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ARZNEISTOFFE

Lixisenatid|Lyxumia®|12|2013

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STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Lixisenatid
FERTIGARZNEIMITTEL
Lyxumia®
HERSTELLER

Sanofi-Aventis

MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/2013
DARREICHUNGSFORM

in Deutschland derzeit nicht verfügbar

Indikationen

Lyxumia ist zugelassen zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern. Es wird in Kombination mit oralen Antidiabetika und/oder Basalinsulin eingesetzt, wenn diese zusammen mit Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend senken konnten.

Wirkmechanismus

Lixisenatid ist ein prandialer Glucagon-like-Peptide-1(GLP-1)-Rezeptoragonisten. Alle GLP-1-Rezeptoragonisten ahmen die Wirkungen des natürlich vorkommenden Peptids nach. Über GLP-1-Rezeptoren an der Oberfläche der Betazelle führt GLP-1 zu einer Aktivierung einer intrazellulären Signalkaskade, was wiederum eine gesteigerte Synthese und Bereitstellung von Proinsulin in den Vesikeln des endoplasmatischen Retikulums nach sich zieht. Weiterhin werden verschiedene Konvertasen aktiviert, die eine Spaltung des Proinsulins in Insulin und C-Peptid bewirken. Die Abgabe der somit »voraktivierten« Vesikel aus der Betazelle in die Blutbahn erfolgt dann streng glucoseabhängig über einen Glucokinase-B-vermittelten Verschluss der K+/ATP-Kanäle und einem damit verbundenen Calcium-Einstrom in die Zelle. Im Gegensatz zur Insulinfreisetzung unter Sulfonylharnstoffen werden hierdurch Unterzuckerungen vermieden.

Anwendungsweise und -hinweise

Anders als das ebenfalls kurz wirksame Exenatid-Präparat Byetta® muss Lixisenatid nicht zweimal täglich, sondern nur einmal pro Tag in Oberarm, Oberschenkel oder Abdomen gespritzt werden. Patienten beginnen mit einer Dosis von 10 µg pro Tag, nach zwei Wochen kann auf die tägliche Erhaltungsdosis von 20 µg umgestellt werden. Das Mittel sollte laut Fachinformation möglichst in der Stunde vor der ersten Mahlzeit des Tages oder in der Stunde vor dem Abendessen subkutan injiziert werden. Sinnvoll ist es, die Mahlzeit auszuwählen, bei der die Haupt-Glucoselast des Tages entsteht. Wird die Injektion versäumt, sollte sie in der Stunde vor der nächsten Mahlzeit nachgeholt werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Lixisenatid kann aufgrund der verlangsamten Magenentleerung die Resorptionsrate oral angewendeter Arzneimittel senken. Deshalb sollten zum Beispiel Patienten, die Arzneistoffe mit enger therapeutischer Breite einnehmen, gerade zu Beginn der Lixisenatid-Therapie engmaschig überwacht werden. Zudem kann dazu geraten werden, diese Medikamente bei gleichzeitiger Anwendung von Lixisenatid nach einem festen Schema einzunehmen. Beispielsweise können Patienten angewiesen werden, diese möglichst zu einer Mahlzeit einzunehmen, bei der kein Lixisenatid gespritzt wird.

Nebenwirkungen

Vor allem zu Beginn der Therapie kann es unter Lixisenatid, wie bei anderen GLP-1-Rezeptoragonisten, zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Im Lauf der Behandlung können diese Nebenwirkungen jedoch allmählich abklingen. In Kombination mit einem Sulfonylharnstoff oder Basalinsulin traten auch Hypoglykämien auf. Der Arzt kann daher erwägen, die Dosis des Sulfonylharnstoffs beziehungsweise des Insulins zu reduzieren, um das Hypoglykämie-Risiko zu senken. Lixisenatid darf aufgrund des erhöhten Unterzuckerungs-Risikos nicht in Kombination mit einem Basalinsulin zusammen mit einem Sulfonylharnstoff angewendet werden.

