapie eingesetzt. Dies kann die Komplexität einer Therapie reduzieren und die Adhärenz verbessern.
Das AIR-Prinzip der Global Initiative for Asthma (GINA), einer 1993 gegründeten internationalen Fachinitiative, beschreibt die alleinige Bedarfstherapie mit niedrig dosiertem ICS in Kombination mit einem rasch wirksamen Bronchodilatator wie zum Beispiel Formoterol: AIR steht hier für Anti-Inflammatory Reliever. Bei Symptomen wird nicht nur eine rasche Bronchodilatation erzielt, sondern gleichzeitig eine antientzündliche Therapie ermöglicht.
Inhalative Therapien transportieren Wirkstoffe direkt in die tiefen Atemwege der Lunge. / © Getty Images/Pixologicstudio
Die GINA empfiehlt diesen Ansatz für Erwachsene und Jugendliche, da er gegenüber einer reinen SABA-Bedarfstherapie das Exazerbationsrisiko senkt. Auch die Nationale Versorgungsleitlinie Asthma (AWMF-Registernummer: nvl-002) greift dieses Konzept für Erwachsene auf und empfiehlt niedrig dosiertes ICS in Kombination mit Formoterol zur Bedarfstherapie. In Deutschland ist die isolierte Bedarfstherapie mit ICS/LABA jedoch formal nicht durch eine eigenständige Zulassung abgedeckt; die Empfehlung ist aber leitliniengerecht. Leitlinienempfehlungen und arzneimittelrechtlicher Zulassungsstatus sind wie in diesem Fall also nicht immer deckungsgleich (2, 3).
Für die Beratung bedeutet das: Nicht jeder Patient erhält noch ein ausschließlich bronchodilatatorisch wirksames Bedarfsspray, etwa mit Salbutamol. Stattdessen kommen zunehmend Therapiekonzepte wie AIR und (S)MART zum Einsatz, bei denen eine Kombination aus ICS und LABA auch zur Bedarfstherapie verwendet wird.
Bei COPD hat sich die Kombination aus LABA und langwirksamen Anticholinergika (LAMA) als Therapiestandard etabliert, bevorzugt als Single-Inhaler-Therapie für eine bessere Adhärenz (1). ICS werden bei COPD nur gezielt eingesetzt, insbesondere bei erhöhtem Exazerbationsrisiko und einer Bluteosinophilenzahl über 300 Zellen pro Mikroliter oder bei gleichzeitig bestehendem Asthma. Zu bedenken ist dabei, dass ICS bei COPD das Pneumonierisiko erhöhen können und daher bei fehlender Asthmakomponente oder Eosinophilenzahlen unter 100 Zellen pro Mikroliter eher nicht eingesetzt werden sollen (1).
Inhalative Arzneistoffe sind im Vergleich zu systemisch verabreichten generell gut verträglich. Dennoch sind einige unerwünschte Wirkungen relevant und sollten bei der Beratung angesprochen werden. Bei ICS sind Heiserkeit beziehungsweise eine raue Stimme (Dysphonie) und Mundsoor die häufigsten lokalen Nebenwirkungen. Beide entstehen durch Wirkstoffdeposition im Oropharynx und sind durch den Einsatz eines Spacers beim Dosieraerosol und Mundausspülen oder Essen nach der Inhalation vermeidbar.
Systemische Effekte der ICS sind bei korrekter Anwendung und niedrigen bis mittleren Dosen in der Regel gering. Bei einer Hochdosistherapie über längere Zeiträume kann es zu einem erhöhten Risiko für Osteopenie oder einer Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse kommen. Die Frage nach der weiteren Anwendung von Glucocorticoiden – auch in topischer Form wie Nasensprays oder Hautcremes – ist bei Polymedikation wichtig, da sich systemische Effekte addieren können.
Systemische Glucocorticoide zur Behandlung von Exazerbationen sind hocheffektiv, aber bereits bei kurzer Anwendung von drei bis sieben Tagen mit einem signifikant erhöhten Risiko für Osteoporose, Frakturen, kardiovaskuläre Ereignisse und Pneumonien assoziiert (13). Umso wichtiger ist es, Exazerbationen durch eine wirksame Basistherapie und eine korrekte Inhalationstechnik möglichst zu vermeiden. Jede verhinderte Exazerbation kann dazu beitragen, eine systemische Steroidtherapie zu vermeiden.
β2-Sympathomimetika können in höherer Dosierung Tachykardie, Tremor und Hypokaliämie verursachen. Die Hypokaliämie ist besonders relevant in Kombination mit Schleifen- oder Thiaziddiuretika oder bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen. Ein zunehmender SABA-Verbrauch als Bedarfsmedikation gilt als kritisches Warnsignal und ist mit einem erhöhten Exazerbationsrisiko sowie einer gesteigerten Mortalität assoziiert. Überschreitet ein Asthmapatient mehr als zwei bis drei Packungen Salbutamol pro Jahr, gilt dies laut GINA als Zeichen für unzureichend kontrolliertes Asthma und sollte Anlass zur ärztlichen Rücksprache geben (2).
