| Laura Rudolph |
| 14.04.2026 07:00 Uhr |
PCSK9‑Hemmer kommen meist zum Einsatz, wenn eine Statintherapie nicht ausreicht oder nicht möglich ist. Studiendaten deuten darauf hin, dass Evolocumab bei Diabetes auch frühzeitig in der Primärprävention genutzt werden könnte. / © Adobe Stock/angellodeco
In einer multizentrischen Studie hat ein Team um Dr. Nicholas A. Marston vom Heart and Vascular Institute des Brigham and Women’s Hospital in Boston untersucht, ob der PCSK9-Hemmer Evolocumab als Ergänzung zu einer Statintherapie bei Diabetespatienten ohne bekannte Herzerkrankung oder Atherosklerose das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse stärker senkt als Placebo. Die Ergebnisse sind kürzlich im Fachjournal »JAMA« erschienen. Sie sprechen aus Sicht der Autoren für einen breiteren Einsatz von Evolocumab in der Primärprävention bei der untersuchten Risikopopulation.
Eingeschlossen wurden 3655 Diabetespatienten aus 774 Zentren in 33 Ländern mit einem LDL-Cholesterol-Wert von ≥ 90 mg/dL, bislang ohne atherosklerotische Gefäßveränderungen und ohne kardiovaskuläre Ereignisse in der Vorgeschichte (Durchschnittsalter: 65 Jahre, Frauenanteil 57 Prozent). Zusätzlich mussten sie mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllen: Diabetesdauer von mindestens zehn Jahren, tägliche Insulinanwendung oder mikrovaskuläre Komplikationen.
Zusätzlich zur Statintherapie in jeweils maximal verträglicher Dosis erhielten 1849 Teilnehmende alle zwei Wochen 140 mg Evolocumab subkutan, 1806 ein Placebo. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 4,8 Jahren erfassten die Forschenden die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse sowie die Sterblichkeit in beiden Gruppen.
Evolocumab senkte den kombinierten Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulär bedingtem Tod (3‑Punkt‑MACE) gegenüber Placebo um 2,1 Prozentpunkte (5-Jahres-Risiko: 5,0 versus 7,1 Prozent). Zudem traten in der Verumgruppe weniger 4‑Punkt‑MACE‑Ereignisse auf, bei denen zusätzlich eine Revaskularisierung der Koronararterien erforderlich war, etwa durch Stentimplantation oder Bypass‑Operation (7,6 versus 10,5 Prozent). Im Vergleich zu Placebo reduzierte der PCSK9‑Hemmer außerdem die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 32 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 24 Prozent.
Nach 48 Wochen lagen die LDL‑Cholesterolwerte in der Evolocumab‑Gruppe im Mittel bei 52 mg/dL. In der Placebogruppe betrugen sie durchschnittlich 111 mg/dL.
»Diese Daten belegen den Nutzen einer frühzeitigen Intensivierung der lipidsenkenden Therapie mit dem PCSK9-Hemmer Evolocumab bei einer Hochrisikopopulation ohne bekannte signifikante Atherosklerose und mit Diabetes«, schlussfolgern die Autoren. Aus ihrer Sicht unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer konsequenten LDL‑Cholesterolsenkung bereits im Stadium der Primärprävention. Weitere Studien sollen nun prüfen, ob sich dieser Ansatz auch auf andere Hochrisikogruppen übertragen lässt.