Pharmazeutische Zeitung online
ARZNEISTOFFE

Semaglutid|Ozempic®|12|2018

STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Semaglutid
FERTIGARZNEIMITTEL
Ozempic®
HERSTELLER

Novo Nordisk

MARKTEINFÜHRUNG (D)
11/2018
DARREICHUNGSFORM

0,25 mg Injektionslösung in einem Fertigpen

0,5 mg Injektionslösung in einem Fertigpen

1 mg Injektionslösung in einem Fertigpen

Indikationen

Ozempic ist als Zusatz zu einer Diät und körperlicher Bewegung zugelassen zur Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes. Es kann in Kombination mit anderen Präparaten zum Einsatz kommen. Eine Monotherapie ist möglich, wenn Metformin kontraindiziert ist oder eine Unverträglichkeit dagegen besteht.

Wirkmechanismus

Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist. Es wirkt ebenso wie das im Darm gebildete körpereigene Inkretin-Hormon Glucagon-Like-Peptide-1 (GLP-1) und wird daher als Inkretin-Mimetikum bezeichnet. Zur Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten zählen auch die Arzneistoffe Exenatid, Liraglutid und Dulaglutid.

 

Der Darm schüttet GLP-1 unmittelbar nach einer Mahlzeit aus. Das Peptidhormon bindet an seinen Rezeptor und veranlasst so die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, Insulin freizusetzen. Daraufhin sinkt der Blutzuckerspiegel.

 

Darüber hinaus übernimmt GLP-1 weitere Aufgaben: Es senkt den Glucagonspiegel, drosselt die Magenentleerung und reduziert den Appetit. Das Hormon selbst kann nicht als Wirkstoff eingesetzt werden, da es im Körper sehr schnell abgebaut wird. Eine deutliche längere Wirkdauer erhalten Inkretin-Mimetika aufgrund ihrer veränderten Struktur. Semaglutid zählt zu den langwirksamen GLP-1-Rezeptoragonisten, sodass nur eine einmal wöchentliche Gabe notwendig ist.

Anwendungsweise und -hinweise

Semaglutid wird einmal wöchentlich subkutan gespritzt. Die Anfangsdosis beträgt 0,25 mg. Nach vier Wochen sollte die Dosis auf 0,5 mg erhöht werden. Nach mindestens vier weiteren Wochen kann der Arzt die Dosis auf 1 mg erhöhen. Höhere Dosen als 1 mg pro Woche werden nicht empfohlen.

 

Wenn Ozempic zusätzlich zu Metformin gegeben wird, kann die bestehende Metformin-Dosis unverändert beibehalten werden. Wird Semaglutid zusätzlich zu einer bestehenden Therapie mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin gegeben, sollte der Arzt die Dosis des Sulfonylharnstoffs beziehungsweise Insulins gegebenenfalls reduzieren, um das Risiko für eine Hypoglykämie zu senken.

 

Semaglutid wird subkutan in das Abdomen, den Oberschenkel oder den Oberarm injiziert. Der Tag der wöchentlichen Anwendung kann bei Bedarf gewechselt werden, solange die Zeit zwischen zwei Gaben mindestens drei Tage beträgt. Nach der Auswahl eines neuen Verabreichungstages ist die einmal wöchentliche Dosierung fortzusetzen.

 

Unter Anwendung von GLP1-Rezeptoragonisten wurde das Auftreten von Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen beobachtet. Daher sollten Patienten deren Anzeichen kennen und Ozempic absetzen, wenn sie eine Pankreatitis vermuten. Bei Patienten mit diabetischer Retinopathie, die gleichzeitig mit Insulin und Semaglutid behandelt werden, wurde ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Komplikationen der diabetischen Retinopathie beobachtet. Daher ist bei diesen Patienten Vorsicht geboten.

Wichtige Wechselwirkungen

Semaglutid verzögert die Magenentleerung und beeinflusst möglicherweise die Resorptionsrate gleichzeitig oral angewendeter Arzneimittel. Bei Patienten unter oralen Arzneimitteln, die eine rasche gastrointestinale Resorption erfordern, sollte es daher mit Vorsicht angewendet werden.

