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Inhalativa
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Kleine Fehler, große Folgen

Bis zu 90 Prozent der Patienten mit Asthma oder COPD wenden ihren Inhalator fehlerhaft an – mit messbaren Folgen für Lungenfunktion, Lebensqualität und Hospitalisierungsrate. Worauf kommt es bei den einzelnen Inhalatoren an und welchen Beitrag können strukturierte Schulungen im Apothekenalltag zum Therapieerfolg leisten?
AutorKontaktIna Richling
Datum 03.05.2026  08:00 Uhr

Das richtige Device finden

Es gibt kein universell überlegenes Inhalationssystem. Die Devicewahl sollte individuell anhand mehrerer Patientenfaktoren erfolgen. Die wichtigsten sind inspiratorischer Spitzenfluss, manuelle Geschicklichkeit und Handkraft, außerdem Koordinationsvermögen sowie kognitive Fähigkeiten (Tabelle 1, S. 21).

Bei Trockenpulverinhalatoren ist der inspiratorische Spitzenfluss ein entscheidender Parameter. Ist er zu gering, wird das Pulver nicht ausreichend dispergiert, was die Wirkstofffreisetzung und die Deposition in der Lunge beeinträchtigen kann. Welche Flussrate erforderlich ist, hängt vom Devicewiderstand ab: Bei Hochwiderstandsgeräten können etwa 30 l/min ausreichen, bei Inhalatoren mit geringerem Widerstand sind häufig höhere Werte bis etwa 60 l/min erforderlich (11). Patienten mit schwerer COPD, akuter Exazerbation oder multimorbiden Erkrankungen erreichen diese Schwellenwerte möglicherweise nicht und kommen damit für bestimmte Pulverinhalatoren nicht infrage. Der PIF kann mit standardisierten Handgeräten gemessen werden; diese Methode sollte stärker in der Apothekenpraxis etabliert werden.

Handkraft und manuelle Geschicklichkeit sind vor allem für das Dosieraerosol, aber auch für einige Pulverinhalatoren relevant. Das Auslösen des Sprühstoßes oder die Perforation der Kapsel bei einem Pulverinhalator erfordert eine gewisse Fingermuskelkraft. Rheumatologische Erkrankungen, Morbus Parkinson oder fortgeschrittenes Alter können hier limitierend sein. Soft-Mist-Inhalatoren erfordern das Drehen eines Widerstands gegen einen Federmechanismus – auch das kann für manche Patienten schwierig sein.

Kognitive Fähigkeiten und Koordination bestimmen, ob ein Patient in der Lage ist, die Handlungsschritte korrekt und reproduzierbar auszuführen. Dosieraerosole sind für kognitiv eingeschränkte Patienten besonders fehleranfällig. Atemzug-getriggerte Systeme oder Pulverinhalatoren können hier eine bessere Option sein, sofern der PIF ausreichend ist. Grundregel für die Apothekenberatung: so wenige Devices wie möglich je Patient, und möglichst keinen Devicewechsel ohne zwingenden Grund. Ein bewährtes, gut beherrschtes Gerät ist einem theoretisch überlegenen, aber fehlerhaft angewendeten Gerät möglichst vorzuziehen.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Inhalatorumstellungen – etwa aus Gründen der Aut-idem-Substitution oder eines Rahmenvertragsaustauschs – mit einem signifikant erhöhten Risiko für Notfallvorstellungen sowie einem vermehrten Einsatz von Bedarfsmedikation und zusätzlichen Verschreibungen systemischer Steroide verbunden sein können (12). Ursachen sind in erster Linie Fehler bei der Anwendung des neuen Devices, fehlende Schulung und ein unzureichender inspiratorischer Fluss für das neue Gerät. Jeder Devicewechsel sollte daher von einer strukturierten Beratung begleitet werden.

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