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ARZNEISTOFFE

Etelcalcetid|Parsabiv®|68|2017

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STOFFGRUPPE
68 Osteoporosemittel/Calcium-/Knochenstoffwechselregulatoren
WIRKSTOFF
Etelcalcetid
FERTIGARZNEIMITTEL
Parsabiv®
HERSTELLER

Amgen

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2017
DARREICHUNGSFORM

2,5 mg Injektionslösung

5 mg Injektionslösung

10 mg Injektionslösung

Indikationen

Parsabiv ist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit sekundärem Hyperparathyreoidismus (sHPT) infolge einer chronischen Nierenerkrankung bestimmt, die sich einer Hämodialysetherapie unterziehen.

Wirkmechanismus

Etelcalcetid ist ein Calcimimetikum. Der Calciumspiegel im Blut wird durch die beiden Gegenspieler Parathormon und Calcitriol reguliert: Während das in den Nebenschilddrüsen produzierte Parathormon (PTH) den Calcium-Spiegel über einen vermehrten Knochenabbau erhöht, sorgt Calcitriol als physiologisch aktive Form des Vitamin D für den verstärkten Einbau von Calcium in den Knochen und somit dafür, dass Calcium aus dem Blut verschwindet. Regulator in diesem Wechselspiel ist der Calcium-Blutspiegel, den die Nebenschilddrüse über den calciumsensitiven Rezeptor erfasst. Er ist der Angriffspunkt der Calcimimetika, die bei einer Überproduktion der Nebenschilddrüse gegeben werden, um PTH zu drosseln.

Anwendungsweise und -hinweise

Parsabiv wird am Ende der Hämodialysebehandlung über den venösen Zugang des Dialysekreislaufes während des Rückflusses oder intravenös nach dem Rückfluss angewendet.

 

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 5 mg Etelcalcetid dreimal pro Woche als Bolusinjektion. Es sollte dann so titriert werden, dass die Dosen individuell zwischen 2,5 mg und 15 mg eingestellt sind. Um den angestrebten Zielwert des Parathormons (PTH) zu erreichen, kann die Dosis in Schritten von 2,5 mg oder 5 mg bis zu einer Maximaldosis von 15 mg dreimal pro Woche erhöht werden. Dies sollte jedoch nicht öfter als alle vier Wochen vorgenommen werden.

 

Wird ein Patient von Mimpara auf Parsabiv umgestellt, sollten zwischen der Einnahme der letzten Tablette und der ersten Injektion mindestens sieben Tage verstreichen.

Wichtige Wechselwirkungen

In vitro hat Etelcalcetid CYP-Enzyme nicht inhibiert oder induziert und wurde nicht durch sie metabolisiert. Es war außerdem weder Inhibitor noch Substrat von Transportproteinen für Abfluss und Aufnahme.

Nebenwirkungen

Erniedrigtes Serum-Calcium war mit 68,9 Prozent unter Etelcalcetid und 59,8 Prozent unter Cinacalcet die häufigste Nebenwirkung. Andere unerwünschte Wirkungen wie Muskelkrämpfe, Durchfall sowie Übelkeit und Erbrechen traten in beiden Gruppen mit vergleichbarer Häufigkeit auf.

 

Mögliche Symptome einer Hypocalciämie sind Missempfindungen, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe und Krampfanfälle. Die Patienten sollten hierüber Bescheid wissen und bei Verdacht auf einen zu niedrigen Calcium-Spiegel ihren Arzt aufsuchen. Auch eine Verlängerung des QT-Intervalls und daraus resultierende Arrhythmien sowie die Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz sind möglich, weshalb Patienten mit entsprechendem Risiko eng überwacht werden sollen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht eingeleitet werden sollte die Behandlung mit Parsabiv, wenn das korrigierte Serumcalcium unter der unteren Grenze des Normbereiches liegt.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Ausschlaggebend für die Zulassung von Parsabiv waren zwei sechsmonatige, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studien mit insgesamt 1023 dialysepflichtigen sHPT-Patienten. Sie wurden 26 Wochen lang dreimal wöchentlich nach der Hämodialyse mit Etelcalcetid oder Placebo behandelt, wobei die Etelcalcetid-Dosis auf Basis der gemessenen PTH-Werte alle vier Wochen angepasst wurde. Die Phase, in der die Wirksamkeit bewertet wurde, waren die Behandlungswochen 20 bis 27. Etelcalcetid war Placebo in beiden Studien signifikant überlegen: 188 Patienten (74 Prozent) in Studie 1 und 192 Patienten in Studie 2 (75,3 Prozent) erreichten eine mehr als 30-prozentige PTH-Senkung im Vergleich zum Ausgangswert; in den Placebogruppen war das lediglich bei 21 (8,3 Prozent) beziehungsweise 25 Patienten (9,6 Prozent) der Fall. Signifikante Vorteile ergaben sich auch bei den Veränderungen des Calcium-Werts, des Phosphatwerts und des Calcium-Phosphat-Produkts. Interessanter und praxisrelevanter als dieser – von den Zulassungsbehörden geforderte – Vergleich mit Placebo sind die Ergebnisse einer Head-to-Head-Studie mit Cinacalcet als aktiver Kontrolle. Sie lief über sechs Monate, schloss 683 Patienten ein und sollte die Nicht-Unterlegenheit von Etelcalcetid zeigen. Dieses Ziel wurde übererfüllt: Unter Parsabiv erreichten 68,2 Prozent der Patienten eine mehr als 30-prozentige PTH-Senkung, unter Mimpara 57,7 Prozent.

Hintergrundinfos

Bislang war Cinacalcet (Mimpara®) von Amgen das einzige Calcimimetikum auf dem Markt. Es wird in Form von Filmtabletten gegeben, die die Patienten einmal täglich einnehmen müssen. Etelcalcetid (Parsabiv) kommt dagegen als Injektionslösung in den Handel, die dreimal wöchentlich als Bolusinjektion verabreicht wird. Bei Dialysepatienten bietet die intravenöse Gabe möglicherweise einen Vorteil gegenüber der oralen. So haben Dialysepatienten eine hohe Tablettenlast, was in vielen Fällen früher oder später zu Adhärenzproblemen führt. Da die Patienten bei der Dialyse ohnehin dreimal pro Woche punktiert werden, bietet sich eine intravenöse Gabe an.

Besonderheiten

Parsabiv ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern. Nach der Entnahme aus dem Kühlschrank beträgt die Haltbarkeit bei fortgesetzter Lagerung im Umkarton höchstens sieben Tage, ohne Lichtschutz durch den Umkarton höchstens vier Stunden. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass die Durchstechflaschen nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden.

Parsabiv ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft sollte Etelcalcetid sicherheitshalber nicht angewendet werden.

In der Stillzeit muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Etelcalcetid unterbrochen werden soll.

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Letzte Aktualisierung: 29.03.2019