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Abnehmmittel
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Retatrutid erzielt Gewichtsreduktionen auf OP-Niveau

Der Triple-Agonist Retatrutid hat in der Phase-III-Studie TRIUMPH-1 bei Menschen mit Adipositas oder Übergewicht deutliche Gewichtsverluste erzielt. Besonders die höchste Dosierung erreichte Effekte, die bislang vor allem aus der bariatrischen Chirurgie bekannt sind.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 22.05.2026  15:00 Uhr

Mit Retatrutid könnte sich die medikamentöse Behandlung der Adipositas erneut weiterentwickeln. Der von Lilly entwickelte Wirkstoff kombiniert erstmals die Aktivierung von drei Stoffwechselrezeptoren: GIP, GLP-1 und Glucagon. In der Phase-III-Studie TRIUMPH-1 führte diese Dreifachwirkung bei Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht ohne Diabetes zu einer durchschnittlichen Gewichtsreduktion von bis zu 28,3 Prozent nach 80 Wochen.

Während zum Beispiel Semaglutid den GLP-1-Rezeptor stimuliert und Tirzepatid zusätzlich den GIP-Rezeptor, bindet Retatrutid als Drittes auch noch als Agonist an den Glucagon-Rezeptor. Das soll die Lipolyse und Fettsäureoxidation stimulieren.

In der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie wurden 2339 Teilnehmer auf Retatrutid in drei Dosierungen oder Placebo verteilt. Sie injizierten Wirkstoff oder Placebo einmal wöchentlich subkutan. Nach 80 Wochen verloren die Patienten unter 12 mg Retatrutid durchschnittlich 31,9 Kilogramm beziehungsweise 28,3 Prozent ihres Ausgangsgewichts. Unter 9 mg betrug die Gewichtsabnahme 25,9 Prozent, unter 4 mg noch 19 Prozent. In der Placebogruppe lag die Reduktion bei lediglich 2,2 Prozent.

Bemerkenswert ist vor allem der Anteil der Patienten mit sehr ausgeprägtem Gewichtsverlust: Unter der höchsten Dosierung erreichten 45,3 Prozent eine Reduktion von mindestens 30 Prozent ihres Körpergewichts. Dieses Ausmaß einer Gewichtsabnahme entspricht Ergebnissen, wie sie traditionell nach bariatrischen Eingriffen beobachtet werden.

Zusätzlich verbesserten sich mehrere kardiometabolische Parameter, darunter Taillenumfang, Triglyzeride und systolischer Blutdruck. Hinsichtlich Nebenwirkungen zeigte sich unter Retatrutid ein ähnliches Profil wie unter reinen Inkretinmimetika. Häufig waren gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung.

Wie Lilly in einer Pressemitteilung ferner informiert, wird Retatrutid in mehreren weiteren Phase-III-Studien untersucht, unter anderem bei Typ-2-Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen, Schlafapnoe und Kniearthrose. Noch im Laufe des Jahres werden weitere Daten aus dem TRIUMPH-Programm erwartet, darunter Ergebnisse der Studien TRIUMPH-2 und TRIUMPH-3. In TRIUMPH-2 wird Retatrutid bei Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht und Typ-2-Diabetes untersucht. TRIUMPH-3 testet den Triple-Agonisten bei Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht und etablierter kardiovaskulärer Erkrankung.

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