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ARZNEISTOFFE

Burosumab|Crysvita®|68|2018

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STOFFGRUPPE
68 Osteoporosemittel/Calcium-/Knochenstoffwechselregulatoren
WIRKSTOFF
Burosumab
FERTIGARZNEIMITTEL
Crysvita®
HERSTELLER

Kyowa Kirin

MARKTEINFÜHRUNG (D)
04/2018
DARREICHUNGSFORM

10 mg Injektionslösung

20 mg Injektionslösung

30 mg Injektionslösung

Indikationen

Crysvita ist zugelassen zur Behandlung von Kindern ab einem Jahr und Jugendlichen in der Skelettwachstumsphase mit X-chromosomaler Hypophosphatämie (XLH) und röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung.

Wirkmechanismus

Der monoklonale Antikörper Burosumab blockiert spezifisch den bei Kindern mit X-chromosomaler Hypophosphatämie (XLH) im Übermaß gebildeten Fibroblasten-Wachstumsfaktor FGF23, was zu einer Erhöhung der Serum-Phosphatwerte führt.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis beträgt zu Beginn der Behandlung einmal 0,4 mg Burosumab pro kg Körpergewicht und danach 0,8 mg/kg alle zwei Wochen. Die Dosis wird entsprechend den Phosphatspiegeln im Blut des Patienten angepasst. Die Höchstdosis beträgt 90 mg alle zwei Wochen.

 

Crysvita wird unter die Haut gespritzt. Als Applikationsstellen können Arm, Bauch, Gesäß oder Oberschenkel dienen.

 

Hat der Patient eine Dosis versäumt, sollte er sie so bald wie möglich mit der zuvor verschriebenen Dosis nachholen.

 

Nach Einleitung der Behandlung soll der Nüchtern-Serumphosphatwert im ersten Behandlungsmonat alle zwei Wochen gemessen werden, in den darauf folgenden zwei Monaten alle vier Wochen und anschließend nach Bedarf.

 

Bei XLH-Patienten, die mit oralen Phosphatpräparaten und Vitamin-D-Derivaten behandelt wurden, hat man das Auftreten von Nephrocalcinosen beobachtet. Darunter versteht man die Ablagerung von Calcium-Salzen in den Nierengefäßen und dem Bindegewebe der Nieren. Daher wird empfohlen, zu Behandlungsbeginn sowie während der ersten zwölf Behandlungsmonate alle sechs Monate eine Nieren-Ultrasonographie zu machen. Des Weiteren muss wegen des Risikos einer Hyperphosphatämie der Nüchtern-Serumphosphatwert überwacht werden. Da bei manchen XLH-Patienten während der Burosumab-Behandlung ein Anstieg des Parathormons im Serum beobachtet wurde, wird dazu geraten, den Serumparathormon-Wert in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

Wichtige Wechselwirkungen

Burosumab darf nicht gleichzeitig mit oralen Phosphatpräparaten und Vitamin-D-Derivaten angewendet werden. Entsprechende Präparate müssen eine Woche vor Behandlungsbeginn abgesetzt werden.

 

Vorsicht ist geboten bei der Kombination von Burosumab mit calcimimetischen Arzneimitteln, da dies eine Hypocalcämie potenziell verstärken kann.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen in Studien zu Burosumab waren Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten, Ausschlag, Zahnschmerzen und -abszesse, Muskelschmerzen und Schwindelgefühl.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Burosumab darf nicht gleichzeitig mit oralen Phosphatpräparaten und Vitamin-D-Derivaten angewendet werden. Entsprechende Präparate müssen eine Woche vor Behandlungsbeginn abgesetzt werden. Zudem darf Crysvita nicht bei Patienten mit hohen Phosphatspiegeln im Blut oder bei Patienten mit schwerer Nierenerkrankung eingesetzt werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Burosumab basiert auf zwei Phase-II-Studien (UX023-CL201 und UX023-CL205). An der Hauptstudie nahmen 53 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren teil. Sie erhielten 64 Wochen lang entweder Burosumab alle zwei oder alle vier Wochen. Hauptindikator der Wirksamkeit war die Senkung des Schweregrades der Rachitis in Handgelenk und Knie. Unter Burosumab nahm in beiden Gruppen verglichen mit den Anfangswerten der Schweregrad der Rachitis signifikant ab (alle zwei Wochen -1, alle vier Wochen -0,84). Zudem erhöhten sich signifikant die Serum-Phosphat-Level und die Phosphat-Reabsorption aus der Niere. Ähnliche Ergebnisse erzielte die zweite Studie mit 13 Kindern im Alter von eins bis vier Jahren. Der Ausschuss für Humanarzneimittel CHMP der Europäischen Arzneimittelagentur sieht es daher als gerechtfertigt an, die Erkenntnisse der Altersgruppe 5 bis 14 Jahre auf die Altersgruppe 1 bis 4 Jahre zu extrapolieren. Der Ausschuss hat es dem Hersteller zur Auflage gemacht, drei noch laufende Studien zu komplettieren. Die Ergebnisse werden für das Jahr 2020 erwartet.

Hintergrundinfos

Kennzeichen der Erbkrankheit XLH sind niedrige Phosphatspiegel im Blut. Der Mineralstoff ist wichtig für den Aufbau von Knochen und Zähnen sowie für die Aufrechterhaltung von deren Festigkeit. Daher können betroffene Patienten Rachitis und andere Deformationen der Knochen sowie Wachstumsprobleme entwickeln.

 

Ursache der XLH ist der im Übermaß gebildete Fibroblasten-Wachstumsfaktor FGF23, wodurch verstärkt Phosphat über die Nieren ausgeschieden wird und keine physiologischen Serum-Phosphatwerte aufrechterhalten werden können. Das führt zu einer lebenslangen Beeinträchtigung des Knochenstoffwechsels und der Gesundheit des Knochenapparats.

Besonderheiten

Crysvita ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius zu lagern.

Crysvita ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Die Anwendung von Burosumab während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Bei stillenden Frauen ist zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Antikörper-Behandlung verzichtet werden soll.

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Sprunginnovation

Letzte Aktualisierung: 21.01.2019