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Inhalativa
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Kleine Fehler, große Folgen

Bis zu 90 Prozent der Patienten mit Asthma oder COPD wenden ihren Inhalator fehlerhaft an – mit messbaren Folgen für Lungenfunktion, Lebensqualität und Hospitalisierungsrate. Worauf kommt es bei den einzelnen Inhalatoren an und welchen Beitrag können strukturierte Schulungen im Apothekenalltag zum Therapieerfolg leisten?
AutorKontaktIna Richling
Datum 03.05.2026  08:00 Uhr

Sicherheit und Verträglichkeit

Inhalative Arzneistoffe sind im Vergleich zu systemisch verabreichten generell gut verträglich. Dennoch sind einige unerwünschte Wirkungen relevant und sollten bei der Beratung angesprochen werden. Bei ICS sind Heiserkeit beziehungsweise eine raue Stimme (Dysphonie) und Mundsoor die häufigsten lokalen Nebenwirkungen. Beide entstehen durch Wirkstoffdeposition im Oropharynx und sind durch den Einsatz eines Spacers beim Dosieraerosol und Mundausspülen oder Essen nach der Inhalation vermeidbar.

Systemische Effekte der ICS sind bei korrekter Anwendung und niedrigen bis mittleren Dosen in der Regel gering. Bei einer Hochdosistherapie über längere Zeiträume kann es zu einem erhöhten Risiko für Osteopenie oder einer Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse kommen. Die Frage nach der weiteren Anwendung von Glucocorticoiden – auch in topischer Form wie Nasensprays oder Hautcremes – ist bei Polymedikation wichtig, da sich systemische Effekte addieren können.

Systemische Glucocorticoide zur Behandlung von Exazerbationen sind hocheffektiv, aber bereits bei kurzer Anwendung von drei bis sieben Tagen mit einem signifikant erhöhten Risiko für Osteoporose, Frakturen, kardiovaskuläre Ereignisse und Pneumonien assoziiert (13). Umso wichtiger ist es, Exazerbationen durch eine wirksame Basistherapie und eine korrekte Inhalationstechnik möglichst zu vermeiden. Jede verhinderte Exazerbation kann dazu beitragen, eine systemische Steroidtherapie zu vermeiden.

β2-Sympathomimetika können in höherer Dosierung Tachykardie, Tremor und Hypokaliämie verursachen. Die Hypokaliämie ist besonders relevant in Kombination mit Schleifen- oder Thiaziddiuretika oder bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen. Ein zunehmender SABA-Verbrauch als Bedarfsmedikation gilt als kritisches Warnsignal und ist mit einem erhöhten Exazerbationsrisiko sowie einer gesteigerten Mortalität assoziiert. Überschreitet ein Asthmapatient mehr als zwei bis drei Packungen Salbutamol pro Jahr, gilt dies laut GINA als Zeichen für unzureichend kontrolliertes Asthma und sollte Anlass zur ärztlichen Rücksprache geben (2).

Anticholinerge Substanzen wie Tiotropium, Glycopyrronium und Umeclidinium können in seltenen Fällen zu einem trockenen Mund führen – umso wichtiger ist die korrekte Inhalationstechnik.

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