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ARZNEISTOFFE

Empagliflozin|Jardiance®|12|2014

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STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Empagliflozin
FERTIGARZNEIMITTEL
Jardiance®
HERSTELLER

Boehringer Ingelheim/Lilly

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2014
DARREICHUNGSFORM

10 mg Filmtabletten
25 mg Filmtabletten

Indikationen

Jardiance ist indiziert zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern. Es ist für die Monotherapie zugelassen, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken und die Anwendung von Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten als ungeeignet erachtet wird.


Darüber hinaus darf Empagliflozin in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln einschließlich Insulin zum Einsatz kommen, wenn diese den Blutzucker zusammen mit Diät und Bewegung nicht ausreichend kontrollieren. Bei Anwendung von Empagliflozin in Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen kann unter Umständen eine niedrigere Dosierung des Sulfonylharnstoffs oder des Inuslins in Betracht gezogen werden, um das Risiko einer Hypoglykämie zu senken.

Wirkmechanismus

Empaglifozin hemmt den Natrium-abhängigen Glucose-Co-Transporter 2 (sodium dependent glucose transporter, SGLT-2). SGLT-2-Inhibitoren senken die Glucoselast unabhängig von der Betazellfunktion und der Insulinresistenz. Sie bewirken die Ausscheidung überschüssiger Glucose über den Urin.

 

Normalerweise wird Glucose in den Nieren glomerulär filtriert und später im proximalen Tubulus aktiv resorbiert. SGLT 2 ist der Haupttransporter, der für die Wiederaufnahme von Zucker an dieser Stelle verantwortlich ist. 90 Prozent der renalen Glucose-Reabsorption laufen über ihn. Durch die selektive Blockade von SGLT-2 lässt sich die Rückresorption von Zucker reduzieren und somit dessen Ausscheidung mit dem Harn forcieren.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Startdosis von Empaglifozin beträgt einmal täglich 10 mg. Die Tablette kann zu oder unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen werden.


Bei Patienten, die die 10-mg-Dosis vertragen, eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) von mindestens 60 ml/min/1,73 m2 haben und eine stärkere Blutzuckerkontrolle benötigen, kann der Arzt die Tagesdosis auf 25 mg erhöhen.


Bei einer eGFR unter 60 ml/min/1,73 m2 sollte er die Therapie mit Empaglifozin nicht beginnen. Fällt die eGFR im Verlauf der Behandlung unter diesen Wert, sollte er nur 10 mg pro Tag verschreiben, bei einer eGFR unter 45 ml/min/1,73 m2 den Wirkstoff absetzen. Der Grund: Die Wirksamkeit von SGLT-2-Hemmern ist bei einer schlechten Nierenfunktion nicht mehr gewährleistet. Für Dialysepflichtige oder Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz stellen SGLT-2-Hemmer somit keine Therapieoption dar. Sicherheitshalber sollte die Nierenfunktion der Patienten regelmäßig kontrolliert werden – vor Beginn der Therapie, mindestens jährlich unter Empagliflozin-Einnahme und vor dem Start einer Begleittherapie mit Arzneimitteln, die sich negativ auf die Nierenfunktion auswirken können.

Wichtige Wechselwirkungen

Empagliflozin kann den diuretischen Effekt von Thiazid- und Schleifendiuretika verstärken und das Risiko einer Dehydrierung und Hypotonie erhöhen.


Bei Anwendung in Kombination mit Empagliflozin muss unter Umständen die Dosierung eines Insulins oder eines Insulin-Sekretagogums, zum Beispiel eines Sulfonylharnstoffs, reduziert werden, um das Risiko einer Hypoglykämie zu senken. Ein substanzeigenes Unterzuckerungsrisiko geht von SGLT-2-Hemmern jedoch nicht aus.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Empagliflozin stimmen mit denen anderer Vertreter dieser Wirkstoffklasse überein.

 

Bei Anwendung in Kombination mit Empagliflozin muss unter Umständen die Dosierung eines Insulins oder eines Insulin-Sekretagogums, zum Beispiel eines Sulfonylharnstoffs, reduziert werden, um das Risiko einer Hypoglykämie zu senken. Ein substanzeigenes Unterzuckerungsrisiko geht von SGLT-2-Hemmern jedoch nicht aus.


Bei mit Empagliflozin behandelten Patienten wurden Infektionen des Genitaltrakts häufiger beobachtet als unter Placebo. Diese traten aber in den meisten Fällen nur einmalig auf und waren in der Regel mit Standardtherapien behandelbar.


Häufig traten in Studien auch Harnwegsinfektionen sowie verstärkte Harnausscheidung und generalisierter Juckreiz auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Da die therapeutischen Erfahrungen bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung begrenzt sind, wird die Anwendung von Empagliflozin bei dieser Patientengruppe nicht empfohlen. Obwohl das Wirkprinzip der SGLT-2-Hemmung auch bei Typ-1- Diabetes funktionieren müsste, wird in der Fachinformation davon abgeraten, Jardiance bei diesen Patienten einzusetzen.


