| Alexandra Amanatidou |
| 11.06.2026 17:30 Uhr |
Mit der Übernahme des US-amerikanischen Biotechunternehmens Nuvalent stärkt der britische Pharmakonzern GSK sein Onkologiegeschäft und erhält Zugang zu vielversprechenden Lungenkrebswirkstoffen. / © Adobe Stock/africa-studio
GSK will das Pharmaunternehmen Nuvalent für rund 10,6 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 9,18 Milliarden Euro) kaufen. Dies teilte der Konzern in einer Pressemitteilung mit. Mit der Transaktion möchte GSK Wirkstoffe mit validierten Zielstrukturen (Drug Targets) im Bereich Onkologie erwerben. Dabei handelt es sich um Arzneistoffe, deren Bindungspartner im Körper durch präklinische und klinische Studien eindeutig als ursächlich für die Entstehung einer Krankheit bewiesen wurden.
Der Deal umfasst drei Produkte zur Behandlung von Lungenkrebs sowie das präklinische Portfolio von Nuvalent mit mehreren Programmen. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Mit dem Zukauf erhält GSK laut Konzernchef Luke Miels, der seit Jahresbeginn an der Spitze des Unternehmens steht, Zugriff auf zwei »potenziell führende Wirkstoffe« gegen Lungenkrebs.
Die beiden Arzneistoffkandidaten sind Zidesamtinib (NVL-520) und Neladalkib (NVL-655). Sie befinden sich in der späten Phase der klinischen Entwicklung und gehören zu der nächsten Generation von Wirkstoffen zur Behandlung von NSCLC (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom), der häufigsten Form von Lungenkrebs. Beide sind hochselektive ROS1- beziehungsweise ALK-Inhibitoren. ROS1-Inhibitoren sind Tyrosinkinase-Hemmer, die Krebszellen mit aktivierenden ROS1-Genfusionen blockieren. ALK-Inhibitoren hemmen das Enzym Anaplastische Lymphomkinase (ALK).
Laut Unternehmensangaben haben beide Wirkstoffe von der US-amerikanischen Bundesbehörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) den Status einer »bahnbrechenden Therapie« sowie die Einstufung als »Arzneimittel für seltene Erkrankungen« erhalten. Sie befinden sich derzeit im Zulassungsverfahren. Diese könnte für beide Wirkstoffe im Herbst 2026 erfolgen.
Ob sich die Investition für GSK finanziell lohnen wird, ist fraglich. Denn die beiden Wirkstoffe müssen sich gegen etablierte Präparate der Unternehmen Pfizer und Roche behaupten.
Der dritte Wirkstoff NVL-330 ist ein vielversprechender HER2-Inhibitor zur Behandlung von HER2-verändertem NSCLC. HER2-Inhibitoren sind zielgerichtete Krebstherapien, die den Rezeptor HER2 blockieren, der das Tumorwachstum antreibt. Dieser Wirkstoff befindet sich derzeit in Phase-I-Studien, also in der ersten Erprobungsphase. Neue Wirkstoffe werden jedoch erst nach abgeschlossenen Phase-III-Studien zugelassen.