Anticholinerge Substanzen wie Tiotropium, Glycopyrronium und Umeclidinium können in seltenen Fällen zu einem trockenen Mund führen – umso wichtiger ist die korrekte Inhalationstechnik.
Dosieraerosole sind klimarelevant, da die enthaltenen Treibgase im Vergleich zu Kohlenstoffdioxid deutlich stärker zur Erderwärmung beitragen. Das Treibmittel Norfluran (HFA 134a) belastet das Klima etwa 1530 mal stärker als CO₂, Apafluran (HFA 227ea) sogar 3600 mal stärker.
Fluorierte Treibmittel in Dosieraerosolen tragen aufgrund ihres hohen Treibhauspotenzials zur globalen Erwärmung bei. Bei der Verordnung eines Inhalators sollte daher auch der Umweltaspekt bedacht werden. / © Getty Images/the_burtons
Dies macht Dosieraerosole bei immer noch hohen Verordnungszahlen zu einem nicht vernachlässigbaren Faktor für den CO₂-Fußabdruck. Die EU-Verordnung über fluorierte Treibhausgase (14) verschärft die Anforderungen, was langfristig zu Veränderungen hin zu neuen, treibmittelärmeren oder -freien DA im Inhalatormarkt führen wird.
Die S2k-Leitlinie »Klimabewusste Verordnung von Inhalativa« (AWMF-Registernummer: 053-059) empfiehlt, Pulverinhalatoren bevorzugt zu verordnen, wenn der Patient sie korrekt anwenden kann. Sie stellt aber ausdrücklich klar: Versorgungssicherheit und Patienteneignung haben absoluten Vorrang. Ein klimafreundlicherer Inhalator nützt nichts, wenn er fehlerhaft angewendet wird.
In der Beratung kann das Klimaargument dennoch eine sinnvolle Rolle spielen, wenn ein Devicewechsel ohnehin indiziert ist oder mehrere Inhalatoren infrage kommen.
Dosieraerosole enthalten auch nach Ablauf der deklarierten Sprühstöße noch Treibmittelreste und gelten daher formal als gefährlicher Abfall. Sie können über Schadstoffmobile oder kommunale Sammelstellen entsorgt werden (15).
Elektronische Monitoring Systeme (»Smart Inhalers«) können die Adhärenz bei der Inhalationstherapie verbessern. In einem systematischen Review war ihr Einsatz mit einer um 23 Prozent höheren Adhärenz assoziiert, mobile Anwendungen mit zusätzlichen Textnachrichten mit einer Verbesserung um 12 Prozent.
Der klinische Nutzen fiel dabei jedoch insgesamt eher gering aus, und auch die Kosten-Nutzen-Relation bleibt bislang unklar. Ein aktuelle, strukturierte Übersichtsarbeit (Scoping Review) bei COPD weist zugleich darauf hin, dass elektronische Devices die Anwendung und Therapietreue objektiv erfassen können und mit einer verbesserten Adhärenz sowie günstigeren klinischen Ergebnissen verbunden sein können (16, 17).
Digitale Gesundheitsanwendungen können beim Rauchstopp unterstützen. / © Getty Images/nensuria
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zur Tabakentwöhnung können die Abstinenzrate bei rauchenden Patienten verdoppeln (18). Für COPD-Patienten stellt die Unterstützung beim Rauchstopp eine der wirksamsten nicht medikamentösen Maßnahmen dar.
Um symptomauslösende Umweltfaktoren zu vermeiden, können Patienten außerdem die App »Luftqualität« des Umweltbundesamtes nutzen, um an Tagen mit hoher Ozonbelastung körperliche Aktivitäten nach drinnen zu verlegen.
Die Apotheke als niedrigschwelliger Zugang zur Gesundheitsversorgung ist prädestiniert, Patienten systematisch im Umgang mit Inhalatoren zu schulen. Dabei gilt:
Ina Richling, Doctor of Pharmacy (University of Florida, USA), ist Fachapothekerin für klinische Pharmazie am St. Johannes Hospital in Dortmund. Sie ist Referentin für verschiedene Apothekerkammern im Bereich Fort- und Weiterbildung und hat einen Lehrauftrag an der Universität Bonn im Masterstudiengang AMTS. Ihre Schwerpunkte sind AMTS, Medikationsanalysen im stationären und ambulanten Setting sowie arzneimittelbezogenes Entlassmanagement.