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ARZNEISTOFFE

Insulin detemir|Levemir®|12|2004

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STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Insulin detemir
FERTIGARZNEIMITTEL
Levemir®
HERSTELLER

Novo Nordisk

MARKTEINFÜHRUNG (D)
08/2004
DARREICHUNGSFORM

100 I. E. Fertigpen

100 I. E. Pen-Patronen

Indikationen

Levemir ist zugelassen zur Behandlung des Diabetes mellitus bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 1 Jahr.

Wirkmechanismus

Insulin detemir ist ein lang wirksames Insulinanalogon zur Anwendung als Basalinsulin in Kombination mit einem mahlzeitenbezogenen kurz beziehungsweise schnell wirkenden Insulin.

 

Durch den Verzögerungsmechanismus von Insulin detemir wird das Risiko für nächtliche Hypoglykämien deutlich reduziert. Zusätzlich konnte in Studien nachgewiesen werden, dass die intensivierte Therapie mit Insulin detemir nicht mit einer unerwünschten Gewichtszunahme verbunden ist.

 

Die verlängerte Wirkung von Insulin detemir wird durch die starke Selbstassoziation der Insulin-detemir-Moleküle an der Injektionsstelle und die Albuminbindung über die Fettsäure-Seitenkette von Insulin detemir vermittelt. Die Wirkdauer beträgt in Abhängigkeit der Dosis bis zu 24 Stunden. Daraus ergibt sich eine einmal oder zweimal tägliche Verabreichung.

Anwendungsweise und -hinweise

Die Dosierung von Levemir muss individuell angepasst werden. Eine Einheit Insulin detemir entspricht einer I. E. Humaninsulin. Der Wechsel von einem intermediär oder lang wirkenden Insulin zu Insulin detemir kann eine Anpassung von Dosis und Zeitpunkt der Applikation erforderlich machen. Während des Übergangs und in den ersten Wochen danach wird eine engmaschige Blutzuckerkontrolle empfohlen. Eine begleitende antidiabetische Behandlung (kurzwirkendes Insulin oder orale Antidiabetika) muss eventuell angepasst werden.

 

Insulin detemir wird subkutan in den Oberschenkel, die Bauchdecke oder in den Oberarm injiziert. Es darf in Insulinpumpen angewendet, aber nicht intravenös verabreicht werden, da dies zu schweren Hypoglykämien führen kann.

Wichtige Wechselwirkungen

Der Glucosestoffwechsel wird von einigen Arzneimitteln beeinflusst. Die folgenden Substanzen können den Insulinbedarf des Patienten senken: orale Antidiabetika, GLP-1-Rezeptor-Agonisten, MAO-Hemmer, Betarezeptorenblocker, ACE-Hemmer, Salicylate, anabole Steroide und Sulfonamide.

 

Die folgenden Substanzen können den Insulinbedarf des Patienten erhöhen: orale Kontrazeptiva, Thiazide, Glucocorticoide, Schilddrüsenhormone, Sympathomimetika, Wachstumshormon und Danazol.Betarezeptorenblocker können die Symptome einer Hypoglykämie verschleiern. Octreotid/Lanreotid kann den Insulinbedarf sowohl senken als auch erhöhen. Alkohol kann die Blutzucker senkende Wirkung von Insulin verstärken oder verringern.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkung in Studien zu Insulin detemir waren neben Hypoglykämien Rötungen, Schwellungen und Juckreiz an der Injektionsstelle. Die mit Insulin detemir behandelten Diabetiker konnten ihr Gewicht im Vergleich zu den mit NPH-Insulin behandelten, bei denen das Gewicht durchschnittlich zunahm, halten.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit von Levemir wurde in multizentrischen, offenen, randomisierten 4- bis 6- beziehungsweise 12-monatigen Studien bei Erwachsenen mit NPH-Insulin verglichen. Zusätzlich zu Insulin Aspart oder Humaninsulin wurden 1575 Typ-1- und 871 Typ-2-Diabetiker mit Insulin detemir und 887 Typ-1- und 540 Typ-2-Diabetiker mit NPH-Insulin behandelt. Die HbA1c-Werte nach Insulin-detemir-Behandlung waren in allen Studien mit Typ-1-Diabetikern, beziehungsweise in einer von zwei Studien mit Typ-2-Diabetikern, mit der NPH-Insulin Behandlung vergleichbar. Der Nüchternblutzucker war in drei Studien bei Typ-1-Diabetikern mit Insulin detemir im Vergleich zu NPH-Insulin signifikant verbessert, während er bei Typ-2-Diabetikern vergleichbar war. In zwei Studien mit Typ-1-Diabetikern war das nächtliche Hypoglykämierisiko unter Insulin detemir signifikant geringer. Insgesamt unterschied sich die Hypoglykämierate im Vergleich zu NPH-Insulin nicht.

Besonderheiten

Levemir ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) zu lagern. Es darf nicht einfrieren. In Verwendung sollte Levemir jedoch nicht im Kühlschrank, sondern bei Temperaturen nicht über 30 °C gelagert werden.

Levemir ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Levemir kann während der Schwangerschaft unter Abwägung von möglichem Nutzen und potenziellem Risiko angewendet werden. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass sich der Insulinbedarf im Verlauf der Schwangerschaft verändert.

 

Ob Insulin detemir in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Da Insulin detemir im menschlichen Gastrointestinaltrakt abgebaut wird, werden keine Effekte auf den Säugling erwartet.

Letzte Aktualisierung: 22.07.2016