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ARZNEISTOFFE

Insulin glargin|Lantus®|12|2000

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STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Insulin glargin
FERTIGARZNEIMITTEL
Lantus®
HERSTELLER

Sanofi

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2000
DARREICHUNGSFORM

100 Einheiten/ml Injektionslösung in einer Durchstechflasche100 Einheiten/ml Injektionslösung in einer Patrone 100 Einheiten/ml Injektionslösung in einem Fertigpen

Indikationen

Lantus ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab zwei Jahren und älter mit Diabetes mellitus bei.

Wirkmechanismus

Lantus Injektionslösung ist auf pH 4 eingestellt. Nach der Applikation neutralisiert sich die Zubereitung im Subkutangewebe, und es bilden sich Mikropräzipitate, aus denen Insulin konstant in geringen Mengen freigesetzt wird.

 

Insulin glargin besitzt eine ähnliche Affinität zum Insulinrezeptor wie Humaninsulin. In klinisch-pharmakologischen Studien zeigten die intravenös gegebene Substanz und Humaninsulin die gleiche Wirkstärke, wenn sie in gleichen Dosen verabreicht wurden. Das Wirkprofil von Insulin glargin verläuft jedoch gleichmäßig ohne Spitzen, und die Wirkdauer ist gegenüber dem intermediären NPH-Insulin (Neutral-Protamin-Hagedorn-Insulin) deutlich verlängert.

Anwendungsweise und -hinweise

Dosierung und Zeitpunkt der Verabreichung von Lantus sollten individuell festgelegt werden. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes kann Lantus auch zusammen mit oralen Antidiabetika gegeben werden.

 

Lantus wird subkutan verabreicht. Es sollte einmal täglich zu einer beliebigen Zeit, jedoch jeden Tag zur gleichen Zeit, verabreicht werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Werden zusätzlich zu Lantus Arzneimittel verabreicht, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen, kann eine Anpassung der Insulin-Dosis erforderlich werden. Zu diesen gehören unter anderem orale Antidiabetika, ACE-Hemmer, Disopyramid, Fibrate, Fluoxetin, MAO-Hemmer, Pentoxifyllin, Propoxyphen, Salicylate und Sulfonamid-Antibiotika. Sie können den Blutzucker zusätzlich senken und das Risiko für eine Hypoglykämie erhöhen.

 

Arzneistoffe, die den blutzuckersenkenden Effekt hingegen abschwächen können, sind unter anderem Corticosteroide, Diuretika, Östrogene und Progestagene, Phenothiazin-Abkömmlinge, Sympathomimetika (zum Beispiel Epinephrin, Salbutamol und Terbutalin), Schilddrüsenhormone, atypische Antipsychotika und Proteaseinhibitoren.

 

Betablocker, Clonidin, Lithiumsalze und Alkohol können sowohl zu einer Verstärkung als auch zu einer Abschwächung der blutzuckersenkenden Wirkung von Insulin führen. Pentamidin kann eine Hypoglykämie verursachen, gelegentlich mit nachfolgender Hyperglykämie.

 

Zu bedenken ist auch, dass manche Arzneistoffe die Symptome einer Hypoglykämie verschleiern können. Zu diesen gehören Sympatholytika wie β-Blocker, Clonidin oder Guanethidin.

Nebenwirkungen

Sehr häufig kommt es unter Lantus zu Hypoglykämien. Häufig wurden außerdem eine Lipohypertrophie und Reaktionen an der Einstichstelle berichtet.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Insulin glargin wurde in verschiedenen klinischen Studien mit der von NPH-Insulin bei Typ-1- und -2-Diabetikern verglichen. Die Dosen wurden individuell angepasst. Dabei senkte die neue Substanz sowohl die Nüchtern-Plasmaglucosewerte als auch die HbA1c-Werte vergleichbar wie NPH-Insulin. Schwere nächtliche Hypoglykämien traten jedoch unter Insulin glargin seltener auf.

Hintergrundinfos

Die Substanz wird biotechnologisch in Escherichia-coli-Stämmen hergestellt. In der A-Kette des synthetischen Insulins befindet sich an Position 21 die Aminosäure Glycin statt Asparaginsäure. Zudem hängen am Carboxyl-Ende der B-Kette zwei zusätzliche Argininreste (B31, B32). Ansonsten gleicht Insulin glargin dem Humaninsulin. Auf Grund der modifizierten Aminosäuresequenz hat die Substanz jedoch einen anderen isoelektrischen Punkt und löst sich kaum im neutralen Milieu.

Besonderheiten

Nicht angebrochene Lantus-Zubereitungen sind bei Temperaturen von 2–8 °C zu lagern. Sie dürfen nicht in der Nähe eines Kühlelements aufbewahrt werden oder einfrieren und sind im Umkarton zu lagern, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

 

Nach Anbruch kann das Arzneimittel vier Wochen lang bei Temperaturen nicht über 25 °C (5-ml-Durchstechflasche) beziehungsweise 30 °C (10-ml-Durchstechflasche, SoloStar Fertigpen) aufbewahrt werden. Es ist dabei vor direkter Hitze- und Lichteinwirkung zu schützen.

 

Pens mit eingelegter Patrone oder in Gebrauch befindliche Pens nicht im Kühlschrank aufbewahren!

Lantus ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Lantus kann während der Schwangerschaft angewendet werden, wenn dies aus klinischer Sicht notwendig ist.

 

Ob Insulin glargin in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass eventuell oral aufgenommenes Insulin glargin im Magen-Darm-Trakt des Säuglings abgebaut wird. Bei stillenden Frauen kann eine Anpassung von Insulindosis und Ernährung erforderlich sein.

Letzte Aktualisierung: 29.06.2017