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Inhalativa
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Kleine Fehler, große Folgen

Bis zu 90 Prozent der Patienten mit Asthma oder COPD wenden ihren Inhalator fehlerhaft an – mit messbaren Folgen für Lungenfunktion, Lebensqualität und Hospitalisierungsrate. Worauf kommt es bei den einzelnen Inhalatoren an und welchen Beitrag können strukturierte Schulungen im Apothekenalltag zum Therapieerfolg leisten?
AutorKontaktIna Richling
Datum 03.05.2026  08:00 Uhr

Pharmakologische Therapiekonzepte

In der modernen Asthmatherapie hat sich das Konzept (S)MART etabliert. Die Abkürzung steht für (Single) Maintenance And Reliever Therapy: Ein einziger Inhalator mit der Fixkombination aus einem inhalativen Corticosteroid (ICS) und dem schnellwirksamen Langzeit-Betamimetikum (LABA) Formoterol wird sowohl zur Dauertherapie als auch zur Bedarfstherapie eingesetzt. Dies kann die Komplexität einer Therapie reduzieren und die Adhärenz verbessern.

Das AIR-Prinzip der Global Initiative for Asthma (GINA), einer 1993 gegründeten internationalen Fachinitiative, beschreibt die alleinige Bedarfstherapie mit niedrig dosiertem ICS in Kombination mit einem rasch wirksamen Bronchodilatator wie zum Beispiel Formoterol: AIR steht hier für Anti-Inflammatory Reliever. Bei Symptomen wird nicht nur eine rasche Bronchodilatation erzielt, sondern gleichzeitig eine antientzündliche Therapie ermöglicht.

Die GINA empfiehlt diesen Ansatz für Erwachsene und Jugendliche, da er gegenüber einer reinen SABA-Bedarfstherapie das Exazerbationsrisiko senkt. Auch die Nationale Versorgungsleitlinie Asthma (AWMF-Registernummer: nvl-002) greift dieses Konzept für Erwachsene auf und empfiehlt niedrig dosiertes ICS in Kombination mit Formoterol zur Bedarfstherapie. In Deutschland ist die isolierte Bedarfstherapie mit ICS/LABA jedoch formal nicht durch eine eigenständige Zulassung abgedeckt; die Empfehlung ist aber leitliniengerecht. Leitlinienempfehlungen und arzneimittelrechtlicher Zulassungsstatus sind wie in diesem Fall also nicht immer deckungsgleich (2, 3).

Für die Beratung bedeutet das: Nicht jeder Patient erhält noch ein ausschließlich bronchodilatatorisch wirksames Bedarfsspray, etwa mit Salbutamol. Stattdessen kommen zunehmend Therapiekonzepte wie AIR und (S)MART zum Einsatz, bei denen eine Kombination aus ICS und LABA auch zur Bedarfstherapie verwendet wird.

Bei COPD hat sich die Kombination aus LABA und langwirksamen Anticholinergika (LAMA) als Therapiestandard etabliert, bevorzugt als Single-Inhaler-Therapie für eine bessere Adhärenz (1). ICS werden bei COPD nur gezielt eingesetzt, insbesondere bei erhöhtem Exazerbationsrisiko und einer Bluteosinophilenzahl über 300 Zellen pro Mikroliter oder bei gleichzeitig bestehendem Asthma. Zu bedenken ist dabei, dass ICS bei COPD das Pneumonierisiko erhöhen können und daher bei fehlender Asthmakomponente oder Eosinophilenzahlen unter 100 Zellen pro Mikroliter eher nicht eingesetzt werden sollen (1).

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