 

Als weitere sehr häufige Nebenwirkung von Lixisenatid wird in der Fachinformation Kopfschmerz genannt. Zudem wird davor gewarnt, dass die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten mit einem Risiko für die Entwicklung einer Pankreatitis assoziiert sein kann. Daher sollten die Patienten deren charakteristische Symptome kennen: anhaltende, starke Bauchschmerzen. Wird eine Pankreatitis vermutet, muss Lixisenatid abgesetzt werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Nicht empfohlen wird Lixisenatid für Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung. Bei mittelschwer eingeschränkter Nierenfunktion ist zumindest Vorsicht angebracht. Bei Typ-1-Diabetikern ist Lixisenatid kontraindiziert.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Im klinischen Studienprogramm der Phase III, GetGoal, wurden weltweit mehr als 5000 Patienten in elf Studien eingeschlossen. In bislang veröffentlichten Studien hat Lixisenatid den primären Wirksamkeits-Endpunkt der HbA1c-Senkung erreicht. Dabei wurde Lixisenatid mit Placebo in der Regel als Zusatztherapie zu entweder Metformin, einem Sulfonylharnstoff, einem Basalinsulin oder einer Kombination aus zwei dieser Arzneimittel bei Patienten verglichen, bei denen eine vorangegangene Behandlung erfolglos gewesen war. Das Ergebnis nach 24 Wochen: Lixisenatid in Kombination mit Antidiabetika senkte es den HbA1c-Wert um 0,4 bis 0,9 Prozent stärker als eine Standardtherapie plus Placebo. In einer weiteren Studie wurde Lixisenatid mit Exenatid als Zusatztherapie zu Metformin bei Patienten verglichen, deren Blutzuckerwerte mit Metformin nicht ausreichend kontrolliert werden konnten. Nach einer 24-wöchigen Behandlung zeigte sich unter Lixisenatid einmal täglich eine Reduzierung des HbA1c-Wertes um etwa 0,8 Prozent, verglichen mit einer Reduzierung um knapp 1 Prozent mit Exenatid zweimal täglich.

Hintergrundinfos

Darmzellen geben Inkretin-Hormone in den Blutkreislauf ab, darunter das Glucagon-like-peptide 1 (GLP-1). Es spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung physiologischer Blutzuckerwerte. Das Hormon selbst kann nicht als Medikament eingesetzt werden, da es sehr schnell durch das körpereigene Enzym Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) abgebaut wird. Inkretin-Mimetika wie Exenatid, Liraglutid und Lixisenatid besitzen eine leichte veränderte Struktur und erlangen dadurch eine deutlich höhere Wirkdauer. Das Lixisenatid-Molekül hat Ähnlichkeit mit Exendin-4, einem Polypeptid, das im Speichel der nordamerikanischen Gila-Krustenechse enthalten ist. Exenatid ist die biotechnologisch hergestellte Variante davon. Lixisenatid und Exenatid unterscheiden sich am C-terminalen Ende der Peptidkette. Im Vergleich zu Exenatid fehlt bei Lixisenatid an einer Stelle die Aminosäure Prolin. Am Kettenende trägt dieses dafür sechs Lysin- Moleküle.

 

Die zu dieser Arzneistoffklasse zählenden Wirkstoffe lassen sich in zwei Gruppen mit unterschiedlich gewichteter Wirkung einteilen. Grund dafür sind die Unterschiede in der Pharmakokinetik. Lang wirksame GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid oder das einmal wöchentlich zu injizierende Albiglutid sind überlegen, wenn es darum geht, den Nüchtern-Blutzucker zu senken. Kurz wirksame Vertreter wie Lixisenatid und Exenatid haben eine Halbwertszeit von etwa 2,5 Stunden. Sie sind vorteilhaft, wenn es darum geht, postprandial erhöhte Blutzuckerwerte zu senken. Dies wird mit einer langanhaltenden Unterdrückung beziehungsweise Verzögerung der Magenentleerung begründet.

Besonderheiten

Marktrücknahme in Deutschland, weil kein Konsens über den Erstattungsbetrag erzielt wurde.

Links

Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR):

www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/002445/WC500140450.pdf

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels:
www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/002445/WC500140401.pdf

Weitere Hinweise

Eine Anwendung von Lixisenatid bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. In der Stillzeit darf Lixisenatid nicht angewendet werden.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 15.09.2016