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ARZNEISTOFFE

Teriparatid|Forsteo®|68|2003

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STOFFGRUPPE
68 Osteoporosemittel/Calcium-/Knochenstoffwechselregulatoren
WIRKSTOFF
Teriparatid
FERTIGARZNEIMITTEL
Forsteo®
HERSTELLER

Lilly

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2003
DARREICHUNGSFORM

20 µg/80 µl Injektionslösung in einem vorgefüllten Injektor

Indikationen

Forsteo ist zugelassen zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern mit hohem Frakturrisiko.

 

Bei postmenopausalen Frauen wurde eine signifikante Verringerung der Inzidenz von vertebralen (die Wirbelsäule betreffende) und extravertebralen Frakturen nachgewiesen, jedoch nicht von Hüftfrakturen.

 

Forsteo ist außerdem zugelassen zur Behandlung von Frauen und Männern, die aufgrund einer systemischen Langzeit-Glucocorticoid-Therapie eine Osteoporose mit hohem Frakturrisiko entwickelt haben.

Wirkmechanismus

Mit Teriparatid (rhPTH 1-34) steht eine Osteoporose-Therapie zur Verfügung, die zu einer Vermehrung von Knochensubstanz führt und verloren gegangene Mikrostrukturen wiederherstellen kann. Es kommt unter der Therapie mit Teriparatid zu einer Vermehrung der Knochensubstanz und einer Wiederherstellung der Mikrostrukturen, wobei das Verhältnis von Kollagen zu Mineral in den neu gebildeten Knochen normal ist.

 

Teriparatid wirkt – im Gegensatz zu den antiresorptiv wirkenden Bisphosphonaten – osteoanabol.

 

Teriparatid ist die verkürzte, rekombinante Form des humanen Parathormons, das physiologisch aus der Nebenschilddrüse freigesetzt wird und 84 Aminosäuren umfasst. Offensichtlich ist das Pharmakophor die Sequenz 1 bis 34, die mit Teriparatid als Therapeutikum angeboten wird. Zusammen mit Calcitonin und Vitamin D reguliert das Parathormon den Calciumspiegel des Körpers: Nimmt die Calciumkonzentration im Blut ab, wird die Sekretion des Parathormons gesteigert. Ziel ist es, den Serumcalciumspiegel selbst bei calciumarmer Ernährung aufrecht und stabil zu halten. Dabei steigert Parathormon in der Niere die Calciumrückresorption aus dem Primärharn. Außerdem fördert es die Bildung von Calcitriol, der aktiven Form des Vitamin D, das die Calciumaufnahme aus dem Darm fördert. Außerdem kommt es im Knochen über die Aktivierung der Osteoklasten zu einer erhöhten Knochenresorption und damit zu einer gesteigerten Calciumfreisetzung. Neben dieser katabolen Funktion hat Parathormon und damit auch Teriparatid zudem eine osteoanabole Wirkung. Es stimuliert die Proliferation und Differenzierung der Osteoblasten.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosierung ist einmal täglich 20 μg Teriparatid. Es wird subkutan in den Oberschenkel oder in den Unterleib injiziert.

 

Die Therapiedauer sollte 24 Monate nicht überschreiten. Sie sollte zudem bei dem Patienten nicht wiederholt werden. Die Osteoporose-Behandlung kann aber durch eine andere Therapie fortgeführt werden.

 

Falls der Patient über die Nahrung nicht genügend Calcium und Vitamin D zuführen kann, sollten sie entsprechende Präparate zur Ergänzung erhalten.

Wichtige Wechselwirkungen

Eine Hypercalcämie kann möglicherweise die Prädisposition der Patienten für eine Digitalis-Toxizität erhöhen. Teriparatid darf daher bei Patienten, die Digitalis einnehmen, nur mit Vorsicht eingesetzt werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in Studien zu Teriparatid waren Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Schwindel.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

In folgenden Fällen ist Teriparatid kontraindiziert:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • vorbestehende Hypercalcämie
  • schwere Niereninsuffizienz
  • metabolische Knochenkrankheiten wie Morbus Paget oder Hyperparathyreoidismus (Ausnahmen: primäre Osteoporose, Glucocorticoid-induzierte Osteoporose)
  • ungeklärte Erhöhung der alkalischen Phosphatase
  • vorausgegangene Strahlentherapie mit externer Strahlenquelle oder implantierter Strahlenquelle, bei der das Skelett im Strahlenfeld lag
  • Patienten mit malignen Skeletterkrankungen oder Knochenmetastasen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In einer randomisierten Doppelblindstudie mit 1637 Frauen mit einer postmenopausalen, fortgeschrittenen Osteoporose zeigte die Teriparatid-Behandlung, dass das Trabekelvolumen gegenüber Placebo um 60 Prozent zunahm und die Häufigkeit mittelschwerer und schwerer Wirbelkörperfrakturen um 90 Prozent abnahm.

 

In einem zweijährigen Tierversuch an Ratten wurden in dosisabhängiger Häufigkeit Osteosarkome und andere Knochentumore beobachtet. In einer zweiten Studie ließ sich bei Jungtieren keine Schwellendosis bestimmen, während ausgewachsene Ratten nur unter der 20-fachen therapeutischen Konzentration, nicht aber unter der dreifachen therapeutischen Konzentration, Tumore entwickelten. In den durchgeführten klinischen Studien über 17 bis 18 Monate wurden bisher keine Osteosarkome beobachtet.

Besonderheiten

Forsteo ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern. Der Injektor muss nach dem Gebrauch sofort wieder in den Kühlschrank zurückgelegt werden. Das Arzneimittel darf nicht einfrieren.

Der Injektor darf nicht mit aufgesetzter Nadel gelagert werden.

Forsteo ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

teriparatid.wrl

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist Teriparatid kontraindiziert.

Letzte Aktualisierung: 19.01.2017