| Sven Siebenand |
| 14.08.2026 13:00 Uhr |
GLP-1 hat eine viel zu geringe Halbwertszeit, um als Medikament eingesetzt zu werden. Andere GLP-1-Rezeptoragonisten haben dieses Problem nicht. In Phase III wird derzeit mit Aleniglipron ein Wirkstoff getestet, der noch längst nicht so bekannt ist wie Semaglutid oder Orforglipron. / © GettyImages/ aprott
Anders als der GLP-1-Rezeptoragonist Semaglutid, der eine peptidische Struktur aufweist, ist Orforglipron ein nicht peptidischer Agonist am GLP-1-Rezeptor. Nachdem zwei andere Gliprone, nämlich Danuglipron und Lotiglipron, wegen Leberanomalien in der Entwicklung eingestellt wurden, ist Lillys Orforglipron zwar das am weitesten vorangeschrittene Glipron, aber nicht das einzige. Das Pharmaunternehmen Structure Therapeutics hat auf dem heiß umkämpften Adipositasmarkt mit Aleniglipron einen anderen nicht peptidischen Agonisten am GLP-1-Rezeptor im Rennen. Aleniglipron wird einmal täglich oral eingenommen.
In »Nature Medicine« wurden im Juni die Ergebnisse einer Phase-IIb-Studie mit Aleniglipron publiziert. In der randomisierten Studie wurden 230 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas ohne Diabetes mit drei unterschiedlichen Dosierungen von Aleniglipron (45, 90 und 120 mg ab Ende der Auftitrierungsphase) oder Placebo über 36 Wochen behandelt. Der durchschnittliche BMI betrug 39,5. Nach Abzug des Placeboeffekts sank das Körpergewicht durchschnittlich um 8,2 Prozent bei 45 mg, 9,8 Prozent bei 90 mg und 11,3 Prozent bei 120 mg Aleniglipron. Alle Unterschiede gegenüber Placebo waren statistisch signifikant.
Bei 120 mg erreichten 86 Prozent mindestens 5 Prozent, 70 Prozent mindestens 10 Prozent und 38 Prozent mindestens 15 Prozent Gewichtsverlust. Nach 36 Wochen war noch kein klares Gewichtsplateau erkennbar; vorläufige Daten aus der offenen Verlängerung zeigten weiteren Gewichtsverlust.
Die häufigsten Nebenwirkungen waren die für GLP-1-Medikamente typischen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Mit Blick auf die beiden gescheiterten Gliprone ist ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass kein medikamentenbedingter Leberschaden auftrat.
Den nächsten Entwicklungsschritt, die Prüfung von Aleniglipron in Phase III, hat Structure Therapeutics bereits eingeleitet. Im Juli ist eine randomisierte und placebokontrollierte Doppelblindstudie, in die 3600 Teilnehmer aufgenommen werden sollen, gestartet. Diese Phase-III-Studie soll bis 2028 laufen. Das heißt, dass Orforglipron mehrere Jahre voraus ist. Ob dem Wirkstoff von Lilly eines Tages Konkurrenz in Gestalt von Aleniglipron droht , müssen die Studienergebnisse zeigen. Dann müsste sich ebenfalls zeigen, ob es jemals eine direkte Vergleichsstudie geben wird.