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ARZNEISTOFFE

Parathyroidhormon|Natpar®|68|2017

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STOFFGRUPPE
68 Osteoporosemittel/Calcium-/Knochenstoffwechselregulatoren
WIRKSTOFF
Parathyroidhormon
FERTIGARZNEIMITTEL
Natpar®
HERSTELLER

Shire

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2017
DARREICHUNGSFORM

25 µg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

50 µg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

75 µg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

100 µg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung

Indikationen

Natpar ist zugelassen als Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit chronischem, nicht hinreichend kontrolliertem Hypoparathyreoidismus.

Wirkmechanismus

Das auch als Parathormon bezeichnete Parathyroidhormon (PTH) wird im Körper von den Nebenschilddrüsen freigesetzt und spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung der Calcium- und Phosphat-Serumspiegel, bei der Aktivierung von Vitamin D und der Aufrechterhaltung eines normalen Knochenumsatzes.

 

Natpar wird in Escherichia coli hergestellt und hat die identische, 84 Aminosäuren lange Aminosäuresequenz wie endogenes PTH. Eine um 50 Aminosäuren verkürzte Form des PTH wird ebenfalls therapeutisch eingesetzt: Teriparatid (Forsteo®) ist zugelassen zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern mit hohem Frakturrisiko.

Anwendungsweise und -hinweise

Vor dem Start einer Therapie mit Natpar muss sichergestellt sein, dass die 25-OH-Vitamin-D-Speicher hinreichend gefüllt sind und der Serum-Magnesiumspiegel im Referenzbereich liegt.

 

Natpar wird einmal täglich als subkutane Injektion in den Oberschenkel verabreicht. Nach einer Schulung können die Patienten das selbst übernehmen. Die Anfangsdosis beträgt üblicherweise 50 µg und kann zu Therapiebeginn alle zwei bis vier Wochen in 25-µg-Schritten auf die individuelle Zieldosis – maximal 100 µg täglich – titriert werden. Der Bedarf an Natpar orientiert sich dabei am Serum-Calciumspiegel, der häufig zu messen ist. Calcium-Supplemente und Vitamin-D-Präparate müssen gegebenenfalls in ihren Dosierungen angepasst werden.

 

Beim abrupten Absetzen von Natpar kann es zu einer schweren Hypocalciämie kommen. Diese Gefahr besteht auch schon, wenn einmal eine Dosis versehentlich ausgelassen wird. Vergessene Dosen des Arzneimittels sollen daher so schnell wie möglich nachgeholt werden. Wird die Therapie vorübergehend oder dauerhaft unterbrochen, muss der Calciumspiegel überwacht und bei Bedarf die Zufuhr von Calcium und/oder Vitamin D angepasst werden.

 

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung sowie bei Patienten mit bestehender oder kürzlich abgeklungener Urolithiasis.

Wichtige Wechselwirkungen

An möglichen Wechselwirkungen von Natpar mit anderen Arzneimitteln sind insbesondere solche mit Herzglykosiden und Bisphosphonaten zu nennen. Eine durch die Natpar-Therapie ausgelöste Hypercalciämie kann eine Prädisposition für Digitalis-Toxizität hervorrufen, weshalb bei Patienten, die Herzglykoside einnehmen, sowohl die Calcium- als auch die Herzglykosid-Spiegel besonders streng zu überwachen sind.

 

Die gleichzeitige Anwendung von Bisphosphonaten und Natpar wird nicht empfohlen.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen unter der Therapie mit Parathyroidhormon waren Entgleisungen des Calciumspiegels, die häufig während der Titrationsphase beobachtet wurden. Die Hyper- oder Hypocalciämen äußerten sich unter anderem in Kopfschmerzen, Diarrhö, Erbrechen und Parästhesien.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Patienten mit einer Strahlentherapie des Skeletts, malignen Skeletterkrankungen oder Knochenmetastasen darf Parathyroidhormon nicht angewendet werden. Das gilt auch bei einem bei Therapiebeginn erhöhten Risiko für Osteosarkome, unklarer Erhöhung der knochenspezifischen alkalischen Phosphatase und bei Pseudohypoparathyreoidismus.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ausschlaggebend für die Zulassung von Natpar waren die randomisierte, doppelblinde Studie REPLACE mit 124 Teilnehmern sowie die offene Langzeit-Verlängerungsstudie RACE, die 49 Teilnehmer einschloss. In REPLACE erhielten die Patienten zusätzlich zu ihrer üblichen Medikation aus Calcium und Vitamin D über 24 Wochen entweder Natpar oder Placebo. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt setzte sich zusammen aus einer Dosisreduktion von Vitamin D und Calcium um jeweils mindestens 50 Prozent im Vergleich zu vor der Therapie bei unverändertem Serum-Calciumwert. Er wurde im Natpar-Arm von 54,8 Prozent der Patienten erreicht, im Placeboarm dagegen nur von 2,5 Prozent. Die RACE-Studie zeigte, dass die Wirkung auf den Serum-Calciumspiegel über 36 Monate aufrechterhalten bleibt.

Hintergrundinfos

Als Mittel gegen Osteoporose war rekombinantes Parathyroidhormon unter dem Handelsnamen Preotact® bereits zwischen 2006 und 2012 in Deutschland im Handel.

Besonderheiten

Natpar ist im Umkarton bei Temperaturen von 2 bis 8 °C (Kühlschrank) zu lagern.

Nach der Rekonstitution kann die Lösung für maximal 14 Tage im Kühlschrank und während des 14-tägigen Verwendungszeitraums für maximal drei Tage bei Raumtemperatur unter 25 °C gelagert werden. Um eine Denaturierung des Wirkstoffs zu vermeiden, darf die Lösung während und nach der Rekonstitution nicht geschüttelt werden.

Natpar ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Ob eine Anwendung von Natpar während Schwangerschaft und Stillzeit erfolgen kann, ist im Einzelfall unter Berücksichtigung von Risiken und Nutzen der Therapie zu entscheiden.

Packshot

Vorläufige Bewertung

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Letzte Aktualisierung: 17.05.2019