| Daniela Hüttemann |
| 30.04.2026 18:00 Uhr |
Der häufigste Bruch ist die Radiusfraktur, also ein Speichenbruch, meist am distalen Ende (handgelenksnah). / © Getty Images/Halfpoint Images
»Wenn wir über Osteoporose reden, reden wir in erster Linie über Knochenbruch« – das konstatierte der Endokrinologe Professor Dr. Hans-Christof Schober kürzlich beim Fortbildungskongress der Apothekerkammer Schleswig-Holstein in Neumünster. Viele Betroffene erhielten die Diagnose Osteoporose erst nach einem Bruch. Besonders häufig seien Radiusfrakturen (Speichenbruch des Unterarms), meist am handgelenksnahen Ende des Knochens.
Wenn dies mit Mitte 50 passiert, sollte man genauer hinschauen. Mit steigendem Alter nehmen die Frakturen von Oberschenkelhals, Wirbeln und der Hüfte zu, die häufig in die Pflegebedürftigkeit führen. Mitunter bricht ein Wirbel dann sogar ohne traumatische Einwirkung, 70 Prozent der Frakturen sind jedoch sturzbedingt. Hier bat der Arzt die Apothekerinnen und Apotheker, bei älteren Patienten immer auf Medikamente zu achten, die das Sturzrisiko erhöhen, zu allererst auf sedierende Arzneimittel.
»Wir sprechen von 885.000 Frakturen pro Jahr in Deutschland und 6,3 Millionen Osteoporose-Betroffenen«, verdeutlichte Schober, der mittlerweile niedergelassen in einer orthopädischen Praxis arbeitet. »Jede dritte Frau über 70 erleidet einen osteoporotischen Knochenbruch – dagegen könnte man etwas tun.«
Eine gesunde, protein- und calciumreiche Ernährung, aber auch Bewegung und vor allem Kraft- und Gleichgewichtstraining sind essenziell. »Knochen brechen nicht nur, weil sie »morsch« werden, sondern auch, weil die Muskelkraft fehlt.« Bewegung gebe Wachstumsanreize, damit sich der Knochen erneuert.
75 Prozent der Betroffenen bleiben laut Schober jedoch unbehandelt. Er sprach von jährlich 37 Milliarden Euro Behandlungskosten aufgrund von Osteoporose, davon 66 Prozent für die Behandlung der Frakturen, 29 Prozent für Nachsorge und Pflege der Knochenbrüche – und nur 5 Prozent für Arzneimittel zur Prävention und Therapie.
Zur Basistherapie gehören Vitamin D (800 bis 1000 IE am Tag) und Calcium (1000 mg am Tag, bevorzugt über die Ernährung). Osteoporose-Medikamente lassen sich im Prinzip in zwei große Obergruppen einteilen: Osteoanabole Wirkstoffe helfen, Knochensubstanz wieder aufzubauen; antiresorptive Therapien bremsen den Knochenabbau.
Knochen werden unbemerkt ständig im Inneren umgebaut. Alle zehn Jahre wird das Skelett komplett erneuert. Überwiegt jedoch der Abbau, kommt es zur Osteoporose. Ab einem Alter von 50 Jahren kommt es zu etwa 0,5 bis 1 Prozent Knochenverlust pro Jahr. / © Adobe Stock /crevis
Als osteoanabole Wirkstoffe stehen das Parathormon-Analogon Teriparatid (Forsteo® und Generika), seit 2024 das halb Parathormon-, halb Parathormon-related Protein-analoge Abaloparatid (Eladynos®) und seit 2020 der Sclerostin-Antikörper Romosozumab (Evenity®) zur Verfügung.
Zu den antiresorptiven Wirkstoffen gehören die Bisphosphonate wie Alendronat, der RANK-Ligand-Antikörper Denosumab (Prolia® und Generika) und der selektive Estrogenrezeptor-Modulator (SERM) Raloxifen.