| Johanna Hauser |
| 11.09.2026 14:30 Uhr |
Schneiden statt stechen: Dank einer ausgeklügelten Taktik kann die Tsetse-Fliege verschiedenste Wirte nutzen. / © Getty Images/Oxford Scientific
Die Schlafkrankheit beim Menschen, bei Tieren die Tiertrypanosomose (Nagana) – Tsetse-Fliegen übertragen im tropischen Afrika gleich mehrere Arten von Trypanosomen. Mit weitreichenden Folgen für Mensch und Tier. Doch die sechs bis 14 Millimeter große Fliege befällt auch Elefanten, Nashörner, Nilpferde und Reptilien wie Schildkröten und Warane. Wie es ihr gelingt, die Haut der Dickhäuter oder die Schuppen von Waranen zu durchdringen, stellte sich ein Forscherteam. Es untersuchte sowohl den Aufbau der Mundwerkzeuge als auch die beim Stechen wirkenden Kräfte. Die Ergebnisse, die als Preprint in »eLife Sciences« publiziert sind, zeigen, wie taktisch die Fliege vorgeht.
Hat die Tsetse-Fliege ihre nächste Mahlzeit auserkoren, sucht sie gezielt nach weicheren Hautstellen, bei Waranen beispielsweise zwischen den Schuppen. Durch die kräftigen Klauen hat sie einen sicheren Halt an hervorstehenden Strukturen wie Haaren. Die flexiblen Fußpolster gewährleisten eine gute Haftung auf relativ glatten Oberflächen. So kann sie Abschüttelversuchen widerstehen und ihre Blutmahlzeit beenden.
Der Stechvorgang ist bei allen Wirten gleich: Die Spitze des Saugrüssels ist mit winzigen Zähnchen gespickt. Um an Blut zu gelangen, bewegt die Fliege ihre Mundwerkzeuge vor und zurück – eine sägende Bewegung. So wird das Gewebe quasi zerschnitten. Dabei nutzt das Insekt selbst bei unterschiedlichen Hauttypen ähnlich starke Kräfte. Dieses Verhalten ermöglicht es ihm, ein breites Spektrum an Wirten als Nahrungsquelle zu nutzen.
Den Forschenden zufolge schafft diese Vielseitigkeit ein besseres Verständnis dafür, wie die effektive Übertragung von Parasiten zwischen Wildtieren, Nutztieren und Menschen geschieht. Dieses Wissen könnte langfristig helfen, neue Ansätze zur Kontrolle der Krankheitsübertragung zu entwickeln.