| Daniela Hüttemann |
| 30.04.2026 18:00 Uhr |
Gemäß aktueller Leitlinie wird anhand von Risikofaktoren das Drei-Jahres-Frakturrisiko eingeschätzt und eingestuft. Liegt es bei 5 bis 10 Prozent, sollte medikamentös behandelt werden. Erste Wahl sind Bisphosphonate. Ab 10 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Bruch ist das Risiko sehr hoch und man kann mit den teuren osteoanabolen Medikamenten beginnen.
Teriparatid und Abaloparatid werden täglich subkutan injiziert und dürfen nur maximal 24 Monate im Leben angewendet werden. Romosozumab wird einmal monatlich subkutan injiziert für maximal zwölf Monate. Die maximale Anwendungsdauer hat damit zu tun, dass dann die Wirkung nachlässt.
Teriparatid wirke nur, wenn man die Knochen auch belastet, sich also bewegt. Romosozumab wirke auch so und sei damit besonders für immobile Patientinnen geeignet, erläuterte Schober.
Im Anschluss an eine anabole Therapie muss immer ein antiresorptives Medikament angewendet werden, damit die neu aufgebaute Knochensubstanz nicht zu schnell wieder abgebaut wird. Möglich ist auch eine Sequenztherapie, bei der ein Anabolikum mit einem Antiresorptivum abwechselnd gegeben wird. Wenn möglich, sollte man zuerst anabol arbeiten, da sich Bisphosphonate bis zu 30 Jahre im Knochen einlagern. »Das drückt auf die Bremse beim Knochenumbau«, so der Referent.
»Bisphosphonate muss man lang genug geben für einen schützenden Effekt«, erläuterte Schober – bei einer Wirbelkörperfraktur mindestens ein Jahr, bei einer Hüftfraktur sogar mindestens zwei Jahre. Aus Studien weiß man jedoch, dass die Adhärenz jedoch nach einem Jahr sehr niedrig ist: Bei täglicher oraler Einnahme liegt sie dann nur noch bei 10 Prozent, bei einmal wöchentlicher Einnahme bei 30 Prozent. Hier könne Zoledronsäure, die nur einmal jährlich infundiert werden muss, ein Alternative bieten.
»Primärprävention wäre das Beste«, meinte Schober. Je nach Alter und Risikokonstellation könne eine Hormonersatztherapie während der Wechseljahre sinnvoll sein. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr habe gezeigt, dass sich mit einer mehrfachen Zoledronat-Infusion alle 12 bis 18 Monate bei Frauen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren Wirbelfrakturen verhindern ließen (NEJM, DOI: 10.1056/NEJMoa24070). Die relative Risikoreduktion betrug hier 44 Prozent. Nach der Infusion komme es sehr häufig zu Fieber und Gliederschmerzen – doch das sei ein gutes Zeichen, so Schober. »Wer das hat, hat später noch weniger Frakturen.«