 

Nach Gabe einer Einzeldosis von 25 mg Warfarin veränderte Semaglutid die die pharmakodynamischen Wirkungen von Warfarin nicht in klinisch relevantem Maße. Dennoch wird bei Patienten, die mit Warfarin oder anderen Cumarin-Derivaten behandelt werden, zu Beginn der Behandlung mit Semaglutid eine häufige Überwachung der INR empfohlen.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Semaglutid zählen wie bei anderen Vertretern dieser Klasse gastrointestinale Beschwerden, etwa Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Auch Unterzuckerungen sind möglich. Sie treten jedoch nur auf, wenn der GLP-1-Rezeptoragonist zum Beispiel mit Insulin oder einem Sulfonylharnstoff kombiniert wird.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit von 0,5 mg und 1 mg Semaglutid einmal wöchentlich wurden in mehreren randomisierten Phase-III-Studien untersucht, in die insgesamt mehr als 7000 Typ-2-Diabetiker eingeschlossen wurden.

 

In fünf Studien (SUSTAIN 1-5) war die Beurteilung der glykämischen Wirksamkeit das primäre Ziel. Im Laufe von 10 bis 13 Monaten ließ sich in den Semaglutid-Gruppen der HbA1c-Wert je nach Studie um 1,2 bis 1,8 Prozentpunkte senken. Dies war gegenüber einer Placebo-Behandlung, die nicht zu einer nennenswerten Verbesserung des HbA1c-Wertes führte, ein großer Unterschied. In der SUSTAIN-2-Studie wurde Semaglutid mit dem DPP-4-Hemmer Sitagliptin (100 mg/d) verglichen. Dieser erzielte eine Senkung des HbA1c-Wertes um 0,5 Prozent. Einen Vorteil zugunsten Semaglutid gab es bei der Reduzierung des Langzeitblutzuckerwertes auch im Vergleich mit langwirksamen Exenatid in SUSTAIN-3 (-0,9 Prozent) und mit Insulin glargin in SUSTAIN-4 (-0,8 Prozent).

 

Von besonderem Interesse sind auch die Ergebnisse der placebokontrollierten SUSTAIN-6-Studie, die kardiovaskuläre Endpunkte als primäres Ziel hatte. In dieser Studie mit mehr als 3000 Typ-2-Diabetikern mit hohem kardiovaskulären Risiko wurde gezeigt, dass der kombinierte primäre Endpunkt aus nicht-tödlichem Herzinfarkt, nicht-tödlichem Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod insgesamt unter Semaglutid seltener auftrat als unter Placebo: in der Verumgruppe bei 6,6 Prozent der Patienten und unter Placebo bei 8,9 Prozent der Patienten. Getrieben wurde die Risikosenkung bei diesem kombinierten primären Endpunkt durch die Verringerung der Anzahl von Schlaganfällen und Herzinfarkten, die Raten für Tod infolge von Herzproblemen waren in beiden Gruppen jedoch ähnlich. Zur Einordnung: Immer mehr Antidiabetika haben zuletzt in kardiovaskulären Outcome-Studien einen Vorteil gezeigt, unter anderem Vertreter aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer sowie Liraglutid und Albiglutid, zwei weitere GLP-1-Rezeptoragonisten.

Hintergrundinfos

Wie andere GLP-1-Rezeptoragonisten kann sich auch Semaglutid günstig auf das Körpergewicht auswirken. Es ist jedoch anders als Liraglutid nicht zur Gewichtsregulierung bei Übergewichtigen zugelassen. Hersteller Novo Nordisk arbeitet auch an einer oral verfügbaren Formulierung von Semaglutid.

Besonderheiten

Ozempic ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern. Es darf nicht einfrieren und sollte daher vom Kühlelement ferngehalten werden.

Der Pen ist sechs Wochen lang verwendbar, wenn er bei Temperaturen unter 30 °C oder bei 2–8 °C (Kühlschrank) aufbewahrt wird. Wenn er gefroren war, darf er nicht mehr verwendet werden.

Um den Inhalt vor Licht zu schützen, sollte die Penkappe aufgesetzt sein, wenn der Pen nicht verwendet wird.

Ozempic ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter wird geraten, während der Behandlung mit Semaglutid eine Verhütungsmethode anzuwenden. Während der Schwangerschaft darf Semaglutid nicht angewendet werden. Auch Stillende sollen Semaglutid nicht bekommen.

Vorläufige Bewertung

Analogpräparat

Letzte Aktualisierung: 05.12.2018