Die Wirkung von Empagliflozin auf die Glucoseausscheidung im Urin ist mit einer osmotischen Diurese verbunden, die den Hydrierungszustand beeinflussen könnte. Auch eine Blutdrucksenkung ist möglich. Deshalb ist Vorsicht geboten bei Patienten, bei denen eine Blutdrucksenkung ein Risiko darstellen könnte, zum Beispiel bei Patienten mit bekannter kardiovaskulärer Erkrankung. Darüber hinaus kann Empagliflozin den diuretischen Effekt von Thiazid- und Schleifendiuretika verstärken und das Risiko einer Dehydrierung und Hypotonie erhöhen. Verlieren die Patienten bei einer anderen Erkrankung, zum Beispiel des Gastrointestinaltrakts, zu viel Flüssigkeit, wird empfohlen, den SGLT-2- Hemmer möglicherweise vorübergehend abzusetzen. Zudem sollte der Volumen- und Elektrolytstatus überwacht werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Empagliflozin wurde in zehn randomisierten Phase-III-Studien bei mehr als 13 000 Typ-2-Diabetikern untersucht. In vier Hauptstudien, an denen mehr als 2700 Patienten teilnahmen, betrug die Behandlungsdauer 24 Wochen. Hauptkriterium für die Wirksamkeit war die nach dieser Zeit erzielte Senkung des HbA1c-Wertes gegenüber dem Ausgangswert. In einer Studie, in der zuvor unbehandelte Patienten Empagliflozin als Monotherapie erhalten hatten, lag die HbA1c-Senkung bei einer Dosis von 10 mg bei 0,66 Prozent und bei einer Dosis von 25 mg bei 0,78 Prozent. Im Vergleich zu Placebo (-0,08 Prozent) ist das eine statistisch signifikante Reduktion. Patienten, die in dieser Studie 100 mg Sitagliptin einnahmen, erzielten eine HbA1c- Senkung von 0,66 Prozent. Damit war Empagliflozin dem DPP-4-Hemmer ebenbürtig.


Auch Kombinationstherapien mit Empagliflozin wurden in Studien untersucht. Das Gliflozin führte als Add-on-Therapie zu Metformin, zu Metformin und einem Sulfonylharnstoff oder zu Pioglitazon mit oder ohne Metformin im Vergleich zu Placebo zu einer statistisch signifikanten Abnahme des HbA1c-Werts. So betrug die Änderung des HbA1c gegenüber dem Ausgangswert nach 24 Wochen -0,13 Prozent, wenn Metformin mit Placebo kombiniert wurde. Metformin plus 10 beziehungsweise 25 mg Empagliflozin erzielten dagegen eine Änderung gegenüber dem Ausgangswert von -0,7 beziehungsweise -0,77 Prozent.


Metformin, ein Sulfonylharnstoff und Placebo brachten nach 24 Wochen eine Änderung von -0,17 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Die Kombination Metformin, Sulfonylharnstoff und 10 beziehungsweise 25 mg Empagliflozin war mit einer Änderung von -0,82 beziehungsweise -0,77 Prozent erfolgreicher.


Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich bei der Add-on-Therapie von Pioglitazon mit oder ohne Metformin plus 10 beziehungsweise 25 mg Empagliflozin. Die Änderungen des HbA1c-Werts betrugen nach 24 Wochen -0,59 beziehungsweise -0,72 Prozent und waren damit deutlich höher als in der Gruppe, die zusätzlich zur bestehenden Medikation ein Placebo erhielt (-0,11 Prozent).
Verlängerungen der Hauptstudien führen zu der Annahme, dass der Nutzen von Empagliflozin bei längerer Therapie kontinuierlich andauert. Zudem wurde ein Nachweis dafür erbracht, dass auch die Kombinationstherapie mit Insulin vorteilhaft ist. Ferner weisen Studienergebnisse darauf hin, dass die Behandlung mit Empagliflozin mit einer vorteilhaften Abnahme von Körpergewicht und Blutdruck einhergeht.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Jardiance sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Jardiance ist verschreibungsplichtig.

Formeln

Empagliflozin

Empagliflozin

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Empagliflozin.wrl

Weitere Hinweise

Tierexperimentelle Studien zeigen, dass Empagliflozin in der Spätphase der Gestation in sehr geringem Ausmaß die Plazenta passiert, ergaben jedoch keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf die frühe embryonale Entwicklung. Jedoch zeigten tierexperimentelle Studien unerwünschte Wirkungen auf die postnatale Entwicklung. Die Fachinformation rät dazu, eine Anwendung in der Frühschwangerschaft zu vermeiden. Im zweiten und dritten Trimenon wird eine Anwendung nicht empfohlen.


Während der Stillzeit sollte Empaglifozin ebenfalls nicht angewendet werden. Zwar liegen keine Daten beim Menschen vor, Tierversuche haben jedoch gezeigt, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das Neugeborene kann daher nicht ausgeschlossen werden.



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Letzte Aktualisierung: 12.07.2016