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ARZNEISTOFFE

Exenatid|Byetta|12|2007

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STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Exenatid
FERTIGARZNEIMITTEL
Byetta
HERSTELLER

Astra Zeneca

MARKTEINFÜHRUNG (D)
05/2007
DARREICHUNGSFORM

5 µg Injektionslösung in einem Fertigpen
10 µg Injektionslösung in einem Fertigpen

Indikationen

Byetta ist in Kombination mit Metformin und/oder Sulfonylharnstoff- beziehungsweise Thiazolidindion-Präparaten bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern indiziert, deren Blutzucker mit der maximal verträglichen Dosis dieser oralen Therapeutika nur unzureichend eingestellt werden konnte.

 

Byetta ist ebenfalls angezeigt als Kombinationstherapie mit Basalinsulin mit oder ohne Metformin und/oder Pioglitazon bei erwachsenen Patienten mit Typ-2-Diabetes, deren Blutzucker sich mit diesen Arzneimitteln nicht kontrollieren ließ.

Wirkmechanismus

Exenatid ist die synthetische Form des Peptidhormons Exendin-4, das im Speichel der nordamerikanischen Krustenechse Heloderma suspectum (Gila Lizard) vorkommt. Die Echse hat sich hervorragend an eine unregelmäßige Nahrungsaufnahme angepasst. Sie nimmt nur viermal im Jahr Nahrung auf und schaltet ihren Pankreas den Rest der Zeit aus. Steht eine Mahlzeit an, wird er mittels Exendin-4 „angeworfen“. Dieses Hormon stimuliert bei der Echse ähnlich wie das humane Glucagon-like-Peptide-1 (GLP-1) beim Menschen glucoseabhängig unter anderem die Insulinsekretion des Pankreas. Das synthetische Peptid Exenatid, dessen Aminosäuresequenz teilweise mit der von humanem GLP-1 übereinstimmt, wirkt in gleicher Weise wie Exendin-4.

 

GLP-1 gehört ebenso wie das Glucose-dependent insulinotropic peptide (GIP) zur Gruppe der Inkretinhormone. Nach der Aufnahme von Kohlenhydraten sezernieren die endokrinen L-Zellen im Dünndarm GLP-1, während K-Zellen GIP in den Blutkreislauf abgegeben. Als Folge steigt die Insulinsekretion: Etwa 60 Prozent der postprandialen Insulinantwort gehen auf das Konto der beiden Peptide. Dies geschieht jedoch nur unter hyperglykämischen Bedingungen; bei Normo- oder Hypoglykämie erhöhen die Peptide die Insulinsekretion nicht. Man weiß seit langem, dass der Inkretineffekt bei Typ-II-Diabetikern vermindert ist. GIP wirkt hier erheblich schwächer, und die Plasmakonzentrationen von GLP-1-sind niedriger.  GLP-1 hat vielfältige Effekte. Es hemmt die Glucagonfreisetzung, die bei Typ-II-Diabetikern oft erhöht ist. In der Folge sinkt die hepatische Glucoseproduktion. Zudem verzögert es die Magenentleerung. In-vitro- und Tierstudien deuten darauf hin, dass das Inkretinhormon die Replikation und Neubildung von Betazellen des Pankreas stimulieren und deren Apoptose verhindern kann. Allerdings hat das endogene GLP-1 nur eine sehr kurze Halbwertszeit, da es innerhalb weniger Minuten durch die Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4) zu unwirksamen Metaboliten abgebaut wird. DDP-4 ist ein ubiquitär vorkommendes Enzym, das im Endothel verschiedener Organe und auf aktivierten T-Lymphozyten (CD26) gefunden wurde. Es bindet viele (Poly-)peptide, hat aber die höchste Affinität zu GLP-1.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Anfangsdosis beträgt zweimal täglich 5 µg Exenatid für mindestens einen Monat. Danach kann die Dosis auf zweimal täglich 10 µg gesteigert werden. Sie sollte vor zwei Hauptmahlzeiten, zum Beispiel Frühstück und Abendessen, subcutan in Oberschenkel, Bauch oder Oberarm injiziert werden.

 

Byetta darf nicht nach einer Mahlzeit angewendet werden. Nach subcutaner Gabe wird Exenatid schnell absorbiert. Die relative Bioverfügbarkeit liegt zwischen 93 und 97 Prozent, maximale Plasmaspiegel werden nach zwei Stunden erreicht. Die Halbwertszeit beträgt 2,4 Stunden. Der Arzneistoff wird hauptsächlich über die Nieren abgebaut, zum größten Teil durch enzymatische Spaltung.

Wichtige Wechselwirkungen

Da Exenatid die Magenentleerung verlangsamt, können Ausmaß und Resorption gleichzeitig peroral eingenommener Arzneimittel verringert sein. Vor allem bei Medikamenten wie Kontrazeptiva und Antibiotika, deren Wirkung von einer Mindestkonzentration abhängt, sollte der Apotheker die Patienten darauf hinweisen, diese eine Stunde vor der Injektion einzunehmen.

 

Magensaftresistente Zubereitungen, die Substanzen enthalten, die im Magen leicht abgebaut werden können, sollten mindestens eine Stunde vor oder vier Stunden nach der Gabe von Byetta eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkungen unter Exenatid waren Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Hypoglykämien traten vor allem bei der Kombination mit einem Sulfonylharnstoff auf.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Byetta beruht auf fünf Studien mit knapp 4000 Typ-2-Diabetikern. In drei Studien wurde der Arzneistoff gegen Placebo getestet, in zwei weiteren gegen Insulin, jeweils zusätzlich zur peroralen antidiabetischen Basistherapie. In den placebokontrollierten Studien über 30 Wochen reduzierte Exenatid (zweimal täglich 10 µg) den HbA1c-Wert und das Körpergewicht unabhängig davon, ob der Arzneistoff mit Metformin, Sulfonylharnstoff oder einer Kombination von beiden angewendet wurde.

 

In den Studien gegen ein Insulin besserte Exenatid (zweimal täglich 5 µg über vier Wochen, anschließend zweimal täglich 10 µg) in Kombination mit Metformin und Sulfonylharnstoff signifikant die glykämische Kontrolle, was anhand der Abnahme des HbA1c-Wertes erfasst wurde. Dabei war die Wirkung in einer 26-wöchigen Studie der von Insulin glargin beziehungsweise in einer 52-wöchigen Studie der von Insulin aspart vergleichbar (Exenatid minus 1,13 und minus 1,01 Prozent, Insulin glargin minus 1,10 und Insulin Aspartat minus 0,86 Prozent). In den Studien über 26 und 52 Wochen nahmen die Patienten in der Exenatid-Gruppe um 2,3 sowie 2,5 kg ab. Die Insulinbehandlung war mit einer Gewichtszunahme verbunden.

Besonderheiten

Byetta ist im Kühlschrank (2–8 °C) zu lagern und darf nicht einfrieren.
Nach Anbruch ist der Pen 30 Tage verwendbar.
Nach Anbruch ist der Pen bei Temperaturen nicht über 25 °C aufzubewahren. Er sollte nicht mit aufgeschraubter Nadel gelagert werden. Um den Inhalt vor Licht zu schützen, sollte die Schutzkappe dem Pen wieder aufgesetzt werden.
Byetta ist verschreibungspflichtig.

Links

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000698/WC500051845.pdf

 

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) Byetta™:

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/000698/WC500051840.pdf

 

Deutsche Diabetes Gesellschaft:

www.ddg.info

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Exenatid nicht angewendet werden.

Letzte Aktualisierung: 10.08.2017