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ARZNEISTOFFE

Insulin degludec|Tresiba®|12|2014

STOFFGRUPPE
12 Antidiabetika
WIRKSTOFF
Insulin degludec
FERTIGARZNEIMITTEL
Tresiba®
HERSTELLER

Novo Nordisk

MARKTEINFÜHRUNG (D)
05/2014
DARREICHUNGSFORM

Vertrieb eingestellt im Januar 2016

Indikationen

Tresiba kann zur Behandlung des Diabetes mellitus ab einem Alter von einem Jahr zum Einsatz kommen.

 

Bei Typ-2-Diabetes kann das Insulin allein oder in einer Kombination mit oralen Antidiabetika, GLP-1-Rezeptor-Agonisten und Bolusinsulin angewendet werden. Bei Typ-1-Diabetikern muss Tresiba mit kurz/schnell wirkendem Insulin kombiniert werden, um den mahlzeitenbezogenen Insulinbedarf zu decken.

Wirkmechanismus

Insulin degludec unterscheidet sich in seiner Primärstruktur nur minimal von Humaninsulin. Lediglich die letzte Aminosäure der B-Kette, Threonin, fehlt. Stattdessen wurde an das Insulinmolekül über einen Linker aus γ-Glutaminsäure eine C16-Fettsäure angehängt. Das Insulinanalogon zeichnet sich dadurch aus, dass es im Gegensatz zu NPH-Insulinen und anderen basalen Insulinanaloga wie Insulin glargin und Insulin detemir mit circa 25 Stunden eine wesentlich längere Halbwertszeit besitzt. Die Wirkdauer liegt über 42 Stunden hinaus im therapeutischen Dosierungsbereich. Diese Eigenschaft von Insulin degludec beruht darauf, dass das Insulin in der Injektionslösung in Form von Di-Hexameren vorliegt. Das in geringen Mengen enthaltene Phenol aus der Lösung verteilt sich nach der Injektion, sodass sich die Di-Hexamere über einzelne Seitenketten-Kontakte zu langen Multihexamer-Ketten im Unterhautfettgewebe zusammenlagern können. Aus diesem Depot werden langsam und gleichzeitig Insulin-Monomere freigesetzt und in den Blutkreislauf abgegeben, wenn sich das enthaltene Zink verteilt. Dieser Verzögerungsmechanismus ist die Grundlage für das flache und stabile Wirkprofil von Insulin degludec.

Anwendungsweise und -hinweise

Insulin degludec wird einmal täglich subkutan appliziert. Die Dosis sollte der Arzt  patientenindividuell festlegen. Vorzugsweise sollten die Patienten Insulin degludec immer zur gleichen Tageszeit spritzen. Das Injektionsintervall ist aber im Gegensatz zu anderen Basalinsulinen flexibler. Zwischen zwei Spritzen ist immer ein Mindestabstand von acht Stunden einzuhalten. Ansonsten kann das Injektionsintervall zwischen 8 und 40 Stunden variiert werden.

Wichtige Wechselwirkungen

Die Fachinformation weist auf eine mögliche Senkung des Insulinbedarfs durch folgende Arzneistoffe hin: orale Antidiabetika, GLP-1-Rezeptoragonisten, Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer), Betarezeptorenblocker, Angiotensin-Converting-Enzym (ACE)-Hemmer, Salicylate, anabole Steroide und Sulfonamide.


Folgende Arzneistoffe können den Insulinbedarf erhöhen: orale Kontrazeptiva, Thiazide, Glucocorticoide, Schilddrüsenhormone, Sympathomimetika, Wachstumshormon und Danazol.


Betarezeptorenblocker können die Symptome einer Hypoglykämie verschleiern.


Octreotid/Lanreotid kann den Insulinbedarf sowohl senken als auch erhöhen.


Alkohol kann die Blutzucker senkende Wirkung von Insulin verstärken oder verringern.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen sind mit denen anderer Insulinanaloga vergleichbar. Es wurden keine unerwarteten Nebenwirkungen berichtet. Am häufigsten waren Hypoglykämien und Reaktionen an der Injektionsstelle.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Insulin degludec wurde in drei Hauptstudien mit mehr als 1500 Typ-1-Diabetikern und in sechs Hauptstudien mit mehr als 4000 Typ-2-Diabetikern untersucht. Die Studien mit Typ-1-Diabetikern verglichen Insulin degludec mit Insulin glargin oder Insulin detemir. Zusätzlich spritzten sich diese Patienten zu den Mahlzeiten ein Bolusinsulin. In den Studien mit Typ-2-Diabetikern wurde Insulin degludec mit Insulin glargin und Insulin detemir verglichen. Die Patienten konnten nach Bedarf auch andere Antidiabetika oder schnell wirkende Insuline zu den Mahlzeiten erhalten.


Insulin degludec war bezüglich der Verbesserungen des HbA1c-Werts sowohl bei Typ-1-Diabetes als auch bei Typ-2-Diabetes den anderen Basalinsulinen nicht unterlegen. Über die Studien hinweg betrug die durchschnittliche Senkung des HbA1c-Wertes unter Insulin degludec 0,6 Prozent bei Typ-1-Diabetikern und 1,2 Prozent bei Typ-2-Diabetikern. In einer prospektiv geplanten Metaanalyse über sieben Studien mit Typ-1- und Typ-2-Diabetikern war Insulin degludec im Vergleich zu Insulin glargin hinsichtlich der Gesamtzahl von therapiebedingten bestätigten hypoglykämischen Episoden und hinsichtlich bestätigter nächtlicher Unterzuckerungs-Episoden überlegen. Während nächtliche hypoglykämische Episoden sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetikern seltener auftraten, zeigte sich ein Vorteil bei den Unterzuckerungen insgesamt nur bei Typ-2-Diabetikern, bei Typ-1-Diabetikern war die Gesamtzahl im Vergleich zu Insulin glargin dagegen leicht erhöht.

Besonderheiten

Tresiba muss bei 2–8 °C gelagert werden. Nicht einfrieren.


Nach dem ersten Öffnen sollte Tresiba nicht mehr im Kühlschrank, aber auch nicht bei Temperaturen über 30 °C gelagert werden. Im Umkarton aufbewahren (Lichtschutz).

 

Nach Anbruch ist Tresiba maximal acht Wochen verwendbar.

 

Tresiba ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Es liegen keine klinischen Erfahrungen über die Anwendung von Insulin degludec bei Schwangeren vor. In Tierversuchen konnte kein Unterschied zwischen Insulin degludec und Humaninsulin festgestellt werden. Es liegen keine klinischen Erfahrungen über die Anwendung in der Stillzeit vor.

Packshot

Letzte Aktualisierung: 14.07.2016