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Linnemann-Vorstoß
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Welche Kassen überleben sollen

Über die Anzahl der Krankenkassen wird immer wieder gestritten. Die Verwaltungsapparate von 93 Anbietern sind Kritikern zu teuer, Befürworter verweisen auf den Wettbewerb. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann will durchgreifen. Die Finanzkommission Gesundheit zögert.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 29.04.2026  17:30 Uhr

Bis zum Jahr 2032 solle die Zahl der Kassen von 93 auf zehn bis 20 sinken, damit Verwaltungskosten gespart werden könnten, sagte Linnemann der »Bild« und brachte eine Mindestversichertenzahl ins Spiel. So sollen Krankenkassen künftig mindestens eine Million Versicherte haben. Mit der Mindestversichertenzahl greift er auf einen Vorstoß von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zurück. Warken hatte vor Kurzem in einem Interview angedeutet, dass dies ein Parameter sein könnte.

Die Finanzkommission Gesundheit hatte in ihren Sparempfehlungen, auf die sich das Bundesgesundheitsministerium mit seinem aktuellen GKV-Spargesetz bezieht, keinen rechten Ansatz bei den Kassen selbst gesehen. Eine Reduzierung der Anzahl würde keine nennenswerten Einsparungen bringen, hieß es.

Der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Greiner bekräftigte jetzt gegenüber der PZ, dass die Kommission »keinen Sparbeitrag einer niedrigeren Anzahl von Krankenkassen« errechnen konnte; es gebe sowohl große Krankenkassen mit überdurchschnittlichen Verwaltungskosten wie auch kleine Krankenkassen mit unterdurchschnittlichen Verwaltungskosten. Zudem seien die Erfahrungen in Österreich mit der Zusammenlegung der Krankenkassen nicht gut gewesen, dort seien anschließend die Verwaltungskosten stark angestiegen.

Zweiter Bericht im Herbst oder Winter

In der Idee einer Mindestmitgliederzahl sah die Kommission ursprünglich keinen Sparansatz. Es lasse sich »kein systematischer Zusammenhang zwischen der Größe der Krankenkassen und deren Verwaltungskosten feststellen«, schrieb sie in ihrem ersten Bericht. Warken fasste allerdings nach.

Greiner ließ die PZ heute wissen, dass sich die Kommission erneut mit dem Thema beschäftigen werde, wenn die Ministerin es wolle – »vielleicht dann weniger unter Finanzaspekten«. Das sei aber noch Spekulation; die Themen für den für Herbst oder Winter angepeilten Kommissionsbericht stünden noch nicht fest. 

»Damit das System gerecht ist, müssen sich alle beteiligen – auch die gesetzlichen Krankenkassen«,  zeigt sich hingegen Linnemann überzeugt. Weniger Krankenkassen bedeuteten effizienteren Wettbewerb, schlanke Verwaltung und weniger Kosten, sagte er der »Bild«.

Die angedachte Vorgabe von mindestens einer Million Versicherten erfüllen demnach nur 17 der 93 Anbieter. Die restlichen kleinen Kassen, so Linnemann, sollen sich zukünftig zusammenschließen. Damit ließen sich die Verwaltungskosten senken, die laut »Bild« für alle Kassen bei insgesamt 13 Milliarden Euro pro Jahr liegen.

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