| Daniela Hüttemann |
| 10.06.2026 16:20 Uhr |
Die Therapie von Schlafstörungen sollte zunächst nicht medikamentös erfolgen, vor allem durch kognitive Verhaltenstherapie mit Schlafhygiene, Entspannungstechniken und Verhaltensanpassungen. / © Adobe Stock/terovesalainen
Magnesium braucht der Körper für viele verschiedene Funktionen, unter anderem die Nervenfunktion und den Stoffwechsel. »Studienergebnisse legen nahe, dass eine Magnesiumzufuhr die Schlafqualität verbessern, die Einschlafzeit verkürzen, die Schlafdauer verlängern und die Tagesmüdigkeit verringern kann«, heißt es in den aktuellen »EviNews«. »Weitere Studien deuten darauf hin, dass eine Supplementierung von Magnesium die Schlafeffizienz verbessert und die Schwere der Schlaflosigkeit verringert.«
Das EviNews-Team hat sich nun eine Studie vom Institute of Food and One Health der Leibniz-Universität Hannover aus dem vergangenen Jahr genauer angeschaut, veröffentlicht im Journal »Nature and Science of Sleep«. Daran nahmen 155 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren teil, die unter schlechtem Schlaf litten, aber ansonsten gesund waren.
In der kontrollierten, randomisierten, doppelblinden Studie erhielten sie entweder einmal täglich eine Kapsel Magnesiumbisglycinat (entsprechend 250 mg elementarem Magnesium) oder Placebo über vier Wochen. Die Schlafqualität wurde über den Insomnia Severity Index (ISI) und weitere psychologische Fragebögen an mehreren Zeitpunkten erfasst.
Unter der Magnesiumgabe verbesserten sich die Schlafstörungen moderat im Vergleich zu Placebo, sie blieben jedoch bestehen. Der Unterschied war statistisch signifikant, ist jedoch laut »EviNews« als gering einzustufen. Die Verträglichkeit war gut.
»Die betrachtete Studie bildet zwar ein alltagsnahes Setting ab, weist jedoch durch Online-Rekrutierung, eigenverantwortliche Einnahme der Studienmedikation und fehlende objektive Schlafparameter-Messungen methodische Schwächen auf, die die Aussagekraft einschränken«, ordnet das »EviNews«-Team ein. Die Dosierung sei darüber hinaus in der Studie mit 250 mg Magnesium etwas niedriger als in den Gebrauchsinformationen von Beispielpräparaten.
Insgesamt könnte Magnesium eine niedrigschwellige, kurzfristige Behandlungsoption in der Selbstmedikation sein, auch wenn die Studienlage verbesserungswürdig bleibt.
Im Newsletter finden sich viele weitere umfassende Angaben zu Schlafbedarf, Ursachen und Risikofaktoren von Schlafstörungen und ihrer leitliniengerechten Behandlung sowie den Grenzen der Selbstmedikation. An erster Stelle stehen eine gute Schlafhygiene und Verhaltensänderungen.
Wichtig: Gemäß S3-Leitlinie »Insomnie bei Erwachsenen« wird die medikamentöse Therapie erst dann durchgeführt, wenn eine kognitive Verhaltenstherapie nicht den gewünschten Effekt gezeigt hat oder nicht durchgeführt werden konnte. Die in der Selbstmedikation verfügbaren Optionen wie sedierende Antihistaminika und Phytopharmaka werden von der Leitlinie aktuell nicht empfohlen. Magnesium wird in der Leitlinie nicht erwähnt.
EviNews – Informationen zur evidenzbasierten Selbstmedikationen werden vom Zentrum für Arzneimittelsicherheit an der Universität Leipzig zusammengestellt. Der Newsletter erscheint in der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH und wird ausschließlich durch die ABDA und die Avoxa finanziert. Die kostenlose Registrierung ist unter www.evinews.de möglich. Der Newsletter erscheint einmal monatlich. Alle Ausgaben finden sich im Archiv.